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Ein Meer aus Tränen...
...wird in vielen Kinos der neue Film von Alejandro Amenàbar, Mar Adentro (Das Meer in mir) verursachen.


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Ob die positiven Reaktionen auch gerechtfertigt ist, hinterfragt Marlene Erlacher

Ramòn Sampedro (Javier Bardem) ist querschnittgelähmt. Im Alter von 25 Jahren wird ihm seine große Liebe, das Meer, zum Verhängnis: Ein Kopfsprung ins seichte Wasser kostet Ramòn sein "körperliches Leben". Das Einzige, was Ramon bleibt, sind seine Träume. Darin kann er sich frei bewegen, fühlen und fliegen - und mit dieser Fähigkeit flieht er zu dem Ort, der ihn immer als Ort der Glückseligkeit galt und ihm alles nahm: "Das Meer". Ramòn empfindet sein irdisches Dasein als Bürde, und so fordert er nur Eines: Das Recht zu Sterben!
Diesen Todeswunsch zu akzeptieren und Ramòn zu unterstützen, fällt nicht allen leicht. Das spaltet auch seine Familie, bei der Ramòn seit seinem Unfall lebt. Doch die Familienidylle, an die Ramòns Vater (Joan Dalmau) gerne glaubt, bröckelt. Sein Bruder José (Celso Bugallo) ist strikt gegen Ramòns Wunsch zu sterben. Seine Trauer versteckt er hinter einer Wand aus Wut, wenn er versucht, Ramòn mit verbaler Gewalt umzustimmen. Für den Vater stellt das Ringen um das Weiterleben seines Sohnes einen psychischen Kraftakt dar. Er sagt: Schlimmer als ein verstorbenes Kind ist ein Kind, dessen einziger Wunsch jener zu sterben ist.
Doch Ramòn verleiht seinem Anliegen so viel Ausdruck, dass immer wieder Personen in sein Leben treten, die ihm die Kraft geben, weiter für sein Recht zu kämpfen. Ein zentrales Element in seinem Leben sind seine Beziehungen zu Frauen. Durch Persönlichkeit, Charme und Sinn für Humor versteht er es, sie alle zu begeistern: Genè (Clara Segura), die eine Mitarbeiterin des Vereins für Sterbehilfe ist. Julia (Belen Rueda), die Rechtsanwältin, die für ihn vor Gericht kämpft. Und auch die Fabrikarbeiterin und Radiomacherin Rosa (Lola Duenas), die Ramòn durch ihre ständigen Besuche helfen will. Diese Frauen verbindet die Liebe zu einem körperlich Hilflosen. Der aber erwidert diese Gefühle auf seine ganz persönliche Art und Weise - und immer mit einem verzweifelten Hintergedanken: Wer mich wirklich liebt, der hilft mir auch zu sterben.

Kritik
Der Film Mar Adentro beruht auf dem authentischen Fall des Spaniers Ramòn Sampedro und inszeniert den couragierten Feldzug Sampedros gegen spanische Justiz und katholische Kirche.

Regisseur Alejandro Amenàbar (The Others) gelang mit dieser Verfilmung ein Meisterwerk, das mit einer behutsamen Mischung aus zwischenmenschlichen Gefühlen, klaren Bildern und Traumsequenzen sein Publikum fesselt. Amenàbar entwickelte gemeinsam mit Mateo Gil das Drehbuch. Gil hatte schon bei The Others und Open your Eyes mitgearbeitet.

Das zentrale Element des Films ist die Persönlichkeit von Ramòn Sampedros, die durch Javier Bardem mit einer schier unglaublichen Sinnlichkeit verkörpert wird. Bardems Leistung wurde nicht ohne Grund mit Filmpreisen ausgezeichnet und verleiht dem Film große Tiefe.

Das Meer in mir glänzt durch viele schauspielerische Einzelleistungen, die sich innerhalb des Filmes in einem genialen Zusammenspiel ergänzen. Die Frauen, die Ramòn bei seinem Kampf um den Tod begleiten, bekommen eine große Gewichtung zugesprochen. Vor allem die Rolle der Rosa wird durch die junge Schauspielerin Lola Duenas impulsiv umgesetzt. Dennoch hat beschleicht den Zuseher das Gefühl, dass die Rosa im Film nicht die Bedeutung erhält, die ihr eigentlich zusteht. Und so geht ihr starker Charakter in manchen Szenen verloren.

Der juristische Kampf um Ramòns Willen ist bei Amenàbars Film eher nebensächlich. Nur wenige Szenen zeigen seinen Kampf vor Gericht. Dies tut der Aussagekraft des Werkes aber keinen Abbruch, da die persönlichen und charakterlichen Aspekte Ramòns im Vordergrund stehen.

Gedreht wurde in Galizien und am Strand von As Furnas - Originalschauplätze, die der Geschichte zusätzlich Authentizität verleihen. Und auch das Buch "Cartas desde el infierno" ("Briefe aus der Hölle"), das der "echte" Ramòn Sampedro schrieb, erhält viel Platz im Film. Diese Aufzeichnungen und Gedichte Ramòns lassen auch im Werk eine persönliche Atmosphäre zurück.

Auffallend ist die musikalische Untermalung von Ramòns Träumen, die den Bildern großen Ausdruck verleiht und von Amenàbar selbst komponiert wurde. So wird der Zuseher durch traumhafte Bildsequenzen in die Welt des Ramòn Sampedro entführt und kann in ein fabelhaft inszeniertes Meer der zwischenmenschlichen Gefühle eintauchen.

Info: Filmkritiker hat Amenàbar bereits begeistert - und dies spiegelt sich auch in diversen Preisen wider. Unter anderem wurde der Film bei den 61. Filmfestspielen in Venedig mit den silbernen Löwen ausgezeichnet, und Hauptdarsteller Javier Bardem gewann beim Europäischen Filmpreis 2004 den Preis als bester europäischer Schauspieler. Doch nicht nur Europa würdigt Amenábars Film: Bei der diesjährigen Oscarverleihung wurde Das Meer in mir als bester ausländischer Film ausgezeichnet.