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Insel der Unseligen
„Be polite, pleasant and peaceful. Remember: A healthy person is a happy person!“ Warum man Sätzen wie diesem nicht glauben sollte und wie man auch aus 122 Millionen Dollar Budget und 136 Minuten Laufzeit wenig mehr als einen schalen Nachgeschmack herausholen kann, zeigt Michael Bay in seinem neuen Film Die Insel.


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Mäßig begeistert war Julia Pühringer

Im Jahr 2019 leben die letzten Menschen in einer von der Außenwelt abgeschotteten Umgebung. Die Welt ist verseucht, „draussen“ ist kein Leben möglich. Die emsige, auf Koordination und Überwachung ausgerichtete Atmosphäre erinnert an einen Bienenstock – Gesundheit und Perfektion sind das allerhöchste Gut, PET-Flaschen mit Wasser und gesunde Cocktails omnipräsent, und alle (!) Frauen haben lange Haare. Jeder lebt in Einzelkabinen und hat nur ein Ziel: den Hauptgewinn bei der täglichen Lotterie, einen Aufenthalt auf „der Insel“ - dort, wo noch alles in Ordnung ist. Alles geht gut, bis der aufmüpfige Lincoln (!!) Six Echo (Ewan McGregor) die Ordnung und das Tofu auf dem Menüplan hinterfragt und auf Widersprüche im System stößt. Seine genretypische Erkenntnis: Es ist nichts so, wie es scheint. Er flüchtet gemeinsam mit seiner besten, noch sehr gutgläubigen („Why do you always question the good?“) Freundin Jordan Two Delta (Scarlett Johansson) und versucht, den Klon-Komplott aufzuklären, während Gott und die Welt hinter ihnen her sind.

Kritik
Durchgestylt bis ins Detail: von der staubigen Verfolgungsjagd......bis zur futuristischen Bar.
Das neue Machwerk von Michael Bay (Pearl Harbour, Armageddon, The Rock) hat zwei herausragende Qualitäten: Ewan McGregor und Scarlett Johansson - Steve Buscemi kann leider nicht mitgezählt werden, da sein Kurzauftritt nicht einmal durch seine Gabe, sehr schnell sehr viel zu reden, kompensiert werden kann. Dafür gibt es auch ein ebenso kurzes Wiedersehen mit Michael Clarke Duncan, dem unschuldig Verurteilten aus The Green Mile.
Die Handlung beinhaltet (auch optische) Versatzstücke von The Matrix und The Fifth Element sowie Spuren von Total Recall und ist weder rasend neu noch sonst wie Atem raubend - dass die Wissenschaft generell in die Hände von geldgeilen Ärzten fällt, wissen wir spätestens seit Dr. No.

Und wieder einmal ist die Handlung nicht einmal in sich logisch: Wieso landen neugierige Filmhelden ganz ohne Hindernisse immer genau zur richtigen Zeit am richtigen Ort, an dem sie unentdeckt den „missing link“ beobachten, der alles erklärt, und beispielsweise nicht in einer Besenkammer? Wieso können alle Helden jedes x-beliebige Fortbewegungsmittel manövrieren? Und seit wann ist Gedächtnis eine Frage der Gene?
Die futuristische Architektur lehnt sich allerdings an die Realität an und erinnert an moderne Museen, Café del Mar-Compilation-Covers oder Szene-Clubs, ähnelt also einer Kreuzung aus Flughafentoilette und U-Bahn-Station mit viel Sichtbeton und Milchglas. Gleich dahinter: ein Sammelsurium aus rostigen, tropfenden Rohren mit Voest-Appeal.
Dass die fleißigen und schafsähnlich doofen Klone von Kopf bis Fuß von Puma ausgestattet sind, entbehrt nicht einer gewissen – unbeabsichtigten – Komik, warum allerdings der Leiter des Unternehmens, gespielt von Troy-Odysseus Sean Bean, einen Picasso im Büro hängen hat, ist ungeklärt. Natürlich sind auch Mobiltelefone, Internet-Suchmaschinen und Werbeaufschriften auf Hochhäusern (auf die aus den Praxis fernen Gründen der Theatralik immer wieder geflüchtet werden muss) nicht Logo-frei.
Erfolglos werden ein, zwei Witzchen über die amerikanische Regierung gerissen, der Versuch einer echten (und thematisch eigentlich nahe liegenden) Kritik geht aber in der bombastischen Material- und Passantenschlacht unter – unangenehm stößt jedenfalls auf, dass die Klone an den Handgelenken markiert werden und eine Gruppe beinahe vergast wird. Wo sind die Zeiten geblieben, in denen Science Fiction noch den status quo in Frage stellte?

Nicht einmal ansatzweise wird die potentiell dramaturgisch reiche Situation der weltunerfahrenen Protagonisten, die sich auf dem Bildungsstand von 15-Jährigen befinden (und von Sex noch nie etwas gehört haben, Gebot: „Watch your proximity!“), mit mehr belastet als den vorhersehbaren Gags. Nun gut, Action-Blockbuster können ja auch ohne besonderen Inhalt ganz unterhaltsam sein, leider dauert das Epos dann trotz exzellenter und aufwändigst inszenierter Verfolgungsjagden mit so circa jedem denkbaren Vehikel länger, als es das aufmerksamste Publikum fesseln könnte – letztlich rechfertigen auch Ewan McGregor und Scarlett Johansson in doppelter Ausführung keine 136 Minuten Filmlänge.

Zitat
Lincoln Six Echo zu Jordan Two Delta, nachdem er sie zum ersten Mal geküsst hat: "How come we never did this before?"
Jordan Two Delta: "Shut up."
Lincoln Six Echo: "That tongue thing is amazing!"

Jordan Two-Delta, nachdem beide ein Motorrad vorbei rasen sahen: "What was that?"
Lincoln Six Echo: "I don't know but I want one."

Lincoln Six Echo: "Who is God?"
McCord: "You know when you really want something, you close your eyes and wish for it really hard? God is the guy that ignores you."

McCord: "Just because people eat the burger that doesn't mean they want to meet the cow."

Lincoln Six Echo zu Tom Lincoln: "Why do I sound different?"
Tom Lincoln: "I'm from Scotland."
Die offizielle Homepage
http://www.theisland-themovie.com