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Fahren Sie nicht nach Elizabethtown
Cameron Crowe liefert seine erste Vollniete ab.


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Nicht durchgehalten von Markus Steiger

Drew Baylor (Orlando Bloom ist am Ende. Soeben hat er mit einem neuen Sportschuh seine Firma fast in den Ruin getrieben, da das futuristische Stück zum Ladenhüter verkommen ist. Die Nachricht vom Tod seines Vaters macht seine Stimmung auch nicht besser, hindert ihn aber zumindest am Selbstmord. So reist Drew in die Heimatstadt seines Vaters, um ihn nach Hause zu holen.

Kritik
Es ist zum Kotzen, wenn gute Regisseure schlechte Filme machen. Cameron Crowe ist so ein guter Regisseur. Mit Jerry Maguire und Almost Famous bewies er sich als ein Mann, der Sentimentalität und Komödie wunderbar verbinden kann. Deshalb war ich auf Elizabethtown schon wirklich gespannt, da ich die Weiterentwicklung dieses guten Regisseurs beobachten wollte. Und was soll man sagen: Ich wäre besser zu Hause geblieben. Um es vorweg zu nehmen, ich habe wieder einmal getan, was ein guter Filmschreiberling nie machen sollte: Ich bin nach einer Stunde gegangen. Das tue ich zu meiner Verteidigung nur dann, wenn ein Film mir körperliche Schmerzen bereutet. Und Elizabethtown schmerzt.

Sein erster großer Fehler ist die Besetzung, denn Orlando Bloom hat so viel Ausstrahlung wie ein Stein. Nie kann man seine Gedanken nachvollziehen, nie leidet man mit ihm mit. Das hat auch mit der irrsinnigen Situation zu tun, in der er sich befindet. Ich leide zum Beispiel mit normalen Menschen mit, die kleine Niederlagen erleiden. Die Übertreibung in diesem Fall (nämlich dass er Milliarden in den Sand setzt) ist aber so überzogen, dass ich mich nicht mit ihm identifizieren kann und will. Diese Übertreibung setzt sich nahtlos in der Selbstmordszene fort, in der Crowe versucht, einen absurden Moment zu erschaffen, jedoch an Hauptdarsteller und Unnatürlichkeit der Situation (ja, auch Selbstmord kann etwas Natürliches sein) scheitert.

Das zweite große Manko sind die Dialoge. Wenn Kirsten Dunst (auf meiner Beliebtheitsskala 5 Punkte hinuntergerasselt) zum hundertsten Mal darauf hinweist, dass Drew die B66 nicht verpassen soll (obwohl er es in einer unnötigen Szene dann doch tut), dann will man, dass er ihr eine verpasst. Höhepunkt der Dummheit ist die schwer gekünstelte Telefonkonferenzschaltung, in der ein überfordeter Drew verschiedene Anrufer verwalten muss. So eine ärgerliche Szene hat es schon lange nicht mehr gegeben.

Ganz schlimm ist auch die tausendste Beschreibung von schrägen Familienverhältnissen. Die Familie von Drews Vater nervt ausnahmslos. Und auch der Versuch, den Hauptdarsteller seine Wurzeln finden zu lassen, gilt als völlig verhaut. Wenn ich solche blöden Verwandten habe, will ich meine Wurzeln nicht kennen. So schliddert der Film von einer Szene zur nächsten, und in jeder könnte man die Sitzlehnen ausreissen. Wenn Sie mir also böse sind, dass ich meiner Verpflichtung als Kritiker nicht zu 100% nachgekommen bin, dann schreiben Sie mir ein Protestmail oder gehen Sie in Elizabethtown. Danach könnten wir die besten Freunde werden, denn dann haben wir etwas gemeinsam: Hass und Enttäuschung.