

Danny (Jonah Bobo, links) und Walter (Josh Hutcherson) haben im Astronauten (Dax Shepard, Mitte) etwas Hilfe - und die brauchen sie auch, bei all den Überraschungen, die im All lauern... |
Hier haben wir also das Prunkexemplar eines durchsetzungsfähigen Brettspiels: Um aufzufallen, macht es sich zum einzigen hell beleuchteten Gegenstand im dunklen Heizungskeller. Dann die Knebel-Klausel, die man sonst nur aus langfristigen Bierlieferverträgen kennt: Einmal angefangen, ist es einfach nicht drin, nicht mitzumachen oder gar aufzuhören. Und schließlich, um absolute Aufmerksamkeit zu erlangen, kennt das fröhlich klingelnde Blechspielzeug auch noch schmutzige Methoden, um die Konkurrenz zu beseitigen: So wird der verhasste Fernseher im Handumdrehen mit einem Meteoreinschlag ausgeschaltet.
Wenn Zathura – das Spiel tatsächlich so rabiat wäre, hätte der Film
Zathura nur davon profitieren können. Leider ist das Nachfolgewerk zu
Jumanji nicht darauf versessen, das Weltall, sondern die schwer kriselnde Beziehung zweier Brüder zu erkunden – und alle Alarmglocken schrillen, denn es sind Scheidungskinder. Da hilft es nichts, wenn der nur kurzzeitig anwesende
Tim Robbins als Vater schnippische Kommentare über seine Lebenssituation abliefert: Ab geht die Reise ins Krisenland. Die Kinder haben die Trennung nicht verkraftet, Gräben brechen auf, der eine weist dem anderen sogar die Schuld an der Scheidung zu und schon schwirrt der Gedanke im Raum von wegen dass der eine wünschte, der andere wäre nie geboren worden. Und ihr Haus zerfällt langsam um sie herum... Symbolischer geht es kaum noch.
In der pädagogischen Psychopackung, die
Zathura ist, wird allerdings nicht nur über einem Brettspiel gestritten: Brandschatzende Raumpiraten machen den Brüdern das Leben genauso schwer wie Riesenplaneten oder ein Amok laufender Roboter. So spannend das klingt, verlaufen sich diese Actioneinlagen doch schnell wieder, wenn die Kinder vorsichtig durchs Haus manövrieren. Dazu gesellt sich dann auch noch ein Astronaut oder besser gesagt Gewissensbiss auf zwei Beinen, bei dessen Anblick einem wiederholt in den Sinn kommt, dass die Produzenten wohl den Hauptdarsteller aus Scrubs,
Zach Braff, wollten, aber nur sein etwas männlicheres Double
Dax Shepard bekommen konnten.
Andere Dinge sind wieder mehr als merkwürdig für einen Familienfilm, so zum Beispiel die ausgiebige Misshandlung der tiefgefrorenen Schwesternpuppe – ja, Regisseur
Jon Favreau hat in
Very Bad Things mitgespielt, aber das ist nur ein schwaches Indiz für das Warum – und dann gäbe es auch noch einen Hauch von Inzest, der aber genauso schnell wieder verschwunden ist wie er auftauchte. Kurz gesagt: Harmloser Humor - wie ein Fahrrad im Hausorbit kreisen zu lassen - steht dem Film wesentlich besser, aber er hat ihn kaum. Was übrig bleibt, ist ein nicht gerade aufregender Versuch – und die schwache Hoffnung, dass irgendwo noch Autoren Drehbücher schreiben, die den Leuten nicht auf Biegen und Brechen etwas beibringen wollen.