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Angst
Laia Marull macht Angst körperlich spürbar. Die Angst einer Frau. Deren Mann sie erniedrigt und schlägt. – Ein schmerzhaft berührender Film von Iciar Bollain.


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mitgelebt hat Maria Schoiswohl

Kritik

Die Story ist bekannt: Mann schlägt Frau. Frau verlässt Mann. Mann verspricht sich zu bessern. Wirbt um Frau. Besucht Therapie. Frau glaubt Mann. Geht samt Kind zu Mann zurück. Mann schlägt Frau. Frau verlässt Mann. Endgültig.

Wie sie Iciar Bollain erzählt, wird diese Geschichte jedoch eine, die du gesehen haben musst.

Laia Marull in der Rolle der Pilar (Ehefrau) ist einzigartig. Sobald sie auftritt, spürst du, was sie spürt. Ihr Gesicht verrät dir alles und das lässt dich so schmerzlich mitleben. Dein Bauch verkrampft sich, wenn sich Ehemann Antonio (glaubhaft und traurig Luis Tosar) nur hinter sie stellt, ihr eine Blume schickt oder Ohrringe schenkt. Du hoffst mit ihr, wenn er seinen Therapeuten (Sergi Calleja) aufsucht und Besserung verspricht. Du wünschst dir sogar, dass alles gut wird.

Doch Antonio hat Angst.

Als Pilar in der Kunst eine neue Aufgabe findet und Museumsführungen für Laien anbieten will, da hat Antonio Angst. Angst vor Neuem, Angst davor die Kontrolle zu verlieren, Angst, dass er ihr nicht genug ist. „Was kann ich ihr bieten?“ fragt er sich – sein Therapeut: „Dass du ihr zuhörst, sie respektierst.“ Antonio will mehr. Er will absolute Kontrolle und Macht.

Aber Pilar entwischt. Mit jedem Tag wird sie selbstbewusster, trägt ihren Kopf höher, lacht wieder. Du lachst mit ihr. Als der Tag des Vorstellungsgesprächs für die Museumsführung da ist, kommt es zum Eklat. Vor Eifersucht rasend reißt Antonio Pilar die Kleider vom Leib, zwingt sie nackt auf den Balkon, schreit sie an. Pilar weint, zittert, uriniert.

Ab dem Moment ist es vorbei. Vorbei mit deiner und ihrer Hoffnung auf Besserung, auf alles wird gut. Pilar packt ihre Sachen – den traurigen Rest einer neunjährigen Ehe: Ihre Kleider, ein Foto und einen Zierteller. Mit Antonio spricht sie kein Wort.

Der Film ist packend, berührend, schmerzhaft. Die direkte und berührende Darstellung fesselt dich an den Kinosessel. Echt, intensiv, knallhart zeigt Regisseurin Bollain das Drama einer eigentlich alltäglichen Ehe. Danach hoffst du, selbst nie Teil eines solchen Dramas zu werden.

Absolut sehenswert!

Trivia - Geschichten und Gschichterln
Sieben Goyas für Iciar Bollains dritten Spielfilm. Unter anderem für Beste Regie, Besten Film, Beste Hauptdarstellerin und Besten Hauptdarsteller.
Goya 2004 - Spanischer Filmpreis
http://www.el-mundo.es/especiales/2004/01/cultura/goya/