Nicht alle Dokumentationen aus Amerika sind von Michael Moore.
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Im Jahr 2001 flog einer der größten Wirtschaftsskandale in der Geschichte Amerikas auf. Enron, eine der erfolgreichsten Firmen auf dem Energiesektor, ging Bankrott und sagenhafte 20.000 Menschen verloren ihren Job. Kein anderer Fall war repräsentativer für den Börsenwahn, der ab Mitte der Neunziger in den USA einsetzte und mit dem Einstürzen der Twin Towers im September 2001 sein Ende fand. Enron – The Smartest Guys in the Room rollt chronologisch den Aufstieg und Fall von Jeffrey Skillings, Ken Lay und Andy Fastow, den Verantwortlichen und mutmaßlichen Drahtziehern hinter dem Skandal, auf.
Kritik
Was macht eine gute Dokumentation aus? Ist es wirklich notwendig, durch aggressive und plakative Fragestellung sein gegenüber zu verwirren? Müssen durch Einsatz von Musik und anderen filmischen Tricks das Thema und die Personen ins Lächerliche gezogen werden? Seit Michael Moores prämierten Dokumentationen scheint es anders gar nicht mehr möglich zu sein, die Aufmerksamkeit des Publikums zu erhalten. Dass es auch anders geht, zeigt die oscarnominierte Doku Enron – The Smartest Guys in the Room.
Nach dem gleichnamigen Buch von Bethany McLean und Peter Elkind entwarf Alex Gibney einen Film, der den Fall um den Fall von Enron wirklich vorbildhaft erklärt. Chronologisch werden die Ereignisse gezeigt, die zur Entstehung des Riesenkonzerns führten und auch für sein Ende verantwortlich waren. Gibney baut seinen Film so auf, dass der Zuschauer durch die strikte Timeline immer die Übersicht über die Geschehnisse hat. Und das, obwohl er wirklich auf viele Aspekte eingeht, die den Wahnsinn dieses Falles angehen. Denn die Wellen, die der Enron-Skandal geschlagen hat, haben auch in vielen Banken und bei vielen Politikern die Boote zum Kippen gebracht.
Alex Gibneys Film ist dabei extrem unterhaltsam und informierend zugleich. Er versucht nicht, sich auf eine Seite zu stellen (wahrscheinlich auch weil etliche Verfahren noch in Gang sind), sondern bringt alle bis dato auf dem Tisch liegenden Fakten auf den Tisch. Dabei sind die Ausschnitte aus der Befragung der Verantwortlichen nach dem Crash wohl am interessantesten. Mit welcher Eiseskälte sich die Obersten abputzen und sich gegenseitig den schwarzen Peter zuschieben, ist schon sehenswert. Und übrigens: Auch unser Ah-nold kriegt einen kurzen Auftritt, nämlich als der Gouverneurskandidat, der durch die in Kalifornien von Enron ausgelösten Energiekrise profitiert.
Ich möchte hier gar nicht viele Worte über den Fall Enron selbst verlieren. Sie sollten viel lieber diesen Film anschauen, denn so interessant und gleichzeitig seriös war schon lange keine Dokumentation aus Amerika mehr. Und wie froh können wir sein, dass man aus diesem Thema keinen Film mit Schauspielern gemacht hat, denn das wäre nur eine weitere Katastrophe in der Geschichte dieser Firma.
Fazit: Eine wirklich gelungene Dokumentation, die von Anfang bis Ende fesselt und die niemand verpassen sollte.