Eines gleich vorweg: Antworten auf die Fragen bietet der Film nicht. Und das nicht grundlos, denn dem Film liegt ein grundsätzliches – bisher noch ungeklärtes - Problem der Philosophie zugrunde, nämlich die Existenz an sich. In
Bleep wird lediglich versucht, sich dem Mysterium mit Hilfe der Quantentheorie zu nähern - und das mehr philosophisch als wissenschaftlich.
Der Film ist nicht als Dokumentation im engen Sinn zu verstehen, sondern verschränkt Interviews und Kommentare mit belangloser, fiktiver Handlung rund um die Fotografin Amanda, dargestellt von der tauben Schauspielerin
Marlee Matlin, die für ihre Rolle in
Gottes vergessene Kinder einen Oscar bekam. Als optische Auflockerung ist der Film mit diversen Computereffekten gespickt, die physikalische und physische Vorgänge darstellen. Gleichzeitig sorgen sie aber auch für eine Mystifizierung der Thematik.
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| Sieht es so im Inneren eines Atoms aus? |
Die von 14 Persönlichkeiten aus Wissenschaft, Philosophie und Spiritismus aufgeworfenen Fragen sind vielen im Publikum sicher nicht unbekannt, und der gebotene Standpunkt der Quantentheorie scheint aufgrund der simplen Aufarbeitung durchwegs einleuchtend. Was als Dokumentation beginnt, entwickelt sich aber Schritt für Schritt zu einer zähen Lebensberatung: Schnell machen die spärlichen Fakten den Meinungen der Redner Platz. Fehlende Namenseinblendungen bei den Interviews lassen bis zum Ende des Films warten, wo man endlich erfährt, wer die Kommentatoren eigentlich sind. Hat man dann – aufgrund der steigenden Tendenz der Redner zu immer blumigeren und neo-religiös wirkenden Aussagen - schon den Eindruck gewonnen, dass es sich bei den meisten von ihnen um Philosophen oder Spiritisten handelt, überrascht es sehr, dass doch ein Großteil Ärzte oder Physiker sind.
Eine ähnliche Wandlung von interessant zu langatmig bleibt dem Story-Teil erspart, denn dieser ist schon von vornherein nicht sonderlich spannend und wirkt laienhaft gespielt. Amanda, vom Ehemann betrogen und getrennt, stellt ihre Existenz in Frage und wird zusehends verrückter. Ob das wohl an den Nerventabletten liegt, die sie bei jeder Gelegenheit schluckt? Sie hat sonderbare Träume und begegnet einem kleinen, extrem prophetischen Jungen, der in Anbetracht seiner Aussagen über die Realität frisch dem ersten Teil der Matrix-Trilogie entsprungen sein könnte.
Der Gipfel des Wahnsinns wird erreicht, als Amanda auf einer polnischen Hochzeit fotografieren muss und sich dort aus Frust betrinkt. Dann nämlich springen fußballgroße, computeranimierte Körperzellen im Cartoon-Look in Amandas Realität und flirten, fressen, streiten, klettern lüstern Frauenbeine hoch und tanzen Polka. Neben der Polkamusik werden Sie dabei noch von einem Kommentar begleitet, der das Publikum über Zellen und ihre Abhängigkeit von Botenstoffen aufklären soll.
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| Amanda auf einer neuen Ebene des Seins? |
Nach dieser Orgie ist unsere Protagonistin psychisch am Ende. Nicht einmal ihre stupid gezeichnete Mitbewohnerin kann sie aufbauen. Erst das Besinnen auf weise quantentheoretische Worte eines - zufällig in der U-Bahn angetroffenen - Mannes kann helfen. Der wird interessanterweise von
Armin Shimerman gespielt, den man aus TV Serien wie
Deep Space Nine und
Buffy - Im Bann der Dämonen kennt. Amanda nimmt sich plötzlich alle im Interviewteil gegebenen Lebens-Tipps zu Herzen, besiegt ihre Tablettensucht und erklimmt in Windeseile neue transzendente Ebenen. Und wenn man den Kommentatoren Glauben schenken darf, ist uns dieses Leben als eigener Gott auch möglich.
Wenn Sie jetzt wissen wollen, wie genau das funktioniert, sollten Sie ein Kino einer Quanten-Superposition ihrer Wahl besuchen und Bleep anschauen. Zwingend notwendig ist es aber nicht.