Suche: Suche abschicken


Smash capitalism! Oder doch nicht?
Jennifer Abbott und Mark Achbar nehmen den Umstand, dass Corporations als juristische Personen die gleichen Rechte besitzen wie Individuen, zum Anlass für diese schwer verdauliche Dokumentation. Noam Chomsky, Milton Friedman sowie Chefmeckerziege Michael Moore sind allesamt mit von der Partie.


Werbung

Mit Denkfalten auf der Stirn verfolgt von Miriam Daill

Kritik
Vor 150 Jahren war die Firma im Gegensatz zum Staat noch eine relativ unbedeutende Größe. Doch das sollte sich im darauf folgenden Jahrhundert gravierend ändern. 1986 stellte der oberste Gerichtshof der USA fest, dass Corporations rechtlich mit einem menschlichen Individuum gleichzustellen sind, währenddessen die Eigentümer dieser juristischen Personen keinerlei persönliche Haftung für die Handlungen und Aktionen der Gesellschaft übernehmen müssen.
Das rasante Wachstum dieser ökonomischen Machtgebilde – besonders in den Vereinigten Staaten von Amerika – und deren bereits Furcht erregender Einfluss auf praktisch alles, was uns täglich umgibt, wird zum übergeordneten Thema, dass von Abbot und Achbar auseinander genommen wird. Erzählt wird das Ganze sozusagen im schulischen Stil in einer Abfolge von einzelnen Kapiteln, was diese doch etwas frustrierende Angelegenheit auch etwas auflockert und davor bewahren soll, dass man nach dem Kinobesuch sofort wutentbrannt loszieht, um die Einrichtung der nächstgelegenen amerikanisch Fast-Food-Filiale zu demolieren.

Öl kocht das Süppchen der KonzerneThe Corporation lebt besonders davon, dass Abbot und Achbar viel Wert darauf legten, auch die „Bösen“ – hier in Form von diversen CEOs von nicht unbedeutenden Konzernen – zu Wort kommen zu lassen, um zu beweisen, dass sie so fies doch nicht sind. Und tatsächlich: die Beteuerungen des Chefs von Shell Öl, er mache sich genauso viele Gedanken und Sorgen um die Umwelt und arbeite an einigen Konzepten, lässt sogar die Anti-Kaptialismus-Aktivisten, die sich vor seinem kleinen Einfamilienhäuschen versammelt haben, verstummen. Michael Moore ist in so einem Film derzeit einfach nicht wegzudenken. Natürlich wirft er sich auch hier wieder ins rhetorische Robin-Hood-Kostüm und gibt seinen Senf – und das nicht zu knapp – dazu. Diesmal ist die Argumentationsführung aber eindeutig solider als sonst.
Auch MIT-Professor Noam Chomsky gibt sich in dieser Dokumentation die Ehre und erörtert den Aspekt des Gewissens, das einer Corporation – sollte man sie als eine Person betrachten – zur Gänze fehlt. Das würde sie von einem psychoanalytischen Standpunkt aus gesehen zu einem Psychopathen machen.

Eine "Corporation" aus der Sicht der Psychologie zu betrachten, und ihr ein Persönlichkeitsprofil wie das eines Menschen zu erstellen, ist durchaus originell. Trotzdem schaffen es Abbot und Achbar (ohne dabei schwerere Depressionen zu erzeugen), dieses Weltuntergangsthema in einer halbwegs ausbalancierten Mischung, die gleichermaßen aus Kommentaren hochrangiger Akademiker sowie schwergewichtiger Business Executives besteht, darzustellen. Kritisieren muss man den Übereifer der beiden Filmemacher, der zu einer Filmlänge von satten 145 Minuten führte.
Obwohl The Corporation, wie man das von jeder anderen Dokumentation auch behaupten könnte, natürlich nicht makellos ist, ist da doch etwas durchaus Sehenswertes gelungen. Vielleicht auch deswegen, weil man natürlich weiß, welches politische Lüftchen einem hier von der Kinoleinwand entgegenweht. Das ist aber ok.


Zitat
Michael Moore: „I believe the mistake that a lot of people make when they think about corporations is they think, you know, corporations are like us. They think they have feelings, they have politics, they have belief systems. They really only have one thing: the bottom line - how to make as much money as they can in any given quarter. That 's it.“