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Berlinale 06, Tag 7: Ermüdungserscheinungen


Totale Erschöpfung
Brasilianische Teenagerschwangerschaften, knallbunte Melodramenwelt und Traumfrauen im Fernsehen.


Mittendrin in der Berlinale ist Magdalena Miedl

Kinder mit Kindern in ihren Bäuchen: Meninas verfolgt das Schicksal schwangerer Teenager
Der Regen hat uns wieder, der Winter auch, und gemeinsam mit dem Schlafdefizit macht das Augenringe bei vormals munteren Festivalbesuchern. Doch wer die Nächte durchfeiert, etwa auf dem gestrigen Panorama-Fest im Bärenclub im Keller des Berlinale Palasts, darf auf kein Mitleid hoffen. Das ist schon gut so, denn wie wir wissen, gibts immer Menschen, denen es viel schlechter geht als einem selbst.

Genau dieses Totschlag-Argument ist zu befürchten, wenn sich ein Dokumentarfilm mit minderjährigen Schwangeren in brasilianischen Slums auseinandersetzt, wie Las Meninas (Teen Mothers) der brasilianischen Regisseuse Sandra Werneck. Werneck drehte bereits einige Spielfilme, aber auch Dokus: über Straßenkinder, über Prostitution und Gewalt. Von hier war es nur mehr ein Schritt an einen der Ursprünge des Problems, sagt Werneck. Über 110 schwangere Mädchen wurden gecastet, letztlich sind es drei, die alle unter 15 Jahren sind. Luana (15), Evelin (13) und Edilene (14) sind jeweils von ihren Freunden schwanger, doch auch die sind nicht gerade reif genug, um Verantwortung zu übernehmen.
Sandra Werneck hat die Mädchen ein Jahr lang in ihrem Alltag begleitet, die wachsenden Bäuche gefilmt, die Vorbereitungen, die Vorfreude, die Sorgen, die Tränen und die Babyschuhe. Absurde Situationen tauchen auf, etwa dass Luana und ihre Mutter gleichzeig schwanger sind, und dass ihr Freund gleichzeitig noch ein anderes Mädchen geschwängert hat.

Verhütung ist zwar ein Thema, doch wenn's keine Kondome im Krankenhaus gibt, dann klappt sie eben nicht - und so gibt's eben auch viele Babies. Vielleicht ist es die Sinnlichkeit der Brasilianer, die Unbekümmertheit, die Naivität und Kindlichkeit und gleichzeitig unschuldige und unverhüllte Sexualität, die schuld an den Schwangerschaften ist. Was auch immer der Grund: Las Meninas sucht keine Antworten, sondern beobachtet und beschreibt, ohne zu urteilen. Ein wunderschöner, unsentimentaler und schlichter Film, der über der Freude über ein neugeborenes Kind die Dramatik der selbst noch kindlichen Mutter vergisst.
Der Film soll eine Debatte in der brasilianischen Gesellschaft auslösen, hofft die Regisseurin. Immerhin: Im Mai kommt er in Brasilien in einige Kinos.

Auch dramatisch, aber wunderbar artifiziell sind zwei Melodramen, die in der Retrospektive "Traumfrauen der 50er Jahre" liefen: Douglas Sirks Weltklasse-Melodramen Written on The Wind and Imitation of Life sind auf der großen Leinwand viel schöner und bunter als auf dem Fernsehschirm - ganz klar, doch dass der Unterschied so groß sein würde, merkt erst, wer das einmal erlebt. Achtung: Die Retro läuft noch bis zum Ende der Berlinale! Und das Berlinale-Programm auf 3sat aus Anlass der Retro lässt die Traumfrauen nach Hause kommen - heute abend zu Besuch: Susan Hayward...
...und hier Lana Turner in Imitation of Life. Juanita Moore (rechts im Bild) wurde für ihre Rolle im Film für den Oscar nominiert.

3sat
 

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