Vor langer, langer Zeit, genauer gesagt im Jahr 2000, wird Dick Harper (Jim Carrey) in die Chefetage berufen: Er wird Marketingleiter, und zum allmächtigen Boss, Jack McCallister (Alec Baldwin), soll er zum Frühstück kommen. Was Dick nicht weiß, während er seiner Frau Jane (Tea Leoni) freudig rät, dass sie ihren Job kündigen soll, um sich ganz um den Jungen zu kümmern: Sein Unternehmen, die Globodyne Corporation, ist nur noch heiße Luft. Schon am nächsten Tag, während Dick im Fernsehen das Opferlamm für die Journalistengeier spielen soll, implodiert die Firma - und er steht auf der Straße.
Einen neuen Job finden beide nicht, und so verarmt die wohlstandsverwöhnte Familie in Windeseile. Als auch der Rasen vor dem Haus wieder abgeholt wird und das Leben als Tagelöhner noch mehr Ärger einbringt, rastet Dick aus: Er besorgt Rasen - und denkt sich einen Plan aus, um an Geld zu kommen - als Räuber.
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| Dirt poor - Dick (Jim Carrey)
auf dem Weg zur Rasenhückholaktion |
Sich über etwas lustig zu machen ist eine recht dankbare Lebensaufgabe: Die
Themen gehen nie aus. Ach, was haben wir doch alle gelacht, wie wir uns mit
unseren Neue-Markt-Aktien den Hintern... Ein leeres Bankkonto, fünf Jahre und
zweihundert Standup-Programme später ist es also auch im Film an der Zeit, sich
über die geplatzte Internet-Blase auszuschütten. Der Instant-Crash von
New-Economy-Luftschlössern ist dann auch die Kür im Programm von
Dick
& Jane, dem Remake eines Films, der schon vor einem
Vierteljahrhundert ein vormals reiches Pärchen auf Raubzug gehen ließ, um ein
Auskommen zu finden. Inspiration für sich überschlagende Laufbandnachrichten,
auf 0 zurasende Aktien-Höhenflieger und die vollkommene Leugnungshaltung von
schiffbrüchigen Firmenkapitänen gab es für die Neufassung wahrlich genug - der
Film dankt den Herren von Enron, Worldcom und weiteren, noch bevor die
Schauspielernamen abrollen.
Bliebe da allerdings
die Armutskomödie mitten in diesem bösen Erwachen einer hereingefallenen Nation.
Die kann sich mit Bush-Reden und Gore/Lieberman-Wahlkampflokalen besser im Jahr
2000 ansiedeln, als ihrer Geschichte einen durchgehenden Ton geben: Ob
Carrey und
Leoni in der nächsten Szene ernst, komisch, nur
noch auf Slapstick oder dann doch wieder fast morbid agieren - es lässt sich
nicht vorher sagen, also ist die Erwartungshaltung meist die falsche. Zumindest
Carrey hat sich für etwas entschieden: anfallsartige Überschuss-Komik.
Nein, der nächtlich-durchgeknallte Rasenraub stört nicht, sondern vielmehr
Szenen wie eine kräftig körperunterstützte Gesangs-Einlage auf dem Weg zur
Chefetage. Die einzige Großtat seiner sonst an den Rand gedrängten
Leinwandpartnerin, der pointierte Sarkasmus, den sie abfeuert, fällt überhaupt
fast gänzlich der deutschen Übersetzung zum Opfer.
In der
Schluckauf-Taktik eines undosierten Humors gehen dann munter auch noch andere
Gags verloren: Eine halbe Stunde und zehn Stimmungswechsel später hat jeder den
Namen der nächsten Pleitefirma, in der man Dick vorher noch verspottete und
fotografierte, vergessen. Glücklicherweise erinnert sich später allerdings auch
niemand mehr, den Erzähler und gleich lautende Texteinblendungen aus der
bemutternden Einleitung fortzusetzen. Obwohl Regisseur
Dean Parisot die
mehr oder weniger zündenden Gags fast willkürlich auf die Leinwand zu werfen
scheint: Wenn einmal mehrere hintereinander gelingen, so wie es beim
Raubversuchs-Zug der Fall ist, dann kann
Dick & Jane
tatsächlich sehr unterhaltsam sein. Problem dabei ist nur, dass der Film
genauso wenig weiß, einen solchen Lauf auszunutzen wie er seine Nebendarsteller
Richard Jenkins und
Alec Baldwin nur oberflächlich in Szene
setzen kann. Nichts ist es also mit dem Post-Dotcom-Gegenstück zu
Office
Space geworden, aber da die Erinnerung wach ist und noch immer ein paar
Aktien neben dem Klo liegen, ist noch Zeit, dass sich ein paar weitere
Filmemacher daran versuchen.