Woody Allen’s neuer Film Melinda & Melinda bestätigt alle Vorurteile über Woody Allen, New Yorks Intellektuelle und das Leben an sich.
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Die Handlung ist typisch Allen: Vier – no na net New Yorker - Intellektuelle diskutieren im Lokal ihrer Wahl in Begleitung diverser Gläser Wein, ob das Leben nun tragisch oder komisch ist. Am Beispiel einer Geschichte werden deren beide potentiell dramatische und lustige Varianten durchgespielt. Das – unglaublich erkenntnisreiche – Resultat: „Lasst uns das Leben genießen, solange es währt“. Einsichten, auf die die Welt gewartet hat.Kritik
Und es ist immer dasselbe: Der schöne Allen-übliche jazzige Soundtrack (und, sind wir uns ehrlich, jede x-beliebige Großstadtszene wirkt gut, wenn sie mit Duke Ellington unterlegt ist) könnte beinahe davon ablenken, wie eindimensional Doppelbödigkeit sein kann.
Würde Woody Allen nicht immer noch Meisterwerke wie Curse of the Jade Scorpion, Mighty Aphrodite, Bullets Over Broadway u.ä. produzieren, würde man sich wesentlich leichter tun und einfach nicht mehr in seine Filme gehen. Jedoch: Die Hoffnung stirbt zuletzt.
Natürlich haben die schauspielerischen Leistungen von Radha Mitchell, Chloë Sevigny, Will Ferrell und Neil Pepe (u.a.) einiges für sich (Allen hatte noch nie ein schlechtes Händchen für gute Schauspieler), aber trotz des wunderbaren Blicks für Details und guter Dialoge ist es einem irgendwann verhältnismäßig egal, wie nun das Leben der Protagonisten verläuft - manche alte Friends-Folgen haben mehr Potenzial für Empathie. Alkoholismus erscheint beinahe als vernünftige Lösung, müsste man täglich solche Gespräche führen und dabei noch einen intelligenten Eindruck hinterlassen. Wie bei diesem anfänglichen Disput und diesem Regisseur zu erwarten, ist der Unterschied zwischen Komödie und Tragödie naturgegebenerweise nur marginal.
Da haben wir nun also Melinda, die in ihrer tragischen Vergangenheit verhaftet ist (ihre eigene treffende Beschreibung ihrer Geschichte: „Madame Bovary in St. Louis“) und wieder versucht, Fuß zu fassen. Sie zieht zu einem befreundeten Pärchen, alle sind gefangen in Affären und Erfolglosigkeit, in „Shopping und Essen“. Diverse Beziehungen zerbrechen (erstaunlich unkompliziert), finden in anderer Konstellation wieder zusammen, es wird viel gesprochen und noch mehr getrunken.
Und doch finden sich zwischen manch langweiligen Momenten dann wieder kurze Momente großen Kinos wie z.B. eine der schönsten Anbrat-Szenen aller Zeiten, die einen Umzug und ein aus eben diesem Grund auf der Straße befindliches Piano involviert. Trotzdem bleibt der Beigeschmack einer Werbeeinschaltung eines New Yorker Einrichtungshauses bestehen, und auch der berüchtigt gute Wortwitz verliert sich, wenn eine konservative Politikerin meint, sie wäre im Bett „radical“. Alles in allem: gut gemachte Samstagabend-Beiläufigkeit für YUPPIES und DINKs.
Trivia - Geschichten und Gschichterln
Radha Mitchell bekam ihre Rolle ohne Vorsprechen. Woody Allen sah sie in Ten Tiny Love Stories (2001) und mochte sie so sehr, dass er einfach beschloss, die Rolle mit ihr zu besetzen.
Während der Dreharbeiten war Radha Mitchell (sie spielt die Hauptrolle sowohl in der tragischen als auch der lustigen Version) die einzige, die das ganze Skript besaß.