Spätestens seit
Star Wars scheint sich in Hollywood die feste Meinung durchgesetzt zu haben, dass Filme nicht unbedingt einen (kompetenten) Regisseur brauchen, um zu funktionieren. CGIs, ein eindimensionales Drehbuch und der finanzkräftige Produzent im Hintergrund tun’s genauso. Sicherheitshalber setzt man dann eine hörige Marionette, die gerade mal den Abschluss an der Filmhochschule hinter sich gebracht hat, in den Abspann.
Dass derartige ökonomisch inspirierte Schüsse schwer nach hinten losgehen können, beweist
Das Schwiegermonster: Wie ein führerloses Schiff droht es ständig zu kentern, die Besatzung, vulgo Darsteller, hanteln sich unbeholfen von einer Szene zur nächsten.
Wo ist der Regisseur?
Ans Steuer hat man Legally Blonde-Regisseur Robert Luketic gesetzt. Was im Falle eines verschmitzten Skripts und der umwerfenden Leinwandpräsenz von Reese Witherspoon funktionierte, gerät hier vollkommen aus dem Ruder: Schon die Story ist ein krampfhafter Versuch, den wilden Slapstick der 50er ins 21. Jahrhundert zu retten. Ein freches Generationen-Gefecht zwischen Jung (Lopez) und Alt (Fonda) hätte es werden können: die Fonda als ehemalige Star-Moderatorin Viola, die mit dem Dalai Lama und Oprah Winfrey Kaffee geschlürft hat, von einer Blöd-Tussi abgelöst wird, im 400 m²-Anwesen vereinsamt und nunmehr in der Lopez ihre tödlichste Konkurrentin sieht. Doch Giftpfeile auf die jugendversessene Filmindustrie entpuppen sich als lahme Geschosse; Und das Engagement einer Leinwand-Diva, die seit 15 Jahren nicht mehr vor der Kamera gestanden ist, gerät zur barmherzigen Hilfsaktion – als ob die Studios für jede über 65-jährige Schauspiellegende staatlichen Zuschuss bekommen würden...
Es liegt aber gar nicht so sehr an Fondas gekränktem Stolz als an der Führungsschwäche von Luketic, dass die frühere Barbarella die meiste Zeit wie eine überforderte Schauspielschülerin agiert. Die feine Dame von nebenan kauft man ihr noch ab, die perfide Intriganz und Aggressivität gibt sie derart hölzern und lustlos, dass selbst das Hinterteil von Lopez mehr Ausdruckskraft besitzt.
Wo ist die Komik?
Wozu der Film imstande gewesen wäre, zeigt der Mittelteil, als sich die Protagonistinnen einen weiblichen Schlagabtausch in Screwball-Tempo liefern, der nach ständiger Steigerung giert: Ein Verkuppelungsversuch des Sohnemanns mit einer Konkurrentin, ein zu enges Cocktail-Kleid finden ihre Klimax in einwöchiger „Besatzungszeit“ (während Kevins Abwesenheit) mit verbranntem Essen und Boxkämpfen im Ehebett. Wo Leute wie Blake Edwards oder Howard Hawks nur die völlige Anarchie als unvermeidliche Folge der Zerstörung gesehen hätten, wartet hier – wer hätte es anders vermutet – Friede, Freude, Eierkuchen im Finale. Dass gerade Elaine Stritch in einem Cameo als Schwiegermutter der Schwiegermutter das alte Hollywood doch noch zum Strahlen bringt, ist wohl eine Ironie des (Blockbuster-)Schicksals.
Charlie beim Anziehen des viel zu engen Cocktail-Kleides: „I have two asses.“
Kevin nach der Zwangspensionierung seiner Mutter: "Now I'm all she's got."
Viola: "Keep your friends close, keep your enemies closer."