Dieser Film hat gleich mehrere Probleme: Infernal Affairs 1 bis 3, Breaking News, Running out of Time, Fulltime Killer und, vor allem: Andy Lau.
Bis vor kurzem konnte man sich sicher sein, dass zumindest in den letzten zehn Jahren Asiaten die besseren Action-Filme machen. Das hat Verve, Eleganz und Witz, alles Dinge, die das US-Pendant trotz Patent darauf schon lange vermissen lässt. Knappe 90 Minuten, zum Bersten gefüllt mit knackigen Dialogen, spannungsreicher Action, kameratechnischer Qualität und herrlichen Zitaten – was es halt so braucht. Und bei jeder handlungstechnischen Unverständlichkeit konnte man sich ja als europäischer Kinogeher auf kulturelle Unterschiede oder Undeutlichkeiten in den englischen Untertiteln der chinesischen Originalversion rausreden.
Trotz diverser Verwerflichkeiten wie seiner Untaten der 1970er, als er noch als neuer Bruce Lee aufgebaut hätte werden sollen, hat sich Jackie Chan wacker geschlagen. Niemand erwartet in einem Action-Film Subtilität und Glaubwürdigkeit - pointierter Witz und die schon fast Ballet-ähnlich anmutend choreographierten Stunts Marke Eigenbau (und vor allem deren missglückte Versuche im Abspann) machten allerdings noch jeden neuen Jackie Chan-Film zum Kino-Erlebnis.
Und nun das: Jackie Chan versucht sich als Charakterdarsteller und gibt den Hardboiled-Cop mit Alkohol-Problem. Dialoge, die an schlechte Polizei-Serien gemahnen („Ich sagte: Waffe fallen lassen!“); ein Kitsch-Soundtrack, der es dem Filmmaterial völlig ersparen würde, etwas optisch rüberzubringen (was es durchaus könnte) und, damit’s auch alle verstehen, ein paar Rückblenden.
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| Inspector Wing mit Fanclub |
Schade ist es vor allem um so manchen guten Ansatz, den der Film ja erkennen ließe. Die junge Bande fadisierter höherer Töchter und Söhne mit zuviel Tagesfreizeit, fallweise tragischer Jugend und einem tödlichen Faible für PC-Spiele hätte durchaus was hergeben können, wirkt aber mit ihren bunten Masken eher wie eine chinesische Raubkopie von Gefährliche Brandung. So gehen die paar guten Einfälle wie die Beute-Aufteilung nach Anzahl der Todesopfer unter den Polizisten in einer Flut an wirklich eindimensionalen Handlungssträngen und Figuren unter: Da werden Freundinnen gefesselt, wird mit Bomben gedroht, grünen und roten Drähten gespielt und beinah vom Hochhausdach gefallen, dass es eine Freude ist. Wenn dann endlich das Warten auf gelungene Chan-Stunts ein Ende hat, können auch ein Fahrer-loser Bus, viel zerbrochenes Glas und eine Wagenladung knallgelber Plastik-Entchen den Film nicht mehr retten, selbst wenn in einer halben Stunde Überlänge ein mögliches Ende das nächste jagt. Empfehlung für Menschen, die noch NIE einen Actionfilm gesehen haben.