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Der Ghetto-Remix
Mehr Autos, mehr Sidekick, kein Diesel: Nicht nur mit neuem Helden sondern mit rundum veränderter Attitüde will sich der zweite Teil seine Lorbeeren holen.


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bedauert von Thomas Taborsky

Die xXx-Zentrale der NSA wird von Unbekannten überfallen und ausgeschaltet. Nur Augustus Gibbons (Samuel L. Jackson) und sein Technik-Experte Toby Lee Shavers (Michael Roof) können sich retten. Um heraus zu finden, wer für den Anschlag verantwortlich ist, braucht Gibbons einen neuen, noch gefährlicheren Agenten. Einer bietet sich da besonders an: In einem Hochsicherheitsgefängnis sitzt Darius Stone (Ice Cube), ein früherer Soldat in Gibbons Einheit, der wegen Befehlsverweigerung - und weil er seinem kommandierenden General Deckert (Willem Dafoe) die Nase brach - in den Bau wanderte. Es dauert nicht lange, ihn zu befreien.

Der General ist inzwischen Verteidigungsminister und scheint etwas auszuhecken. Als Gibbons zu Hause seine Unterlagen darüber abholen will, wartet dort schon Deckert. Minuten später fliegt das Haus in die Luft. Stone steht alleine da, von der Polizei und dem Geheimdienst verfolgt, was den Auftrag nicht gerade einfacher macht.

Kritik
Auf einen Blick: der Held (Ice Cube), die Frau (Nona Gaye), das Auto (2007er Shelby Cobra)Zuerst bei Rammstein-Gegröle 007 hämisch grinsend den Stinkefinger zeigen und zwei Jahre später Bond sogar auf einen Kurzbesuch einladen: Die Zeiten haben sich kräftig geändert im extremen Agententum. Viel früher als es ihm gut tut, erhält xXx ein neues Gesicht, und mit ihm gleich einen neuen Charakter: War Vin Diesel noch als waghalsiger Underground-Sportrebell widerwillig auf Weltrettungstrip, pflegt der stets grimmig drein schauende Eiswürfel, der in seine Fußstapfen tritt, ein viel braveres Image: das des guten Soldaten, der eigentlich nur auf die schiefe Bahn geriet, weil sein Gerechtigkeitssinn so hoch entwickelt ist. Solange er aber nicht vom Vaterland die Anerkennung bekommt, die er verdient, bleiben eben frisierte Boliden und eine Frau, die verdächtig nach Pam Grier, wenn sie heute 30 wäre, aussieht, sein Ventil.

Wie so viele Fortsetzungen ist auch xXx2 – The Next Level auf die noch verfügbaren Stärken seines Vorgängers fixiert, in der Hoffnung, ein wissendes Lächeln von allen Fans zu provozieren, wenn Darius Stone fragt, ob jemals jemand auf die Sprüche vom Löwen in Gefangenschaft reingefallen ist, oder über die Dinge seufzt, auf die er für sein Land verzichtet – Xander Cage hatte beim Angebot eines Gratis-Nümmerchens ja noch über die Dinge geseufzt, die er für sein Land tat.
Übrig ist noch der GTO, der mit Speziallackierung glänzen darf, bis er bald einer ganzen Armee von Angeberkarren Platz macht – Warum denn kleckern, wenn man auch klotzen kann? In diesem Sinne wurde auch die Leinwandzeit von Toby Lee Shavers, dem emsigen Agentenausstatter, ausgebaut. Durch diesen Schachzug lässt sich erst erahnen, wie weise die Macher der Bond-Reihe waren, Q nicht dauernd durchs Bild laufen zu lassen: Der Shavers-Charakter ist nun nämlich nicht mehr nerdig, sondern schlicht nervig.
Bliebe also nur noch der Trash-Faktor, der bei xXx so überragend war. Gerade dieser wurde aber völlig unter den Tisch fallen gelassen: Kein Mensch mit schlimmem Akzent verirrt sich in den Film, nichts sieht billig aus und wirbelt gleichzeitig viel Staub auf. Stattdessen wird Lust auf den 450-PS-Boliden gemacht, der erst in einem Jahr in den Verkaufsräumen steht – und den Markensportsitz.

Der größte Hemmschuh auf dem Weg zu einem würdigen zweiten Teil ist aber nicht das verstärkte Product Placement, sondern die gut geölte Gangart: Genau so wie Ice Cube lässig in Zeitlupe an einer Explosion vorbei stapft, hat sein Darius Stone nie Anlaufschwierigkeiten. Auch der Gegner ist für xXx-Maßstäbe unwürdig: zu normal ist der Putschist in Generalsuniform, um auch nur irgendwie als Megalomane zu erscheinen, und Willem Dafoe versucht nicht einmal, dem Mann einen Anflug von Irrsinn verpassen, der ihm vielleicht mehr Farbe gäbe.
Mit solchen Mäßigungen ist der unpolierte Charme des ersten Teils völlig weggefräst worden. Selbst die erfreuliche Unkorrektheit wurde auf die Ausmaße eines mittleren Rapvideos beschränkt – oder auf eine Folge Pimp My Ride; In einem Höhepunkt der Anbiederung hält Gaststar Xzibit sogar in einer Tuner-Discowerkstätte Hof. Wer nicht gerade darauf gewartet hat, kann keinesfalls zufrieden sein: Ein harmloser Nachfolger ist xXx2, mehr nicht; zu kalkuliert, zu unspektakulär und einfach zu wenig Bora Bora.

Zitat
Augustus Gibbons (über wer der nächste xXx sein soll): Keine weiteren Skater, Snowboarder oder Biker!

Darius Stone: Ach du Scheiße, kommen Sie immer noch mit den selben bescheuerten Sprüchen? Ist da je jemand drauf reingefallen?

Darius Stone: Die Dinge, auf die ich für mein Land verzichte...

Kyle Steele: Wenn Sie weglaufen, wirken Sie schuldig.
Darius Stone: Bruder, ich bin schon schuldig auf die Welt gekommen.

Darius Stone: Wie schnell ist dieses Juwel?
Lola: Erzähl ’s mir hinterher.