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Übersetzungshandwerk
Geheimexperimente von Medizinkonzernen, gedungene Mörder, Verschwörung in höchsten Kreisen, Afrika als Spielball: Nein, das ist kein Aufdeckerfilm, sondern einer über die Liebe.


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betrachtet von Thomas Taborsky

Justin Quayle (Ralph Fiennes), britischer Diplomat in Kenia, verabschiedet seine Frau Tessa (Rachel Weisz) am Flugplatz. Von der Reise, zu der sie und ein befreundeter Arzt (Hubert Koundé) aufbrechen, kommen sie nicht lebend zurück. Erst jetzt nach ihrem Tod entdeckt Justin, was sie auf ihren Touren durch das Land tat, während er lieber nicht hin hörte und den Garten pflegte. Seine Nachforschungen, warum Tessa sterben musste, bringen auch ihn in Lebensgefahr.


Kritik
Es ist nicht einmal eine Woche her, da bekam ich eine Scherzkarte geschickt, auf der die Welt aus der Sicht der Amerikaner gezeichnet ist: das Sternenbanner auf der Fläche der USA, im Norden die Mäuseköpfe von Kanada. Der 51. Bundesstaat - Großbritannien - lungert direkt über der Gegend, wo Wein, Parfüm und Spaghetti wachsen (Europa). Daneben liegen Öl und Krieg, gleich links von der Nike- (Indien) und der Microsoft-Fabrik (China). Afrika, ein schwarz-weiß gestreifter Fleck, heißt auf dieser Karte Empty Area, Leeres Gebiet.
Es ist wahr: Kaum jemand, auch nicht in Europa, bekommt zu oder will hören, was dort geschieht. Die Wirtschaft allerdings hat den rohstoffreichen Kontinenten längst für sich entdeckt, so wie es Frankreich und die Briten schon im 19. Jahrhundert taten - als Selbstbedienungsladen. In genau diese Kerbe schlägt Der ewige Gärtner: Afrika als Spielwiese der Konzerne, die sich nach Belieben an einer nicht ganz so offensichtlichen nachwachsenden Ressource bedienen: der Bevölkerung.

Regisseur Fernando Meirelles entspannt auf Basis eines Romans von John le Carré eine über den Tod hinaus gehende Liebesgeschichte, die er mit einem Wirtschafts- und Politkrimi umhüllt und beides in einem Thriller einpackt. Was er dabei produziert, ist ein gewaltiger Rückschritt zu seinem viel gepriesenen City of God: Handzahmer Symbolismus durchflutet seine Arbeit genau so wie das Licht seine Rückblenden. Die Zeitebene der Vergangenheit lässt er mit einer Handkamera arbeiten, die stets darauf drängt, Nähe zu Tessa und Justin zu schaffen, und sei es nur, indem sie den beiden so nahe wie möglich an den Leib rückt. Die Gegenwart wiederum ist unterbelichtet und mit Abstand fotografiert. Spärlich sind die Momente, in denen der Film auf diese Weise wirkungsvoll werden kann. Eher stammen sie aus der Kraft, die Meirelles entwickelt, wenn er die Ebenen verknüpft: Mit einem schmerzhaft eindringlichen Ergebnis blendet so er aus dem Bett, in dem sich das Paar gerade zum ersten Mal liebte, ins Leichenschauhaus an den Tisch, auf dem der Mann die arg zugerichtete Leiche seiner Ehefrau identifizieren muss.

Hinter der verschränkt erzählten Handlung, die in Der ewige Gärtner immer wieder auch Klischees unnötig züchtet, müssen die Darsteller ein wenig zurück treten. Dabei hat die Produktion eine enorme Breite an schauspielerischem Talent versammelt, das sich auch meldet - Pete Postlethwaite, Bill Nighy oder Archie Panjabi ragen alle in ihren raren Szenen heraus. Ebenso hätte sie in Rachel Weisz und Ralph Fiennes zwei Haupthandelnde, die beweisen, dass sie spielen können. Was dem Film lange Zeit fehlt, ist überdies eine Sympathiefigur - Fiennes darf sich als Scheuklappenmensch auf der Suche erst gegen Ende öffnen, und Weisz muss so getrieben agieren, dass ihrer Rolle eine manchmal abstoßende Rücksichtslosigkeit angeheftet ist.
Fraglos gelungen sind nur die Bilder, die sich Meirelles gesucht hat: Aufnahmen von Wellblechstädten, Menschentrauben, leblosen Londoner Backsteinhäusern und afrikanischen Landschaften. Mit einem dieser Panoramen, dem Lake Turkana, endet der Film auch - mit Vögeln, die in den Himmel aufschrecken. Es ist der schöne Nachbau einer literarischen Beschreibung - es ist Übersetzungshandwerk, und so wie alles, was zuvor zu sehen war, letztendlich in seiner eigenen Berechnung erstickt.
Deutsche Homepage des Films
http://www.der-ewige-gaertner.de/