München, 18. Februar 1943. Es herrscht Krieg, und Hitler scheint beinahe widerstandslos zu regieren. Die Geschwister Sophie (Julia Jentsch) und Hans Scholl (Fabian Hinrichs), beide Studenten an der Ludwig-Maximilians-Universität, rufen in einer Flugblattaktion an der Uni zum Widerstand gegen das Nazi-Regime auf. Dabei werden die beiden Mitglieder der studentischen Widerstandsgruppe "Die weiße Rose" vom Portier der Universität erwischt und der Gestapo ausgeliefert. Was folgt, ist ein Vernehmungsmarathon und nach drei Tagen die Hinrichtung der beiden, gemeinsam mit Christoph Propst (Florian Stetter), der ebenfalls Teil der Widerstandsgruppe war.
Das Schicksal der Geschwister Scholl ist Teil der "Grundausbildung" im Geschichteunterricht an österreichischen und deutschen Schulen; "Die Weiße Rose" und ihre Revolte gegen das nationalsozialistische Regime: eine oftmals gehörte Geschichte über den Widerstand gegen Hitler - Deshalb gibt es keinen Grund, das Ganze noch einmal filmisch aufzuarbeiten? Mitnichten.
Auch wenn es schon Filme aus den 80er Jahren, wie Percy Adlons Fünf letzte Tage und Die weiße Rose von Michael Verhoeven, über die Thematik gibt, so kann es nicht schlecht sein, erneut und gerade im Gedenkjahr 2005 an die Sache heranzugehen. Laut Regisseur Marc Rothemund (Harte Jungs) fällt die Neuverfilmung über die letzten Tage der Scholl-Geschwister zwar nur zufällig in dieses viel diskutierte Jahr, trotzdem kann dieser Film als weiterer Beitrag zur momentan verstärkt behandelten Vergangenheitsbewältigung und Erinnerung an Politsünden gesehen werden.
Ein rein politischer Film im eigentlichen Sinne ist Sophie Scholl – Die Letzten Tage aber auf keinen Fall. Hier wurden die bereits bekannten politischen Details durch eine zentrale Frage, die man sich als Seher nach diesem Film unvermeidlich zu stellen hat, fast vollständig ersetzt: Wie würde man selbst reagieren in einer solchen Situation? Wagemutig in den Tod schreiten für eine Überzeugung oder klein beigeben?
Die hervorragenden schauspielerischen Leistungen der Darsteller, im Besonderen der Hauptdarstellerin Julia Jentsch, machen aus diesem Film ein wahres Feuerwerk an Emotion. Die angespannte Situation überträgt sich auf den Zuseher, genauso wie die Verdrängung des nahenden Todes. Obwohl der Plot bekannt ist, fiebert man mit, hofft auf die Einsicht der Verurteilenden und eine Begnadigung. Umso bewundernswerter erscheint dabei die beinahe schon phlegmatische Gleichgültigkeit der Verurteilten, die ihr junge Leben für ihre Überzeugung lassen wollen. Der Film lebt vor allem von den Dialogen zwischen Sophie Scholl und dem Kriminalobersekretär Robert Mohr (Alexander Held), die den originalen Vernehmungsprotokollen entsprechen - ein sprachliches Hick Hack zwischen einer beinah trotzig erscheinenden 21-jährigen und einem Mitläufer, der sichtlich berührt ist von der Willensstärke der jungen Frau. Gelungen inszeniert und gespielt ist auch der Prozess des "Blutrichters" Roland Freisler (André Hennecke), der nach einer Salve von Geschrei und Beschimpfungen die drei noch am gleichen Tag zum Schafott führen lässt.
Die beiden gewonnnen silbernen Bären bei der diesjährigen Berlinale sind ohne Zweifel verdient. Julia Jentsch schafft zu überzeugen, und auch die filmische Aufbereitung mit dem Fokus auf die Gefühle der Sophie Scholl in diesen letzten Tagen ist gelungen.
Ein Film, der berührt und Geschichte lebendig macht. Ein Film, der gesehen werden muss.
Sophie Scholl beim Verhör zu Robert Mohr: "Nicht ich, sondern Sie haben die falsche Weltanschauung. Ich bereue meine Tat nicht, ich werde die Folgen dafür auf mich nehmen und ich würde es genauso wieder machen."