Suche: Suche abschicken


Zombies sind auch nur Menschen
Der neue Romero ist da: Land of the Dead, das Land in dem "Du bist nicht tot und ich auch nicht!" schon eine eindeutige Anmache ist und Feuerwerke nichts mit Romantik zu tun haben.


Werbung

Eine Kritik von Julia Pühringer

Sie heißen nicht mehr Zombies, sondern ganz politisch korrekt „Walkers“. Nichtsdestotrotz haben sie relativ unkorrekt die Erde, äh, bevölkert. Es gibt nur mehr eine Untoten-freie Zone, eine Art abgeschottetes Ghetto für Nicht-Zombies. In den Fiddler’s Green-Türmen, einer Kombination von Luxus-Appartments, Club und Shopping-Mall (siehe Dawn of the Dead) leben die Reichsten der Reichen, rundherum befindet sich ein Slum für die Armen. Damit die Kapitalisten dem Luxus frönen können, kümmert sich eine Gruppe von Söldnern im Schutz eines Panzerwagens darum, aus den "besetzten" Gebieten alles Lebensnotwendige zu "organisieren". Der Held der Handlung ist Riley (Simon Baker), er arbeitet mit dem moralisch nicht ganz so einwandfreien Cholo (John Leguizamo) zusammen, der schon mal für am Schwarzmarkt gesuchte Waren wie Hochprozentiges und Zigarren nicht nur seinen Kopf und Kragen riskiert (in einer Form von skurillem Product-Placement erweisen sich Malibu und Henkell Trocken als einzige Überreste der Trinkkultur).
Die ganze post-apokalyptische Stadt sowie das dortige Glücksspiel und sonstige illegalen Aktivitäten werden von Kaufman (Dennis Hopper, die einzige höhere Cast-Investition) kontrolliert. Wenn die Welt untergeht, ist ein zweiter Name offensichtlich Luxus.
Da auch das Söldnerdasein auf Dauer kein schönes ist, will der gute Riley nur raus in die Natur - ins sogar von Zombies unbesiedelte Kanada; Der opportunistische Cholo will hingegen ein Leben wie die Reichen führen. Er entführt deshalb den Zombie-sicheren Truck und droht, die Türme zu sprengen, sollten seine Forderungen nicht erfüllt werden.


Kritik
Ach ja, Frauen kommen erst später ins Spiel. Und zwar in der Person von Slack, einer Prostituierten - in schlechten Zeiten/Filmen offensichtlich die einzige berufliche Perspektive für weibliche Wesen. Sie muss erst mal aus einer Arena im klassischen Sinn gerettet werden, wo sie allerdings nicht gegen Raubtiere ankämpfen muss. Gespielt wird die Dame immerhin von Asia Argento, der Tochter des italienischen Horror-Regisseurs Dario Argento. Dann gibt es noch eine blond-bezopfte Nebenrolle, deren ebenfalls unheimlich weiblicher Spitzname "Pretty Boy" Bände spricht. Da ist man schon sehr versucht, der doch wesentlich feinfühligeren Figurenzeichnung vom inzwischen 37 Jahre alten Night of the Living Dead oder dem nur unwesentlich jüngeren Dawn of the Dead nachzutrauern.

Aber damit nicht genug, auch der politische Inhalt: Faust auf’s Auge Hilfsausdruck. Und für jene, die’s per Bild nicht verstehen, dann Dialoge wie folgt: "Sie geben vor, am Leben zu sein." - "Tun wir das nicht auch?".
Nun fangen also die Zombies, pardon, Walker, leider auch an, ein bisschen zu denken und sind so in der Lage, Waffen zu benützen. Der Film legt eine bedenkliche politische Interpretation nahe, dies steigert sich noch, wenn die Untoten in einer Art "Zombie March to Washington", angeführt von "Big Daddy", einem besonders intelligenten Exemplar ihrer Spezies (Malcolm Z?) Richtung Stadt stolpern, um, was auch immer man in „uh uh grrr schmatz“ Geräuschen formulieren kann, zu fordern (Frischfleisch?).

Wenn man dann aber Sätze wie "Wir verhandeln nicht mit Terrorristen, wir haben andere Möglichkeiten" hört, kann man nicht länger ignorieren, dass da jemand den tatsächlich ernst gemeinten Versuch startet, einen Kapitalismus-kritischen "Nach 9/11" Zombie-Film zu machen. An guten Ansätzen mangelt es nicht: So könnten beispielsweise die brutale Trennung in Arm und Reich, die durch die Krisensituation noch verschärft wird, oder die überpräsenten militärischen Streitmächte ganz gut auch für andere, reale Länder stehen. Aber nach wirklich guten Persiflagen wie der britischen Rom-Zom-Com (Romantic Zombie Comedy) Shaun of the Dead braucht es mehr als ein paar Metaphern. Immerhin spielen jedoch die Shaun-Macher Simon Pegg und Edgar Wright eine kleine Nebenrolle. Das gefinkeltere Suchbild ist allerdings das Warten auf den in der Dead-Serie üblichen Gastauftritt von Tom „Sex Machine“ Sorvini, bekannt aus From Dusk Till Dawn sowie als hauptberuflicher Maskenbildner von B-Zombiefilmen.

Das wahre Problem: Vampire, Zombies oder sonstige zu sterben nicht Gewillte, die sich vom Fleisch oder Blut von Lebenden ernähren, sind nun einmal der Feind des (lebenden Film-)Menschen und keine "mortality challenged". Die Sache war noch 1978 gut in Dawn of the Dead, als sich Menschen als seelische (Konsum-) Zombies entpuppten. Aber mehr oder weniger seelen- wie hirnlose Leichen als unfair behandelte Randgruppe hinzustellen, tut jeder unfair behandelten Randgruppe unrecht und bestätigt gleichzeitig alle Vorurteile. Genau das ist der Grund, warum dieser Film nicht funktioniert.

Trivia - Geschichten und Gschichterln

Der Panzertruck sieht jenem aus dem Dawn of the Dead-Remake von 2004 verdächtig ähnlich, sein Name (ja, die von Trucks dürfen länger sein) ist Dead Reckoning, eine Anspielung auf einen Bogart-Film und gleichzeitig der Arbeitstitel des Films.

"Fiddler’s Green", der Name der Türme, bezieht sich auf ein irisches Lied, in dem es um den Ort geht "where the fishermen go if they don’t go to hell", eine Art "Paradise City".

Der Film beginnt mit dem alten Universal Pictures-Logo aus den Zwanzigerjahren.


Zitat

Kaufman: "In a world where the dead are returning to life, the word 'trouble' loses much of its meaning."

Kaufman: "Zombies, man. Freak me out."

Pillsbury: [Motown schließt gerade ein Auto kurz] "Yellow to red!"
Motown: "What the fuck does a Samoan know about hotwiring a fucking car?"“
Pillsbury: "50,000 cars stolen in Samoa every year."
Motown: "Well, a million in Detroit."
Pillsbury: "Detroit has 50 million cars. Samoa, 50,000. Every one stolen."

Die offizielle Homepage zum Film:
http://movies.uip.de/landofthedead/