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Fleischwunden in der Vorstadt
Hilary Swank lässt sich erschießen, und wir sollen das witzig finden: Grausiges Regiedebüt von Greg Marcks.


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Nicht amüsiert war Magdalena Miedl

Kritik
Autounfälle mit abgerissenen Intimteilen, zertrümmerten Schädeln und zerrissenen Gesichtern. Leichen, die in Kofferräume gestopft werden. Das soll lustig sein?
Das Regiedebüt von Greg Marcks hat zwei Jahre gebraucht, um zu uns zu kommen. Das ist wohl kein Zufall. Zwar hat der Film einen ambitionierten, puzzleartigen Aufbau, der trotz aller Verschachtelungen funktioniert – doch das alleine ist schon lange nicht mehr innovativ.

Der deutsche Filmkritiker Robert Weixelbaumer (Die Zeit) nannte diese Filmgattung unlängst "Panoramafilm" und stellte fest, dass aus einer Vielzahl von Geschichten, Figuren und Situationen wie nebenbei das soziale Gewebe einer Stadt entstehen kann. Weixelbaumer schrieb das allerdings im Zusammenhang mit einem anderen Regiedebüt, in dem ebenfalls Autounfälle eine Schicksalsmacht haben: Paul Haggis’ L.A.Crash.

Was 11:14 von L.A.Crash unterscheidet, ist weniger das Grauen, das bei Marcks’ Film allgegenwärtig ist. Marcks versucht, schwarzen Humor zwischen die Leichenteile zu packen. Mit absurden Zusammenhängen und sich erst allmählich erschließenden logischen Purzelbäumen baut er zusammen, was sich letztlich doch als völlig sinnlose und zufällige Gewalt herausstellt, höchstens motiviert durch Gier und Lüge. L.A.Crash hingegen nahm seine Figuren ernst und reflektierte über Bösartigkeiten und Unzulänglichkeiten. Bei 11:14 meint man das unterdrückte Kichern des Regisseurs zu hören, der einen grausigen Witz erzählt hat. Doch im Kinosaal lacht keiner.

Hilary Swank im Auto


Unverständlich bleibt, warum sich Hilary Swank für eine der (sympathischeren) Rollen hergegeben hat und sogar ausführende Produzentin ist. Weitere bekannte Gesichter sind Patrick Swayze als besorgt-hilfloser Vater mit Bierbauch und Rachel Leigh Cook als Vorstadt-Lolita, die vor Verzweiflung über die Einöde bis zum Äußersten geht.

Wer abgerissene Körperteile und grausige Fleischwunden haben will, wende sich vertrauensvoll an Meister George A. Romero und genieße einen vernünftigen Zombie-Film. Wer geschmacklosen Teenie-Blödsinn möchte, ist mit Hollywood-Fabrikaten wie der Scream-Serie oder American Pie und Konsorten besser aufgehoben. Und wer Jugendliche zum vernünftigen Autofahren erziehen will, schaue den aktuellen Werbespot des Verkehrsministeriums an: Der ist auch grauenvoll, aber wenigstens mit Sinn dahinter.

Die Moral dieses Films? Don’t drink and drive. Don’t let your daughter borrow your car. Und vermutlich: Don’t trust your dog if its breath smells funny.