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Die Schluckauf-Taktik
Puff! - da war sie geplatzt. Die New-Economy-Blase bietet wieder mal Gelegenheit, ein paar verarmte Reiche wie wild um jeden Groschen strampeln zu lassen.


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eine Gewinnwarnung von Thomas Taborsky

Vor langer, langer Zeit, genauer gesagt im Jahr 2000, wird Dick Harper (Jim Carrey) in die Chefetage berufen: Er wird Marketingleiter, und zum allmächtigen Boss, Jack McCallister (Alec Baldwin), soll er zum Frühstück kommen. Was Dick nicht weiß, während er seiner Frau Jane (Tea Leoni) freudig rät, dass sie ihren Job kündigen soll, um sich ganz um den Jungen zu kümmern: Sein Unternehmen, die Globodyne Corporation, ist nur noch heiße Luft. Schon am nächsten Tag, während Dick im Fernsehen das Opferlamm für die Journalistengeier spielen soll, implodiert die Firma - und er steht auf der Straße.
Einen neuen Job finden beide nicht, und so verarmt die wohlstandsverwöhnte Familie in Windeseile. Als auch der Rasen vor dem Haus wieder abgeholt wird und das Leben als Tagelöhner noch mehr Ärger einbringt, rastet Dick aus: Er besorgt Rasen - und denkt sich einen Plan aus, um an Geld zu kommen - als Räuber.


Kritik
Dirt poor - Dick (Jim Carrey) auf dem Weg zur Rasenhückholaktion
Sich über etwas lustig zu machen ist eine recht dankbare Lebensaufgabe: Die Themen gehen nie aus. Ach, was haben wir doch alle gelacht, wie wir uns mit unseren Neue-Markt-Aktien den Hintern... Ein leeres Bankkonto, fünf Jahre und zweihundert Standup-Programme später ist es also auch im Film an der Zeit, sich über die geplatzte Internet-Blase auszuschütten. Der Instant-Crash von New-Economy-Luftschlössern ist dann auch die Kür im Programm von Dick & Jane, dem Remake eines Films, der schon vor einem Vierteljahrhundert ein vormals reiches Pärchen auf Raubzug gehen ließ, um ein Auskommen zu finden. Inspiration für sich überschlagende Laufbandnachrichten, auf 0 zurasende Aktien-Höhenflieger und die vollkommene Leugnungshaltung von schiffbrüchigen Firmenkapitänen gab es für die Neufassung wahrlich genug - der Film dankt den Herren von Enron, Worldcom und weiteren, noch bevor die Schauspielernamen abrollen.

Bliebe da allerdings die Armutskomödie mitten in diesem bösen Erwachen einer hereingefallenen Nation. Die kann sich mit Bush-Reden und Gore/Lieberman-Wahlkampflokalen besser im Jahr 2000 ansiedeln, als ihrer Geschichte einen durchgehenden Ton geben: Ob Carrey und Leoni in der nächsten Szene ernst, komisch, nur noch auf Slapstick oder dann doch wieder fast morbid agieren - es lässt sich nicht vorher sagen, also ist die Erwartungshaltung meist die falsche. Zumindest Carrey hat sich für etwas entschieden: anfallsartige Überschuss-Komik. Nein, der nächtlich-durchgeknallte Rasenraub stört nicht, sondern vielmehr Szenen wie eine kräftig körperunterstützte Gesangs-Einlage auf dem Weg zur Chefetage. Die einzige Großtat seiner sonst an den Rand gedrängten Leinwandpartnerin, der pointierte Sarkasmus, den sie abfeuert, fällt überhaupt fast gänzlich der deutschen Übersetzung zum Opfer.

In der Schluckauf-Taktik eines undosierten Humors gehen dann munter auch noch andere Gags verloren: Eine halbe Stunde und zehn Stimmungswechsel später hat jeder den Namen der nächsten Pleitefirma, in der man Dick vorher noch verspottete und fotografierte, vergessen. Glücklicherweise erinnert sich später allerdings auch niemand mehr, den Erzähler und gleich lautende Texteinblendungen aus der bemutternden Einleitung fortzusetzen. Obwohl Regisseur Dean Parisot die mehr oder weniger zündenden Gags fast willkürlich auf die Leinwand zu werfen scheint: Wenn einmal mehrere hintereinander gelingen, so wie es beim Raubversuchs-Zug der Fall ist, dann kann Dick & Jane tatsächlich sehr unterhaltsam sein. Problem dabei ist nur, dass der Film genauso wenig weiß, einen solchen Lauf auszunutzen wie er seine Nebendarsteller Richard Jenkins und Alec Baldwin nur oberflächlich in Szene setzen kann. Nichts ist es also mit dem Post-Dotcom-Gegenstück zu Office Space geworden, aber da die Erinnerung wach ist und noch immer ein paar Aktien neben dem Klo liegen, ist noch Zeit, dass sich ein paar weitere Filmemacher daran versuchen.

Zitat
McCallister: „Wie mein Daddy immer zu sagen pflegte - “ (starrt in die Landschaft)
Österreichische Filmseite
http://www.sonypictures.at/filme/dick-und-jane/index.html