Auf den Sommerweiden oben am Berg Brokeback sollen die beiden Cowboys Jack Twist (
Jake Gyllenhaal) und Ennis Del Mar (
Heath Ledger) eine Schafherde hüten. Erst allmählich beginnen sich die beiden Männer zu unterhalten. Eines Nachts schlafen sie miteinander, und die nächste darauf wieder. Die Zweisamkeit ist nicht von Dauer: Der Farmer sieht sie bald und beendet die Saison. Ennis und Jack gehen getrennte Wege.
Jahre später – beide sind verheiratet und haben Kinder – erreicht Ennis eine Postkarte von Jack: Er will sich treffen. Sie flüchten sich für ein paar Tage zum Brokeback, in der Gewissheit, dass ihr gemeinsames Glück nur von kurzer Dauer ist, egal wie oft sie noch aus ihren Existenzen flüchten werden.
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Liebe am Brokeback: Jack (Jake Gyllenhaal, l.) und Ennis (Heath Ledger, r.) |
Die Konsequenz, mit der
Ang Lee sein zentrales Thema im Lauf seiner Arbeit als Regisseur verfolgte, ist bemerkenswert. Menschen, die ihre Gefühle nicht ausleben dürfen, die ihre Persönlichkeit verbergen müssen - sie bestimmten
Das Hochzeitsbankett genauso wie den
Eissturm,
Tiger & Dragon und erst recht
Hulk.
Um nichts anderes kreist nun auch
Brokeback Mountain: Einmal mehr nimmt sich Lee mit dem Blick des faszinierten Außenstehenden eines scheinbar ur-amerikanischen Umfelds an, um in ihm eine Geschichte von Verleugnung, Fassaden und Schmerz aufzubauen. Sein Paradoxon ist der weite Westen mit seiner sprichwörtlichen Freiheit und der ebenso tief wurzelnden sozialen Repression. Pflicht, Tradition und Rangordnung durchdringen das Leben; Damit entwirft Lee einen Ort, der durch das persönliche Unglück, das er verursacht, allgemeingültig wird, sich in allen Kulturen wieder finden lässt. Die Konsequenz für Fehlverhalten ist simpel: Die beiden Männer, die gegen diese Regeln verstoßen, wissen, dass sie mit dem Tod bedroht sind, sollten sie ihre Beziehung nach außen tragen.
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Lureens (Anne Hathaway) und Jacks (Jake Gyllenhaal) Ehe: Auch eine Form von Glück - aber eines, das die Sehnsüchte nicht stillen kann |
Im Lauf der Geschehnisse rasen die Jahre vorbei, werden beiläufig Kinder geboren, die heran wachsen, wechseln Frisuren und nehmen die Fältchen zu. Für Lee ist es mehr ein dazwischen geschnittener Indikator der Zeit denn wichtig. In der episodenhaften Erzählung, die
Brokeback Mountain ist, nehmen vielmehr die Szenen Raum ein, in denen Ennis und Jack durch ihre bisweilen verzweifelten Aktionen zeigen, dass sie in einem falschen Leben gefangen sind. Das Duo
Heath Ledger/
Jake Gyllenhaal beweist in eben diesen Rollen die Reife fürs Charakterfach. Gleiches gilt für die Riege des jungen Hollywoods, die sie umgibt:
Michelle Williams ist den Jugendserien entwachsen;
Anne Hathaway wieder muss sich nicht unbedingt die Bluse vom Leib reißen, um klar zu machen, dass sie die Disney-Zeit hinter sich gelassen hat. Kurz treten auch
Linda Cardellini und
Anna Faris, noch zwei Damen, die sich im Film weiteres Profil geben können, auf. Einzig: Bei allen von ihnen, nicht nur bei
Ledger und
Gyllenhaal, wird deutlich, dass Altern - selbst wenn es nur für die Leinwand geschieht - für Berufsjugendliche der Filmindustrie mehr als ein Problem darstellt.
Es soll das einzige Schwächeln in einem außergewöhnlichen Werk bleiben.
Ang Lee hat einen Film geschaffen, der nicht nur bild- und farblich präzise komponiert ist, sondern auch eine wohltuende Zurückhaltung übt, die den meisten Regisseuren bei diesem Stoff fremd wäre. Ohne Symboliken oder die noch näher liegenden Emotionen zu strapazieren, formuliert er eine Geschichte, die in gleichem Maße ihre Anteilnahme steigert wie die Figuren ins gefühlsmäßige Elend stürzen – und eine, die in ihrer Suche nach Liebe letztendlich so selbstverständlich ist, dass die Aufregung rund um den Sachverhalt schwuler Cowboys all ihre Bedeutung verliert. Nicht nur in dieser Universalität ist
Brokeback Mountain ein Maßstab für andere.