Annette Bening zeigt uns in ihrer besten Rolle, wie man spielen muss, um das Publikum zu verzücken.
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London 1938. Julia Lambert (Annette Bening) ist eine gefeierte Schauspielerin, die sich langsam in die Midlife Crisis bewegt. Die Beziehung zu ihrem Mann ist rein geschäftlich, und das Spielen macht ihr keinen Spaß mehr. Als sie den jungen Verehrer Tom kennen lernt, erwachen ihre Lebensgeister wieder. Hals über Kopf stürzt Julia sich in die Affäre, ohne zu wissen, dass Tom nur Prestige und andere Frauen im Kopf hat. Als Vollblutschauspielerin lässt sie sich aber nichts anmerken, sondern plant ihre teuflische Rache.
Kritik
István Szabό, der bis jetzt eher für schwer verdauliche Filme mit epischem Einschlag bekannt war, präsentiert uns mit Being Julia eine leichte Komödie mit dramatischen Momenten, die nicht nur, aber hauptsächlich von einer Annette Bening lebt, die in der Form ihres Lebens spielt. Den Oscar hat sie zwar an Hillary Swank verloren, trotzdem bleibt sie für mich die heimliche Gewinnerin dieses Jahres.
Szabόs Komödie, die an manchen Stellen etwas an Woody Allens Bullets over Broadway erinnert, spielt im London der 1930er und zeigt uns die übliche opulente Ausstattung, die wir vom Regisseur ja schon gewohnt sind. Was wir nicht gewohnt sind, ist die Tatsache, dass dieser Mann ein feines Händchen für Dramaturgie, Witz und Schauspielerführung hat. Being Julia hat nämlich keine wirkliche Story. Bening als Julia passieren einige Schicksalsschläge, die die eitle Schauspielerin aus der Bahn werfen. Mehr hat der Regisseur aber nicht, um den Zuseher bei der Stange zu halten.
Dafür hat er einen Cast, der geschlossen gut spielt. Sei es der ein bisschen trottelig daher kommende Ehemann (Jeremy Irons - ihm gehören ganze Szenen), oder der strenge Schauspiellehrer Jimmie Langton (Michael Gambon) - alle machen ihre Sache hervorragend. Über ihnen steht aber Bening, die ihre Figur, die auch genügend negative Seiten hat, immer so menschlich darstellt, dass man sie lieben muss. Die Schauspielerin wechselt in einer Szene von himmelhoch jauchzend auf zu Tode betrübt, dass einem der Mund offen steht. Sie trifft wie eine Sängerin jeden Ton, verleiht der Figur dabei eine Gespaltenheit, die den Zuseher oft rätseln lässt, ob Julia es nun ernst meint oder spielt.
István Szabό gibt ihr dabei den größtmöglichen Freiraum. Nur am Ende muss Bening ihren ersten Platz mit der Inszenierung teilen. Denn der Showdown, der den Rachefeldzug Julias zeigt, ist eine wahre Freude, quasi die positive Variante zu Kidmans Gemetzel in Dogville. Und wenn dann der Abspann beginnt, ertappt man sich dabei, mit einem breiten Grinsen im Kinosaal zu sitzen.
Trivia - Geschichten und Gschichterln
Annette Bening hat für die Rolle der Julia den Golden Globe und andere Preise gewonnen. Der Oscar blieb ihr trotz einer Nominierung aber verwehrt.