Das Böse kommt aus New Orleans, Louisiana – das wissen wir spätestens seit
Angel Heart. Und doch gelang es Regisseur
Iain Softley, aus einem alten Thema (zumindest fast) das Bestmögliche rauszuholen – wozu die Besetzung nicht unwesentlich beiträgt. Die formidable
Gena Rowlands als voreingenommene Violet Devereaux findet in
Kate Hudson eine ihr durchaus ebenbürtige Gegenspielerin.
John Hurt beweist, dass auch eine so gut wie textlose Rolle eine Herausforderung ist, während
Peter Sarsgaard sich im redegewandten aalglatt sein übt, was ihm nicht schlecht zu Gesicht steht. Und sollte jemandem der seltsame Tankstellenbesitzer bekannt vorkommen: es handelt sich um
Jim Jarmusch-Liebling
Isaach De Bankolé, bekannt aus
Coffee and Cigarettes,
Ghost Dog und
Night on Earth.
Der Ort der Handlung bietet den perfekten Rahmen für Horror: Das spanische Moos der Bäume im Südstaatensumpf findet sich auf den Tapeten der Villa wieder, alles ist feucht und morsch – innen wie außen. Auch die zig Heiligenbilder und –Statuen im Haus können das Böse nicht verhindern und sind nur stumme Zeugen einer unausweichlichen, weil gut geplanten Spirale des Unheils.
Natürlich finden sich jede Menge überstrapazierte Requisiten aus dem Horrorfundus: Tierpfoten, Alligatoren-Schädel und was man sonst für Hoodoo so braucht; krachende Blues-LPs (das mangelnde Potential von CD-Spielern oder gar MP3-Playern für Rituale in einer Gegend mit hoher Luftfeuchtigkeit ist offensichtlich), die unverzichtbare blinde Seherin, jede Menge Zugwind, Blitz, Donner und Regen mit den obligatorischen wallenden Vorhängen sowie der mengenmäßig feuerschutzpolizeilich unkorrekte Einsatz von Kerzen.
Vor dieser Kulisse muss sich Caroline mit dem alten Ehepaar auseinandersetzen: Violet kann sie nicht leiden ("She’s not gonna understand the house") und der hilflose Ehemann Ben will ganz offensichtlich nach dem Schlaganfall, der ihn ausgerechnet am Dachboden ereilt hat, nur weg von hier.
Aber kein Horror ohne ein bisschen Pop-Psychologie: So hat Caroline Ellis ' Pflegerinnendasein natürlich einen Grund in ihrer Vergangenheit: während sie einem lustigen Leben frönte (ihre Beschreibung weckt Erinnerungen an Almost Famous), starb ihr Vater, bevor sie sich um ihn kümmern konnte.
Um Ben zu helfen, beschäftigt sich Caroline mit den Anwendungen von Hoodoo, einer amerikanischen Volksmagie, und versucht die Geheimnisse des Hauses (und des Ehepaares) aufzudecken, wobei sie die Kamera gekonnt bei ihren heimlichen Streifzügen durchs Haus begleitet – mal auf Höhe der Füße, aus der Vogelperspektive oder durch ein Türschloss.
Und plötzlich bekommt "daran glauben" mehr Bedeutungen, als ihr lieb ist.
Alles in allem eine gut gemachte Abwechslung nach den allenfalls mittelguten Teenager-Splatter-Filmchen oder den „am Ende ist doch alles ganz anders“-Machwerken á la The Sixth Sense. Denn das Ende ist zwar relativ überraschend, aber angenehmerweise nicht aufgesetzt. Da bleiben nur mehr zwei Fragen: wo findet man in Louisiana einen funktionierenden knallroten VW-Käfer? Und bekomme ich Ziegelstaub auch beim Baumarkt?