Venedig, Ende des 16. Jahrhunderts: In der Stadt herrscht schon lange ein erbitterter Kampf zwischen den jüdischen Geldverleihern und den venezianischen Kaufleuten, der durch Vorurteile und Hass immer weiter aufgeschaukelt wird. Doch die Kaufleute sind von den Juden abhängig und brauchen die Kredite, so auch der angesehene Kaufmann Antonio (Jeremy Irons), der seinem hoch verschuldeten und nicht kreditwürdigen Freund Bassanio (Joseph Fiennes) helfen will. Bassanio ist nämlich in die wunderschöne Portia (Lynn Collins) verliebt und braucht Geld, um die angesehene Erbin des Landsitzes Belmont angemessen umwerben zu können. So geht Antonio auf einen ungewöhnlichen Handel mit dem verbitterten jüdischen Kaufmann Shylock (Al Pacino) ein: Er bekommt 3000 Dukaten; Können diese nicht zurückgezahlt werden, fordert Shylock anstelle von Zinsen ein Pfund Fleisch aus Antonios Körper schneiden zu dürfen….
Der Kaufmann von Venedig spiegelt die Eigenschaften wieder, die in jedem Drama von
William Shakespeare vorkommen, und bewahrt dadurch die Authentizität: Liebe, Lüge, Rache, Geld und Freundschaft führen, wie bei jedem Shakespeare-Stück, zu Verirrungen und Verstrickungen den ganzen Film über. Die Person, die wohl am meisten dazu beiträgt, ist der Jude Shylock, dessen Rolle exzellent von
Al Pacino (
Der Pate I – III,
Im Auftrag des Teufels, zuletzt in
Der Einsatz) umgesetzt wurde. Denn diese Dramatik und Tragik, die Shylock in sich trägt, kann durch Pacino perfekt auf den Zuseher übertragen werden, und obwohl er als Bösewicht gezeichnet ist, empfindet der Zuseher aufgrund der Komplexität dieser Person zugleich tiefes Mitgefühl und wahre Abscheu.
Ein weiteres zentrales Element in Shakespeares Werken ist die Liebe, denn was wäre ein Stück ohne Liebespaar? So besetzte Regisseur
Michael Radford (
Der Postmann,
B. Monkey) den jungen, energetischen Bassanio mit
Joseph Fiennes, der schon in
Shakespeare in Love“ den verliebten Shakespeare verkörperte. Ohne Zweifel war dies die richtige Entscheidung, denn einen besseren verliebten Junggesellen, der um seine Angebetete wirbt, kann man sich nicht vorstellen: jung, impulsiv, romantisch und verschwenderisch präsentiert er sich dem Publikum und stellt den Inbegriff eines elisabethanischen Liebhabers und Aristokraten dar.
Regisseur
Michael Radford war nicht an einer modernen und zeitgenössischen Verfilmung des Kaufmannes von Venedig interessiert und bestand auf ein Venedig des 16. Jahrhunderts, das durch eine muffige und dreckige Atmosphäre besticht, welche noch durch den ständigen Regen verstärkt wird und das Element Wasser drastisch hervorhebt. Diese Zeit perfekt wiederaufleben zu lassen war die Aufgabe des Kameramannes
Benoit Delhomme, dessen Gestaltung durch starke visuelle Eindrücke besticht, und der es schafft, eine schier erstaunliche Tiefe gleich alten Gemälden zu erreichen.
Der Kaufmann von Venedig ist also kein Shakespeare-Stück, das in die Moderne adaptiert wird, sondern besticht durch eine klare Authenzität, die den Zuseher in die Vergangenheit entführt und ein fesselndes Spiel zwischenmenschlicher Beziehungen darstellt.