Zwei jugendliche Brüder, nach einem Terroranschlag, bei dem ihre Eltern ums Leben kamen, getrennt, treffen nach Jahren wieder zusammen. Der eine – Mio (Marek Harloff): urban, stylish und modern – muss den anderen – Valentin (Arno Frisch): verschlossener Bergbauer mit emotionalen Problemen – zum Notar schleppen, um ordentlich Kohle für ein Tonstudio locker zu machen. Freilich steht Mios Freundin Stella (Mavie Hörbiger) bald zwischen den beiden Burschen, die während den nächsten eineinhalb Stunden versuchen, ihre Vergangenheit aufzuarbeiten.
Blackout Journey versucht, einer Handlung vom Niveau einer unterdurchschnittlichen Tatortfolge existentielle Facetten abzugewinnen und ein ergreifendes, jugendliches Drama zu schaffen. Regie und Drehbuch setzen dabei durchwegs auf Diametralitäten: Bub vom Land (noch dazu Bergbauer) trifft auf Bub aus der Stadt (noch dazu Deutscher). Mädchen (strohblond und mit rosafarbener Weste) sitzt folglich alsbald neben einfältigem aber süßem Buben (in mausgrauer Joppe plus Hose). Währenddessen fährt der städtisch situierte Bub ein Reh an, macht sich aber freilich nur Sorgen um seinen Wagen. Gut also, dass der naturverbundene Bruder einstweilen den Hirschfänger zückt und das leidende Kitz erlöst, was ihm freilich aber das Herz bricht – dem Naturbursch, nicht dem Kitz!
In dieser Art geht es dann hurtig weiter. Doch wer den Kinosaal frühzeitig verlässt, fällt um so abenteuerliche Geschichten, wie zum Beispiel die rund um die erste Begegnung zwischen Mio und Stella: Beim Stage-Diven ist der guten Stella jemand auf den Kopf gesprungen. (Erklärung für Bergbauern - Stage-Diven: wildes, selbst zerstörerisches von-der-Konzertbühne-in-die-tobende-Menge-hüpfen, begleitet von zu lauter Rock-Musik. Zumeist auch nicht ganz frei von Alkohol- bzw. Drogeneinfluss) Ja, eben dabei ist jemand geradewegs auf die zarte Stella geknallt, und der brave Mio hat damals als einziger gehandelt und sie gerettet. Man muss nämlich wissen: es herrscht eine tragische Isolation inmitten der urbanen Masse...
Generell muss Musik hier ziemlich oft herhalten. Doch selbst der Umstand, dass für den Sound die beiden verdienten Elektronik-Bastler
Pulsinger und
Tunakan gelistet werden, vermag die offensichtlichen Schwächen nicht zuzudecken. Er habe versucht, das Thema Vergangenheitsberechtigung „jugendgerecht zu verpacken“, meint der Regisseur über seinen Film. Und genau das sieht man der Geschichte dann auch allzu deutlich an. Zudem ist die Idee, seinen Protagonisten in luftigen Almhöhen ein wenig Selbsterkenntnis beizubringen, hierzulande nicht gerade neu: Denn nach gelungenen Arbeiten (
Die fetten Jahre sind vorbei) und eher weniger gelungenen (
Kaltfront) ist dies nur ein weiterer Beitrag zum Thema.
Doch wo die
fetten Jahre Spannung bauten und ihre Darsteller in ein kompliziertes Beziehungsgeflecht führten, bleibt
Blackout Journey irgendwo in der konstruierten Cultur-Clash-Geschichte hängen. Und dabei können die Städter nicht einmal die gute Luft so richtig genießen, denn während Stella noch mit dem Gedanken spielt, ein paar Urlaubstage am Land einzuschieben, bekommt ihr Freund eine Ladung schlammigen Waldboden ins Gesicht geklatscht. Doch man kann den jungen Mann beruhigen: er ist nicht der einzige, den derartige Szenen nerven...