Suche: Suche abschicken


Doktorspielchen
Was passiert, wenn eine Frau sich in der Tür irrt und mit ihren Eheproblemen zum Steuerberater statt zum Psychiater geht? Logisch, sie kann sich dort auch auf die Couch legen und über alles reden.


Werbung

gesehen von Gisela Säckl

Kritik
Eine Verwechslungsgeschichte. Wie gemacht für eine Komödie, ein guter Einstieg für eine Satire. Dieser Film ist keines von beidem. Regisseur Partice Leconte bezeichnet seinen Film eher als eine Art "Gefühls-Thriller", der mit der breiten Emotionspalette zwischen vollkommenem Misstrauen und totaler Vertrautheit spielt. Denn was mit einem Irrtum beginnt, endet in einer romantisch- mysteriösen Beziehung zwischen den beiden Hauptfiguren.

Die Couch, Ort der Befreiung für Anna (Sandrine Bonnaire)Sandrine Bonnaire (Vogelfrei) spielt die etwas verwirrte und zutiefst unglückliche Anna, die sich entschieden hat, zu einem Psychiater zu gehen, um ihre Eheprobleme aufzuarbeiten. Sie fährt dafür sogar in eine andere Stadt, um nicht erkannt zu werden, und gelangt durch Zufall nicht zum gesuchten Dr. Monnier (Michel Duchaussoy), sondern zu William Faber (Fabrice Luchini), einem Steuerberater. Dieser gesteht ihr seine wahre Identität erst nach einigen Sitzungen, in denen Anna ihm intimste Details ihrer Ehe anvertraut hatte. Zuerst schockiert von seiner Lüge, besucht Anna ihn weiterhin und erzählt von ihren sexuellen Fantasien und Problemen mit ihrem Mann.

Das Büro eines Steuerberaters scheint als Ort für Gefühlsausbrüche und sexuelle Offenbarungen wenig geeignet. Auch ist der zugeknöpfte William nicht unbedingt ein Mann der großen Worte und noch weniger einer der guten Ratschläge, zumindest was zwischenmenschliche Beziehungen betrifft. Vorsichtig, aber mit einer erquickenden Bestimmtheit drängt sich nun die geheimnisvolle Anna in sein Leben und spricht Dinge an, die er sich nicht einmal zu denken gewagt hätte. Der Film spielt damit herrlich mit den Klischees eines trockenen Steuerberaters und einer gefühlsgebeutelten Frau in den Wechseljahren, die versucht, sich über die eigene Sexualität wieder selbst zu finden. Dabei behält sie, trotz ihrer offenen Art über ihr Sexleben und ihre Eheprobleme zu sprechen, scheinbar ein Geheimnis, und weder der Zuseher noch William wissen, ob ihre Geschichten der Wahrheit entsprechen oder nicht.

Intime Fremde - Confidences trop intimes ist ein ruhiger und von den Dialogen lebender Film, der von den Hauptfiguren und ihrer Gefühlswelt getragen wird. Das Zusammentreffen zweier Menschen, wie sie unterschiedlicher nicht sein können und die skurrile, sich gleichzeitig aber fast zwingend natürlich entwickelnde Beziehung der beiden ist der zentrale Punkt des Plots. Somit ist dieser Film eine Mischung aus Detektivgeschichte und Liebesgeschichte, ein Konglomerat aus distanzierter Betrachtung und Intimität. Und vor allem ein Muss für Freunde des klassischen französischen Films.