Paris um 1912. In der prächtigen Kulisse ihrer Stadtvilla hat sich ein vermögendes Ehepaar in seiner Beziehung eingerichtet – Jean Hervey (Pascal Greggory) und seine Gattin Gabrielle (Isabelle Huppert) sind seit zehn Jahren verheiratet und leben ohne tiefe Gefühle, dafür mit vielen gesellschaftlichen Verpflichtungen und glänzenden Empfängen recht harmonisch nebeneinander dahin. Das geht solange gut, bis Gabrielle eines Tages beschließt, ihren Mann für einen Liebhaber zu verlassen, und dann, nur wenige Stunden später, diese Entscheidung revidiert und zurückkehrt. Jean ist fassungslos und redet auf sie ein, doch Gabrielle bleibt scheinbar kühl und nimmt alle Anschuldigungen wortlos hin. Es beginnt ein intimes Duell der Körper, der Herzen und der Seelen, in dem beide zum ersten Mal ihre wahren Gefühle zeigen, sich nicht mehr verstellen und ihre Sehnsüchte und Wünsche vollends offenbaren.
Man kann sich arrangieren. In vielerlei Hinsicht. Man kann es nun phlegmatisch oder diplomatisch nennen, es mag bequem oder ignorant sein, oder aber auch pures Kalkül. „Zweckehen“ haben, wie der Name schon verrät, auf jeden Fall eines: nämlich einen Zweck. Den Zweck, den
Isabelle Huppert als verwöhnte Dame „aus gutem Hause“ verfolgt, ist ein Leben voller Luxus mit Dienstmädchen, gesellschaftlichen Verpflichtungen, schönen Kleidern, einem großen Haus und allen Vorzügen, die man als Frau an der Seite eines wohlhabenden Mannes so haben kann.
Der Preis? Von Liebe kann sicher nicht die Rede sein, eher von Gewohnheit. Aber das ist nun mal so, sie muss sich ihrem Schicksal fügen, auch wenn sie einmal der Mut verlassen hat, sie schwach geworden und in die Arme des Liebhabers geflüchtet ist. Auf die weltlichen Dinge, an die sie sich eben so „gewohnt“ hat, kann und will sie nicht verzichten. Viel zu geübt ist sie auch schon im Bewahren des Scheins, ihrer Scheinehe nach innen und außen, ohne Körperkontakt und Gefühl.
Dass dieses zerbrechliche Haus der Oberflächlichkeiten einstürzt, wenn das kühle, reservierte Nebeneinanderleben (die beiden Eheleute siezen sich sogar) durch emotionsgeladene, sexuelle Begierde gestört wird, liegt auf der Hand. In seinem neuen Film thematisiert Regisseur Patrice Chéreau (Wer mich liebt nimmt den Zug, Sein Bruder) wieder eine durch sexuelles Verlangen aufgewühlte, zerrüttete zwischenmenschliche Beziehung. Dieses Mal zeigt er aber nicht die Affäre an sich, so wie in seinem wohl bekanntesten Werk Intimacy, sondern die andere Seite, die „Szenen einer Ehe“. Die Rückkehr nach dem Betrug. Den Sieg der Vernunft.
Inspiriert von Joseph Conrads Erzählung „Die Rückkehr“ lässt Chèreau die beiden Protagonisten gegeneinander laufen, wohl wissentlich, dass die beiden selbst nicht wissen, ob es „Sinn“ macht, es noch einmal miteinander zu versuchen. Ein interessant umgesetzter Konflikt mit dramatischen Szenen und Orchestermusik, gefolgt von Stille und Verzweiflung. In einigen Szenen werden, wie bei Stummfilmen, nur einzelne Worte oder Textpassagen auf Schrifttafeln eingeblendet. Die Spannung und die jahrelang unausgesprochenen Gedanken platzen aus den beiden heraus. Wie lebt man miteinander, wenn man seine Gefühle nicht ausdrücken kann oder will? Ist es mutiger zu gehen, oder zu bleiben?