Suche: Suche abschicken


Gedreht und gewunden
Ein Countdown, ein ganzes präpariertes Haus und sein Gegner ganz nahe bei sich: Jigsaw spielt ein neues Spiel, und alles leidet.


Werbung


auseinandergenommen von Thomas Taborsky

Kritik
Sadismus ist eine Säule des Horrorfilms: Das ganze Genre bräche in sich zusammen, würden wir nicht eine gewisse Faszination bis Begeisterung entwickeln sobald sich andere winden und leiden, wenn sie Angst haben und schließlich gemeuchelt werden. Jigsaw hätte in dieser Beziehung sicher eine Größe werden können: Gefinkelte Puzzle, die seine Opfer nur mit jenseitiger Leidensbereitschaft überleben können, das hatte viel für sich. Er hätte es werden können, wie gesagt.

Unfreiwillige Spielgefährten
(v.l.n.r. Dina Meyer, Lyriq Bent, Donnie Wahlberg)
Vielsagend ist schon die Tatsache, dass die Fortsetzung ohne Säge auskommen muss. Statt um die Freud am Leid dreht sich Saw II nämlich lieber um Rhetorik. Der vom Krebs zerfressene, aschfahle Jigsaw (Tobin Bell) hat in sein Versteck geladen, um ein scheinbar letztes Spielchen zu machen. Röchelnd erklärt er seinem Gegenüber, einem heruntergekommenen Detective (Donnie Wahlberg), wie er die Menschen von ihrem sinnlosen Dasein heilt oder sie mangels Heilungswillen beim Versuch draufgehen. Die Aufmerksamkeit des Officers hat er spätestens als die Überwachungsmonitore nebenan den Polizistensohn zeigen - mitsamt anderen speziell ausgesuchten Opfern, die gemeinsam in einem Haus voller lethaler Rätsel festsitzen. Während die Eingeschlossenen Nervengas und diversen Fallen ausgesetzt sind, philosophiert der Psychopath inzwischen weiter vor sich hin und provoziert den Detective.

Auch eine solche Konfrontation hätte Spaß machen können, wäre Jigsaw - kompetent markiert von Tobin Bell, einem Experten für blutleere Charaktere - mit einem würdigen Gegenüber gesegnet. Donnie Wahlberg in der Rolle eines toughen, abgetakelten Cops ist jedoch so ernst zu nehmen wie Noah Wyle beim Versuch, mit Vollbart und grimmiger Miene als Bösewicht durchzukommen.
Noch schlimmer ist allerdings das, was sich im Mordskabinett abspielt: Zuerst wallen die Agressionen gegeneinander auf, dann torkeln alle herum und spucken Blut. Anschließend tappen sie in die stets angekündigten Fallen, um brutal, aber schnell das Zeitliche zu segnen - Spannung baut sich da nie auf, und sadistisches Vergnügen schon gar nicht. Auf einmal berechenbar geworden, schaffen selbst gefinkelte Apparaturen wie Spritzengruben, Brennöfen und Selbstschussapparate keine großen Momente mehr. Zu helfen weiß sich der Film nur mit Schnittorgien - wie anfangs, wenn das Appetizer-Opfer in seiner Qual der Wahl ausrastet, aber auch als der Film in den Waschraum von Saw zurückkehrt und sich seinen 20-Sekunden-Flashback gönnt - beileibe nicht der einzige Hinweis auf den weit besser geglückten Vorgänger. Die Fortsetzung, bis zur Dreivierteldistanz unaufregend bis fade am Werk, bricht am Schluss vollends in Beliebigkeiten zusammen. Gedreht und gewunden wird die Story, bis der Weg zu einem dritten Teil heraus geschunden ist. Diese letzte Übung dürfte übrigens am besten gelungen sein: Saw III kommt nächsten Winter.

Trivia - Geschichten und Gschichterln
Als eines von Jigsaws Opfern nimmt Beverley Mitchell, bisher hauptsächlich als Tochter Lucy aus Eine himmlische Familie bekannt, eine kleine Imagekorrektur vor.

Horrormeister Wes Craven und seinem The Last House on the Left wird Tribut gezollt als Jigsaw Detective Matthews eine Wegbeschreibung gibt: "Es ist das letzte Haus links."

Zitat
Jigsaw (zu Detective Matthews): "Jetzt dauert es nicht mehr lange und ihr Sohn pisst Blut."
Offizielle Filmseite
http://www.saw2.com/