"Shot and cut by Robert Rodriguez": Geschossen, geschnitten und gestorben wird in keiner Stadt so oft wie in dieser. Welcome to Sin City, der Stadt, in der mehr Blut als Regenwasser fließt.
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Einsame, Ketten rauchende Helden, "damsels in distress" aus dem horizontalen Gewerbe, regennasse Straßen, schöne Autos, coole Sprüche und das alles unterlegt mit traurigen Saxophon-Klängen: Klingt bekannt? Sin City begibt sich in die verdammt seichten Untiefen des Film Noir (-Comics) und unterhält dabei bestens mit altbekannten Versatzstücken und ebensolchen Stars.Da es sich um die Verfilmung der ersten drei Bände der Sin City-Comics handelt, existieren drei Haupthandlungen, die durch Nebenhandlungen und Figuren verknüpft sind.
Marv (Mickey Rourke), ein hässlicher Schläger, verliebt sich in die perfekte Blondine: Goldie ("She smells like angels ought to smell"). Als er verkatert in der Früh erwacht, ist der Engel neben ihm schön, aber tot – von unbekannter Hand ermordet. Er sinnt auf Rache und ist willens, sein Leben – und das von einigen anderen – auf’s Spiel zu setzen, um den Mord aufzuklären.
Hartigan (Bruce Willis), ein vom Berufsleben gezeichneter Cop, ist auf der Jagd nach einem Irren, der kleine Mädchen missbraucht und umbringt (in ungefähr dieser Reihenfolge). Auf der Suche nach dem Täter deckt er mehr Komplotte auf, als ihm lieb ist und rettet die siebenjährige Nancy.
Dwight (Clive Owen) rettet seine Freundin vor ihrem Ex Jackie Boy (Benicio Del Toro) und dessen Buddies. Das hat allerdings ungeahnte Konsequenzen.
Kritik
Was kann man als weibliches Wesen mehr von einem Film erwarten:
Bruce Willis,
Michael Madsen,
Clive Owen,
Mickey Rourke,
Benicio Del Toro und zum Drüberstreuen noch
Josh Hartnett in einer sexy-bösartigen Nebenrolle? Auch die Männer kriegen Stoff für Träume, allen voran
Jessica Alba,
Brittany Murphy und
Jaime King. Allein diese Besetzung garantiert gute Unterhaltung – und nein, es geht definitiv nicht um hohe Schauspielkunst. Posing, tiefe Stimmen und coole Sprüche, die direkt aus Sprechblasen zu kommen scheinen, leisten bei den Helden das, wofür bei den Damen nackte Haut und wenig drüber völlig reichen – der Name der Produktionsfirma "Troublemaker Studios" ist Programm. Das ist bester
Rodriguez-Trash wie man ihn seit
From Dusk Till Dawn schon schwer vermisst hat (oder denkt ernsthaft noch jemand an
The Faculty?).
Rodriguez und
Frank Miller, der Erfinder der Comic-Serie und in einem Gastauftritt als Priester verewigt, haben die Vorlage Bild für Bild nachgefilmt, da dürfte sehr viel Blue-Screen in Verwendung gewesen sein. Das Resultat ist dann auch mehr Schwarz als Schwarz/Weiß, das bisschen Farbe bleibt für Augen (blau, grün), Blut und Abendkleider (rot) sowie irre Bösewichte und deren Innenleben (gelb) reserviert.
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| Hartigan (Bruce Willis) plagt der Beschützerinstinkt |
Ursprünglich hieß die Stadt einmal Basin City, aber aus offensichtlichen Gründen passt die Abkürzung besser - da könnte sich Gotham City an allgemeiner Verworfenheit direkt noch ein Stückchen abschneiden, denn übermächtige gute Helden sucht man hier vergebens. Dafür gibt’s jede Menge starke (und im Waffeneinsatz versierte) Frauen – auch wenn sie berufsbedingt meist leicht bekleidet durch den Film stöckeln. Das ausschließlich in weiblicher Selbstverwaltung organisierte Rotlichtviertel von Sin City könnte glatt Vorbildwirkung haben. Nur
Alexis "
Gilmore Girls"
Bledel ist als Jungnutte sogar in einer Comic-Verfilmung schlichtweg unglaubwürdig, findet dafür aber ein gerechtes Ende.
Rodriguez-Kumpel und Gast-Regisseur
Quentin Tarantino ist für eine Szene verantwortlich, eine spoilerfreie Inhaltsangabe wäre wohl „ein Gespräch zwischen
Benicio Del Toro und
Clive Owen in einem Auto“.
Tarantino hat aber mehr hinterlassen: Schwertkämpfe in klassischer
Kill Bill-Tradition, ausgeführt von einer eiskalten Schönheit namens Miho.
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| Shellie (Brittany Murphy) ist noch eine der weniger wehrhaften Frauen in Sin City... |
Dinge, die wir aus
Sin City gelernt haben: (1) Echte Männer sind aus so lächerlichen Gründen wie sieben Kugeln, zwei Pfeilen im Leib oder wegen fehlender Gliedmaßen noch lange nicht tot. (2) Man sollte bei Bedarf potentielle Opfer den Mantel ausziehen lassen, bevor man sie umbringt (Marv: „That’s some fine coat you wear“). (3)
Clive Owen ist am Steuer eines Autos immer super (man denke an die herrlichen BMW-Werbefilme). (4) Blut kann auch mal weiß oder gelb sein. (5) Grundausstattung für Noir-Helden sind: eine Waffe mindestens (romantische Gemüter können ihr auch einen Namen geben), Zippo, Flachmann und bodenlanger Mantel. (5) Iren sind grundsätzlich böse. (6) „There’s nothing like having your friends showing up with a lot of guns“. (7) Wahre Liebe in Sin City existiert "always and never".
Go for it!
Trivia - Geschichten und Gschichterln
Die K.N.B EFX Group, zuständig für die Special Make-up Effekte, verewigte sich auch schon in den Aliens in Mars Attacks! und Men in Black sowie in den Zombies von Land of the Dead, George Romeros neuem Film.
Robert Rodriguez war es so wichtig, dass Frank Miller auch als Regisseur in den Credits aufschien, dass er dafür sogar aus der Director’s Guild of America austrat.
Johnny Depp war ursprünglich für Benicio Del Torros Rolle vorgesehen, Rodriguez kam erst auf Del Torro, als er ihn mit langen Haaren sah.
Die Schwerter, mit denen Miho diverse Menschen zerstückelt, hatte Quentin Tarantino noch von Kill Bill zuhause.
Nancys Nachname ist Callahan, derselbe wie von Dirty Harry.
Robert Rodriguez und Frank Miller wurden für Sin City 2005 für die Goldene Palme nominiert.
Marv: "It's going to be blood for blood and by the gallon. These are the old days, the bad days, the all-or-nothing days. They're back!"
Marv (über einen neuen Mercedes): "Modern cars - they all look like electric shavers."
Marv: "Walk down the right back alley in Sin City, and you can find anything..."
Becky: "I don't do group jobs."
Jack Rafferty: "Come on, get in the car, baby. We'll just talk. It'll be nice."
Becky: "I don't do talk jobs either."