Skurril, liebevoll, tschechisch und warum das Leben ein Feuerwehrball ist.
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Ein entlegenes Dorf im Norden Mährens. Das Leben der Dorfbewohner plätschert so dahin. Wer Arbeit hat, kann am Monatsanfang sogar sein Geld in der einzigen Kneipe im Ort versaufen oder am einarmigen Banditen verspielen. Man kann ja anschreiben lassen bei Bozka (Tatiana Vilhelmova), dem Mädchen, das den hiesigen Lebensmittelstand betreibt. Sonst passiert nicht viel. Nur wenn Boskas Freund und Michael Jackson-Imitator Lada (Pavel Liska) sie mit seinem Moped abholt, gibt es Aufregung und bewundernde Blicke der Kinder.
Im Wald vergeht kein Tag, an dem die Waldarbeiterinnen nicht dem „grünen Ahorn“ (Ahornschnaps) zusprechen, um die Kälte und die eigene Leere nicht spüren zu müssen.
Kaja (Zdenek Rauser), der Dorftrottel und aushilfsweise Waldarbeiter, ist der Nerv tötend phlegmatische Bruder des einzigen, der „es geschafft hat“ - Petr (Marek Daniel) ist vom Dorf weg nach Prag gezogen und nun nach Jahren über Weihnachten wieder einmal in sein Heimatdorf zurück gekommen. Er findet die unverändert verschrobene Dorfgemeinschaft aus vorhersehbaren Partnerschaften, aus traurigen Lebenskünstlern und verhinderten Poeten, wie etwa seinem Vater vor. Die Zeit scheint hier stehen geblieben zu sein.
Kritik
Manch einer mag den Tschechen eine gewisse Schrulligkeit und Eigenart nachsagen. Eine etwas eigenbrötlerische Lebensart, auf jeden Fall einen Skoda in der Garage und etwas „hinterweltlerisch“ und phlegmatisch. Nun gut. Das sind Klischees, denen sich der tschechische Film oft und gerne bedient. Die Finesse an der ganzen Sache ist dabei aber nicht nur die Skurrilität der Charaktere, sondern vor allem die Skurrilität der Situationen, in die sie dadurch kommen. Der unweigerlich entstehende meist slapstickartige Humor vor dem Hintergrund der scheinbar aussichtslosen tristen Alltagssituation kann man getrost als tschechische Spezialität bezeichnen. Dieses kleine Dorf mit den unterschiedlichsten Persönlichkeiten, die in einem Paralleluniversum zu leben scheinen, bietet ausreichend Stoff für solch peinlich-lustige Momente. Es geht dabei nicht um eine zu erzählende, in sich schlüssige Geschichte; Es geht um eine Vielzahl von Erzählsträngen vor derselben Kulisse, und allein die Eigenarten sind dabei schon Geschichte genug. Aus diesem Konglomerat der verschiedenen Eigentümlichkeiten entsteht ein ganz klares Gesamtbild der Dorfbewohner und der Stimmung, die wie schwerer Nebel über ihnen hängt.
Die Figuren, so Regisseur Bohan Slama, haben ihn einerseits total fasziniert, aber genauso völlig verwirrt. In ihrem Zustand „kosmischer Weggetretenheit“ gibt es für sie selbst kein Entrinnen. Was sie trotz allem miteinander verbindet und sie gleichzeitig aber zu Getriebenen macht, ist ihr wahnsinniger Bedarf nach Liebe und Zuneigung. Den ultimativen Ausbruch der unterdrückten Gefühle stellt der alljährliche Feuerwehrball dar, der die gesamte Dorfgemeinschaft zumindest für einen Abend glauben lässt, dass doch nicht alles so traurig ist, wie sie glauben… und doch: Am nächsten Tag wird auf die Frage, was denn gestern gefeiert wurde, „die Traurigkeit“ geantwortet.
Fazit: Für alle, die den klassischen melancholisch- witzigen tschechischen Humor schätzen oder schätzen lernen wollen.
Trivia - Geschichten und Gschichterln
Was es mit den Knollenblätterpilzen auf sich hat, bleibt dem Leser leider verschlossen, dem geneigten Kinogeher sei es als Suchrätsel mit in Wilde Bienen gegeben.