

oben: Rivalinnen (v.l.n.r.: Zhang Ziyi, Michelle Yeoh, Gong Li) unten: Sayuris (Zhang Ziyi) großer Auftritt beim Wintertanz |
Niemand wird am Ende sagen können, dass er wesentlich schlauer geworden sei über die Geishas, obgleich ihm gerade deren Welt vorgeführt wurde.
Die Geisha ist - wie könnte es besser zur Aufgabe dieses Standes passen - ein Werk der Verhüllung, von verstohlenen Lichtpartien in einem Meer von Schatten. So inszeniert
Chicago-Regisseur
Rob Marshall seinen zweiten Hollywood-Film. Dass ihn sein Weg über die Choreographie, den Broadway und das Filmmusical Chicago in diesen Regiestuhl führte, steht dabei nie außer Zweifel: Wenn junge Dienstmägde im engen Geishahaus herum huschen, dann vollziehen sie dabei die Bewegungen von Ballett-Elevinnen. Schmiegt sich
Gong Li als laszive Hatsumomo an reale und imaginäre Türstöcke, so ist es das Räkeln eines Stars der Musikbühne.
Die Geisha ist ein präziser Film; ein Film, in dem der Effekt von Bauten, Farben, Licht und Mimik in Kombination potenziert werden. Bis in die Verblüffung steigert sich das, in Einstellungen wie die eines mit Bambus ausgekleideten Aufgangs oder eines Disputs hinter unebenen Glasscheiben, an denen man sich kaum satt sehen kann. Zwei kongeniale Partner in seinem Streben hat Marshall dabei in Produktionsdesigner
John Myrhe (
Elizabeth,
Chicago) und Cutter
Pietro Scalia, Stammschnittmeister von
Ridley Scott, die dem Film Aussehen und elegantes Tempo verpassen. Sobald der irritierende Gedanke, dass die Hauptdarstellerinnen chinesisch besetzt wurden, verdrängt ist, lässt sich auch deren Auftreten genießen. In den Mittelpunkt gerückt ist dabei klarerweise
Zhang Ziyi, die sich mit erschütternd blauen Kontaktlinsen durch den Film bewegt, doch in manchen Szenen wie der Passagier eines Effektzuges wirkt, der selbst nur geringen Anteil an der Imposanz des Geschehens hat. Beim Höhepunkt ihrer Rolle, dem Wintertanz, trumpft sie jedoch genauso auf wie Kostüm und Show.
Gong Li wiederum ist darstellerisch beschränkt durch ihre Aufgabe der sich aufspielenden, intriganten Rivalin, während
Michelle Yeoh meist beinahe nur beratende Tätigkeiten zu verrichten hat.
Wenn
Ken Watanabe allerdings zu sehen ist, vergisst man die Damen fast: Er stiehlt wie bereits in
Last Samurai ein ums andere Mal die Show, wozu er oft nicht einmal sprechen muss. Ebenso gelingt das
Koji Yakusho in der Rolle des Nobu, der, für Japan-Filmfreunde ohnehin bereits ein großer Held, damit endlich auch einmal dem hiesigen Mainstream-Publikum zu Gesicht kommt.
Trotz eindrucksvoller Inszenierung und Momenten im Schauspiel heftet sich der Film selbst einen zerstörerischen Makel an: den Drang, überall Emotion herauskitzeln zu müssen, als ob um die nächste Ecke eine Broadway-Solonummer lauern würde. Die amerikanische Gefühlsbetonung lässt sich schwer mit der Verschlossenheit vereinigen, die fernöstliche Genrefilme bei sich selbst wahrnehmen.
Die Geisha wird damit auf ihr reales Ausmaß gestutzt: eine Phantasie nämlich - und zugegebenermaßen eine bemerkenswert opulente.