Tarantino und die Jury in Cannes hatten gesprochen:
Old Boy gewann den großen
Preis der Jury. Durch die Kritikerreihen ging ein Raunen, und man sprach
allgemein von (Süd-)Korea als heißestem Filmland Asiens. Dabei gibt der
Film von
Park Chan-wook wenig Anlass zur Begeisterung.
Die Grundidee
besticht: Ein Geschäftsmann wird auf geheimnisvolle Art und Weise entführt und
15 Jahre lang in einer Wohnung eingesperrt. Seine einzige Verbindung zur
Außenwelt ist der Fernseher. Dort kann er auch die Berichterstattung über den
Mord an seine Frau verfolgen. Als er überraschend freigelassen wird, beginnt
die Suche nach seinen Peinigern.
Damit beginnt der Film zu schwächeln. Der
Held - er hat nur fünf Tage - kämpft mit einer scheinbar übermächtigen
Organisation. Im Laufe seines Kampfes und seiner Entdeckungen, die alles nur
noch mysteriöser machen, reihen sich Schauwerte und - man muss es sagen - ganz
hervorragende Plotideen so dicht aneinander, dass paradoxerweise Langeweile
aufkommt. Der Kampf des Helden gegen zwanzig Mann, krude Zahnoperationen,
Annäherungsversuche am WC oder Selbstmörder mit weißem Pudel: Die Substanz
wird mit stilistischen Mätzchen und drastischen Einfällen überlagert, bis sie
nicht mehr greifbar ist. Der Film implodiert endgültig, als das tragende
Element, ein simpler Spannungsbogen, in einer lächerlichen
"Überraschungs"-Auflösung mündet.
Warum gerade durch
Old Boy ein Hype um
das koreanische Kino lanciert wurde, bleibt unverständlich. Allein
Sympathy for Mr. Vengeance, einer der Vorgängerfilme von
Chan-wook Park, beweist, dass koreanisches Kino höchst
sehenswert sein kann.
Zur näheren Orientierung sei auf den hervorragenden Artikel von
Christoph
Huber verwiesen, der eine repräsentative Auflistung bereitstellt. (siehe
hier).