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Schon wieder Shakespeare?
In den letzten Jahren gab es ja einige Regisseure die sich an die Verfilmung von Stücken des Meisters wagten. Wir erinnern uns zum Beispiel an William Shakespeare`s Romeo and Juliet (1996) oder 10 Things I Hate About You“ (1999). Weiters gab es John Maddens Film über den jungen und verliebten Shakespeare: Shakespeare in Love (1998).


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Doch ob der Film glückte, nur weil Shakespeare als Vorlage diente, klärte Marlene Erlacher

Venedig, Ende des 16. Jahrhunderts: In der Stadt herrscht schon lange ein erbitterter Kampf zwischen den jüdischen Geldverleihern und den venezianischen Kaufleuten, der durch Vorurteile und Hass immer weiter aufgeschaukelt wird. Doch die Kaufleute sind von den Juden abhängig und brauchen die Kredite, so auch der angesehene Kaufmann Antonio (Jeremy Irons), der seinem hoch verschuldeten und nicht kreditwürdigen Freund Bassanio (Joseph Fiennes) helfen will. Bassanio ist nämlich in die wunderschöne Portia (Lynn Collins) verliebt und braucht Geld, um die angesehene Erbin des Landsitzes Belmont angemessen umwerben zu können. So geht Antonio auf einen ungewöhnlichen Handel mit dem verbitterten jüdischen Kaufmann Shylock (Al Pacino) ein: Er bekommt 3000 Dukaten; Können diese nicht zurückgezahlt werden, fordert Shylock anstelle von Zinsen ein Pfund Fleisch aus Antonios Körper schneiden zu dürfen….

Kritik
Der Kaufmann von Venedig spiegelt die Eigenschaften wieder, die in jedem Drama von William Shakespeare vorkommen, und bewahrt dadurch die Authentizität: Liebe, Lüge, Rache, Geld und Freundschaft führen, wie bei jedem Shakespeare-Stück, zu Verirrungen und Verstrickungen den ganzen Film über. Die Person, die wohl am meisten dazu beiträgt, ist der Jude Shylock, dessen Rolle exzellent von Al Pacino (Der Pate I – III, Im Auftrag des Teufels, zuletzt in Der Einsatz) umgesetzt wurde. Denn diese Dramatik und Tragik, die Shylock in sich trägt, kann durch Pacino perfekt auf den Zuseher übertragen werden, und obwohl er als Bösewicht gezeichnet ist, empfindet der Zuseher aufgrund der Komplexität dieser Person zugleich tiefes Mitgefühl und wahre Abscheu.

Al Pacino als Shylock

Ein weiteres zentrales Element in Shakespeares Werken ist die Liebe, denn was wäre ein Stück ohne Liebespaar? So besetzte Regisseur Michael Radford (Der Postmann, B. Monkey) den jungen, energetischen Bassanio mit Joseph Fiennes, der schon in Shakespeare in Love“ den verliebten Shakespeare verkörperte. Ohne Zweifel war dies die richtige Entscheidung, denn einen besseren verliebten Junggesellen, der um seine Angebetete wirbt, kann man sich nicht vorstellen: jung, impulsiv, romantisch und verschwenderisch präsentiert er sich dem Publikum und stellt den Inbegriff eines elisabethanischen Liebhabers und Aristokraten dar.

Jeremy Irons als Antonio

Regisseur Michael Radford war nicht an einer modernen und zeitgenössischen Verfilmung des Kaufmannes von Venedig interessiert und bestand auf ein Venedig des 16. Jahrhunderts, das durch eine muffige und dreckige Atmosphäre besticht, welche noch durch den ständigen Regen verstärkt wird und das Element Wasser drastisch hervorhebt. Diese Zeit perfekt wiederaufleben zu lassen war die Aufgabe des Kameramannes Benoit Delhomme, dessen Gestaltung durch starke visuelle Eindrücke besticht, und der es schafft, eine schier erstaunliche Tiefe gleich alten Gemälden zu erreichen.

Der Kaufmann von Venedig ist also kein Shakespeare-Stück, das in die Moderne adaptiert wird, sondern besticht durch eine klare Authenzität, die den Zuseher in die Vergangenheit entführt und ein fesselndes Spiel zwischenmenschlicher Beziehungen darstellt.

http://shakespeare.palomar.edu/
http://www.william-shakespeare.de/