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Kochkurs gefällig?
Von gefüllten Weinblättern bis hin zu leckerem Auberginenpüree: Bei dieser würzigen Geschichte wird auch das Zuseherauge verwöhnt.


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In die Töpfe geschaut hat Marlene Erlacher

Istanbul in den 50er-Jahren: Der Junge Fanis Iakovidis (Markos Osse) lebt mit seiner Familie, die griechischer Abstammung ist, in der Stadt am Bospurus, die immer öfter zum Schauplatz von Unruhen zwischen Griechen und Türken wird. Doch Fanis kümmert diese Situation nicht, schließlich verbringt er die meiste Zeit bei seinem über alles geliebten Großvater Vassilis (Tassos Bandis),der Besitzer eines Gewürzladens ist. Von diesem lässt er sich auch in die große und wunderbare Welt der Gewürze entführen, und während dieser schönen Zeit voller neuer Impressionen lernt er auch das Mädchen Saime kennen, die mit ihm stundenlang am Dachboden seines Großvaters sitzt und spielt. Doch die Idylle wird mit einem Mal zerstört, als die Türken 1964 die Griechen - und somit auch Fanis ' Familie - zwingen, das Land zu verlassen. Der todtraurige Fanis muss seine kostbarsten Schätze in Istanbul zurücklassen: Großvater Vassili und seine Freundin Saime.

Kritik
Kochen als Familienbeschäftigung„Im Wort Gastronomie steckt auch das Wort Astronomie. Pfeffer ist warm und brennt wie die Sonne, Zimt ist süß und bitter wie die Venus und damit wie die Frauen…“: Eine solche und viele andere Lebensweisheiten werden dem Jungen Fanis von seinem Großvater auf seinem Lebensweg mitgegeben, welcher eben Gewürze als Leidenschaft auserwählt hat.

Drehbuchautor und Regisseur dieses kulinarischen sowie filmischen Werkes ist Tassos Boulmetis (Dream Factory, auch Produzent vieler Beiträge im griechischen nationalen Fernsehen), der mit diesem Film wohl ein bisschen seine eigene Lebensgeschichte aufarbeitet. Auch er wuchs in der Türkei auf und wurde 1964 aus dem Land, in dem er geboren wurde, vertrieben. Gerade dieser Umstand verleiht Zimt und Koriander einen mitreißenden und fantastischen Plot, welcher die Tragik in dieser Zeit perfekt an den Zuseher heranträgt. Doch wenn Sie jetzt glauben, dass der Film nur die damaligen Konflikte zwischen der Türkei und Griechenland bearbeitet, dann täuschen Sie sich: Diese griechische Produktion involviert Romantik und Freundschaft, Konflikte und gleichzeitig Familiensinn, was perfekt mit einer der schönsten Freizeitbeschäftigungen der Welt mariniert wird: dem Kochen.

Weiters hat sich Tassos Boulmetis während seiner Tätigkeit als Regisseur vor allem mit dem Metier der elektronischen Bildgestaltung und mit Spezialeffekten auseinandergesetzt, was auch durch eine fantasievolle Bildgestaltung auffällt. Trotz manchen dramaturgischen Durststrecken erzählt der Film eine rührende Geschichte über einen Menschen, der an einem Wendepunkt in seinem Leben steht, und der sich fragt, was er besser oder anders hätte machen können.

Ob man jetzt kochen kann oder nicht ist am Ende egal. Schließlich ist man mit den wesentlichen Ingredienzien des Lebens, wie Freundschaft, Liebe und ein wenig Humor sicherlich vertraut. Doch seien Sie gewarnt: Vor dem Kinobesuch sollten sie ausgiebig essen, ansonsten könnten sie mit zu lautem Magenknurren andere Zuseher stören...


Trivia - Geschichten und Gschichterln
Der in Athen und Istanbul gedrehte Film wurde am 24. Oktober 2003 in die griechischen Kinos gebracht und erreichte dort den Rekordwert von 65 000 Besuchern, obwohl er nur in 41 Kinosalen gezeigt wurde. Schon am zweiten Wochende wurde ein Anstieg der Zuseherzahlen um 53% registriert. Die Beleibtheit des Films wurde auch mit acht griechischen Filmpreisen belohnt: unter anderem für beste Regie, bestes Drehbuch und beste Musik. Weiters erhielt er beim Filmfestival Thessaloniki den Publikumspreis.

http://www.gfc.gr/3/32/director.asp?id=2311