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Elend kann so fotogen sein
Design-Übung für Jungregisseure: Man nehme ein Südstaaten-Drama, lasse es in einen lahmen Flucht-Thriller umschlagen und versuche, das Ganze besonders gut aussehen zu lassen.


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betrachtet von Thomas Taborsky

Kritik
Die Erwartungen schraubt sich der als Wunderkind des Indie-Dramas gehandelte David Gordon Green (All the Real Girls) gleich zu Anfang von Undertow in Schwindel erregende Höhen: Jamie Bell als Chris, der Ältere eines Bruderpaares, springt auf der Flucht vor einem wütenden Redneck von weit oben auf einen so richtig rostigen Nagel – schon ist der Film als intensiv und schmerzhaft markiert. In diesen ersten paar Minuten wird jedoch genauso die Saat einer bemerkenswerten Dünkelhaftigkeit gesät, die die Geschichte mutwillig ins Künstlerische reißen will: Natürlich muss der Halbwüchsige seinem kleinen Bruder Tim (Devon Alan) aus dem Holzstück samt Nagel, das er sich gerade eben aus dem Fuß gezogen hat, ein Flugzeug schnitzen…

Die rohe Energie des Sprungs auf den Nagel soll sich nicht wiederholen: Bedeutungsschwanger bewegt sich Green durch die Geschichte der Brüder, die von Kind auf Verantwortung übernehmen mussten und für die wenigen Momente des Spielerischen leben. Als dann ihr Onkel (Josh Lucas) auftaucht und wenig später den Vater (Dermot Mulrooney) wegen einer Goldmünzensammlung umbringt, müssen die beiden Zeugen des Verbrechens um ihr Leben fürchten, sollte der Onkel sie schnappen – ein weitgehend inhaltsentbehrendes Versteckspiel beginnt. Ein ums andere Mal beweist sich dabei nur der kompromisslose Zusammenhalt der beiden, als sie auf sich allein gestellt versuchen, sich durchzuschlagen; Natürlich ist der kleine Bruder auch noch krank.
Green gibt seinem Film einen Touch der späten 70er, indem er nicht nur die Credits in knalligem Gelb laufen lässt, sondern auch die damals so beliebten Freeze-Frames strapaziert. In einem Werk, das sich durch verfallende, rostende Südstaaten bewegt, putzt er so manchen Augenblick aus dem Siff heraus; zum Beispiel, indem er Shiri Appleby - in der Rolle einer Herumtreiberin zu sehen - durch eine Wasserlache in einer abrissreifen Halle an Bell vorbei schreiten lässt - in Zeitlupe. Nicht einmal die Trademark-Musik von Philip Glass kann diese Mischung von Elend und Inszenierung, verpackt in einem Thriller-Drama, noch retten.

Zitat
Tim (zur Frage, wie sie ihrem Onkel entkommen könnten): We’ll shave our heads, grow beards and only speak Apache.