Luka (Slavko Stimac), ein serbischer Ingenieur aus Belgrad, hat sich mit seiner Familie freiwillig im Niemandsland irgendwo in Bosnien nieder gelassen, um eine Eisenbahnlinie zu bauen. Doch seine Frau Jadranka (Vesna Trivalic), eine arbeitslose und depressive Opernsängerin und sein Sohn Milos (Vuk Kostic), der unbedingt Fußballstar werden will, sind nicht so glücklich mit diesem Einsiedlerleben. Luka hingegen ist mit einem unverbesserlichen Optimistenherz ausgestattet, dass weder die gravierenden Probleme innerhalb der Familie erkennt, noch das Rumoren des heraufziehenden Krieges wahrnimmt.
So nimmt die Tragik des Lebens seinen Lauf: Der Krieg bricht aus, Jadranka brennt mit einem ungarischen Musiker durch, und Milos wird an die Front geschickt und schließlich gefangen genommen. Auch diese Schicksalsschläge können die lebensbejahende Ader in Luka nicht ganz auslöschen. Als ihm die serbische Armee die muslimische Gefangene Sabaha (Natasa Solak) als Geisel anvertraut, beginnt er einen Plan zu schmieden: Er will „seine“ Gefangene gegen Sohn Milos austauschen. Dieses Vorhaben wird vorerst nicht in die Tat umgesetzt, denn bevor es noch zum Austausch kommen kann, verliebt sich Luka unsterblich in die Schönheit. Nun steht Luka vor einer schweren Entscheidung: Die Liebe seines Lebens schützen oder seinen Sohn retten….
Kritik
Emir Kosturica schafft mit Das Leben ist ein Wunder, was nur wirkliche Meister im Regiefach können: Er bettet eine tragische Liebesgeschichte in ein noch qualvolleres Kriegsgeschehen ein - und kann dem Zuseher trotzdem noch Ironie und Fröhlichkeit vermitteln. Egal welches Leid den Protagonisten auch widerfährt, es gibt immer einen kleinen Funken an Lebenslust, der auch an das Publikum herangetragen wird. Oft lässt Kosturica nur die Bilder sprechen, setzt wenig Sprache ein, und gerade mit diesem Mittel verstärkt er die Aussagekraft des Werkes.
Weitere liebenswerte Aspekte des Films sind die beiden Protagonisten Luka (Slavko Stimac) und Sabaha (Natasa Solak). Sie stellen ein modernes „Romeo & Julia“-Paar dar, dass in die Kriegsgeschehnisse des Balkans eingepflanzt wird, wobei sich die Lebenslust und der Optimismus von Luka perfekt mit der Ehrlichkeit und Natürlichkeit von Sabaha vereinen. Kein anderer als Slavko Stimac könnte diese Charakterrolle des Luka so perfekt umsetzen: lustig, ironisch und sich der Liebe restlos hingebend. Kein Wunder also, dass dies schon die dritte Zusammenarbeit nach Erinnerst Du Dich An Dolly Bell (Sjecas Li Se, Dolly Bell?) und Underground (Bila Jednom Jedna Zemlja) mit Emir Kosturica ist. Gleichwohl nicht verblüffend ist, dass auch Stimacs charismatische Filmpartnerin im Moment eine der begehrtesten Nachwuchstalente in Jugoslawien ist.
Auch wenn die Beziehungskiste der einzelnen Personen noch so verwirrend ist und immer wieder etwas neues Spannendes passiert: Zum Ende hin wirkt Das Leben ist ein Wunder etwas schlapp und langatmig. Das „grande finale“ wird absichtlich hinaus gezögert und lässt die Handlung etwas erschlaffen.
Für geborene Optimisten ist es der richtige Film, um bestätigt zu bekommen, dass sich wirklich immer alles zum Guten wendet - und Pessimisten sollen hoffen, etwas von der Lebenslust, die der Film ausstrahlt, mitnehmen zu können.
Zitat
Emir Kosturica zu Das Leben ist ein Wunder: "Ich denke, es ist ein traurig optimistischer Film, denn für Luca öffnet sich die Perspektive der Liebe. Auf alles andere ist heute wenig Verlass. Ein Verkriechen in Pessimismus ist sicher nicht der richtige Weg, aber wir sollten gegenüber dem, was sich vor uns abspielt, realistisch sein. Das vergangene Jahrhundert war das Jahrhundert der Kriege und Konflikte, dennoch gab es bedeutend mehr Hoffnung als augenblicklich. Es scheint, dass der Tod zu etwas ganz Banalem geworden ist und dass er uns jederzeit und überall auflauern kann. In dieser Welt ohne zuverlässige große Utopien müssen wir unsere eigenen Utopien schaffen, denn mit jedem Geist, der gerettet wird, mit jeder Seele die gerettet wird, gewinnen wir etwas."