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Historie zum Zurechtbiegen
Leichte Ridley-Scott-Moral von heute, verpackt in Rittertum des Mittelalters. Das fast schon Unglaubliche daran: Einiges davon stimmt tatsächlich noch mit den historischen Fakten überein.


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durchleuchtet von Thomas Taborsky

Das 12. Jahrhundert, nach dem Zweiten Kreuzzug: Der Schmied Balian (Orlando Bloom) verliert Kind und Frau, und fühlt sich von Gott verlassen. Eine Gruppe Ritter kommt an seiner Schmiede vorbei. Einer von ihnen, Godfrey von Ibelin (Liam Neeson), eröffnet Balian, dass er sein Vater sei, und schlägt ihm vor, mit ihnen nach Jerusalem zu ziehen. Noch vor der Überfahrt stirbt Godfrey in Italien. Zuvor schlägt er seinen Sohn zum Ritter und lässt ihn einen heiligen Eid schwören, und erzählt ihm von einem Königreich, das wichtiger ist als das Reich der Kreuzfahrer, und das um jeden Preis geschützt werden muss.

In Jerusalem angekommen, muss Balian schon bald bemerken, dass die Zukunft der Stadt an einem seidenen Faden hängt: Der leprakranke König Balduin (Edward Norton) und sein Statthalter Tiberias (Jeremy Irons) können nur mit Mühe die kriegslustigen Fürsten, allen voran Guy de Lusignan (Marton Csokas), der mit Balduins Schwester Sibylla (Eva Green) verheiratet ist, im Zaum halten. Obwohl weder Saladin (Ghassan Massoud), der Anführer der Sarazenen, noch Balduin Krieg wollen, wissen sie, dass ihre Friedensmittel bald erschöpft sein werden.

Kritik
Einführung in das Studium der Geschichte, erste Vorlesung: Die Kreuzzüge sind das zentrale Beispiel für als „gerecht“ bewertete Kriege; ebenso ist es aber aus Sicht der Moslems der Kampf, die Christen wieder zu vertreiben.
Ridley Scott wiederum mag es genauso gerecht erschienen sein, Namen und ein paar Fakten aus der Geschichte zu nehmen und im Sinne seiner Grundidee alles weitere zu erfinden. Bis auf Godfrey von Ibelin, ironischerweise gerade die Person, die im Film den Gedanken an ein übergeordnetes Streben inmitten der religiösen Machtkämpfe einführt, gab es sie alle: Saladin, Balian von Ibelin, Guy von Lusignan, den leprakranken Balduin IV. und Sibylla. Kerak wurde belagert, und das Kreuzfahrerheer bei den Hörnern von Hattin vernichtet. Ungefähr damit endet die Gemeinsamkeit von dem, was gezeigt wird, mit dem, was passierte.

Der Wald als Falle für Godfrey von Ibelin (Liam Neeson, im Vordergrund) und seine Mannen

Die Erfindung beginnt schon mit dem Schmied Balian, der natürlich nie ein Schmied war, so aber Orlando Bloom wie schon in Fluch der Karibik Gelegenheit gibt, auf heißes Eisen zu klopfen. Aus dem jungen Mann wird, sobald er erst einmal in die Ritterwelt eingeführt ist, ein Weltverbesserer, denn so steht es auch schon vielsagend auf dem Balken in seiner bald abgefackelten Schmiede: What man is a man who does not make the world better? - Was für ein Mann ist ein Mann, der die Welt nicht besser macht?
Wie es ihm sein Eid gebietet, kümmert er sich also um die Menschen: Er bewässert sein Land, reitet eine aussichtslose Attacke gegen die Sarazenen-Übermacht, um die Flucht der Leute aus ihren Dörfern zu decken und lässt sich bereitwillig von der unglücklich verheirateten Schwester des Königs von Jerusalem verführen... - Schrecklich gestrafft und ins Banale vereinfacht wirkt nicht nur sein, sondern auch das Tun der anderen Figuren. Überdeutlich gekennzeichnet sind dabei Gut und Böse; Dazwischen bewegt sich reichlich wenig. Besonders auf die Kirchenvertreter hat es Scott in all dem Treiben abgesehen: Die Pfaffen und Bischöfe seiner Geschichte verspottet Scott als Leichenräuber und mit todängstlichen Parolen wie „Konvertiert zum Islam, bereut später!“.

Nur eine der visuell beeindruckenden Actionszenen: Die aussichtslose Attacke

Jenseits des offensichtlichen Kampfes Christentum - Moslems tobt im Film auch ein Ringen zwischen Vernunft und Verblendung - letztere natürlich in religiös motivierter Form - ein Kampf, den der Regisseur heute wie damals sieht und auf den er im Nachwort auch anspielt. Bevor dieses aber erscheint, setzt Scott noch den Paukenschlag einer mittelalterlichen Belagerung mit moderner Politur: Die ruppigen Schlachtenaufnahmen seines Kameramanns John Mathieson führen wieder einmal vor Augen, dass heute alle Kriege, egal ob mit der Keule, dem Schwert oder dem M-16 geführt, bei jeder Aktion aufgeregt verwackeln müssen.
Obgleich optisch nicht nur im Gemetzel opulent, ist Königreich der Himmel kein großer Film. Das liegt weder an der epischen Musik, die diesmal nicht von Hans Zimmer sondern von Harry Gregson-Williams stammt, noch an den großen Charakteren, die allzu große Worte sagen. Vielleicht liegt es daran, dass der Schmerz der Figuren nicht einmal in den Schlüsselszenen überspringt, dass Eva Greens Rolle so gar keine Sympathie abzugewinnen ist oder dass die neuzeitlichen Werte, die plötzlich im tiefsten Mittelalter hoch gehalten werden, dort nicht einmal in unserer Vorstellung hinein passen; Gut möglich aber, dass es an all dem liegt.

Zitat
Priester: „Are you sorry for your sins?“
Godfrey: „For all but one.“

Sibylla (zu Guy de Lusignan): „If I have your knights, you have your wife.“

Guy als er Reynald aus dem Verließ entlässt: „Reynald, give me a war.“
Reynald: „That is what I do.“

Balian: „What is Jerusalem worth?“
Saladin: „Nothing.“ (hält die Fäuste zusammen) „Everything.“ (schmunzelt)

Balian (zu Sibylla): „Decide not to be a queen, and I will come to you.“

Balian (zu Sibylla): „A queen never walks,.... and yet you are walking.“

Richard Löwenherz: „We come to find Balian, who was the Defender of Jerusalem.“
Balian: „I am the blacksmith.“
Richard Löwenherz: „And I am the King of England.“
Balian. „I am the blacksmith.“