Audrey Tautou – das Geschöpf, das 2001 in
Die fabelhafte Welt der Amélie zu verzaubern wusste, mit den großen braunen Rehaugen und dem verschmitzten Grinsen, wenn sie wieder einem ihrer Mitmenschen Lust aufs Leben machte, ist vielen noch in guter Erinnerung. Aber jetzt ist Krieg und Amélie weigert sich mitzumachen... genauer gesagt weigert sich Mathilde (
Audrey Tautou) zu glauben, dass ihr Verlobter Manech (
Gaspard Ulliech) tatsächlich im Bingo Crépuscule gefallen sein soll. Sie macht sich auf die Suche nach ihm und nach den Männern, die während des ersten Weltkrieges hingerichtet werden sollten.
Auf ihrer Reise in die Vergangenheit, in die schlammigen Schützengräben, in die Leben der Gefallenen und Entkommenen, in ihre eigene Vergangenheit mit Manech, bevor er fort musste, in die Erinnerungen derer, die ihr immer wieder erneut Hoffnung geben und nehmen, rekonstruiert sie die damaligen Geschehnisse.
Mit akribischer Liebe zu den kleinsten Details und dem verträumt-romantischem Erzählstil von Regisseur Jean- Pierre Jeunet (Die fabelhafte Welt der Amélie, Delikatessen) verwandelt sich dieser Film mit dem unglaublich seichten und schlechten Titel in eine Mischung aus den verschiedensten Filmgenres: vom Krimi über klassische Lovestory bis hin zum Kriegsfilm. Die schaurigen Aufnahmen vom verregneten Kriegsschauplatz wechseln sich mit den idyllischen Bildern vom kleinen Häuschen im Grünen, wo Mathilde bei ihrem Onkel Sylvian (Dominique Pinon) und ihrer Tante Bénédicte (Chantal Neuwirth) wohnt, ab. Ein Wirrwarr an Rückblenden, Stimmungswechseln und Hintergrundinformationen - gepaart mit zahllosen parallel ablaufenden Handlungssträngen - lassen das Ganze aber ein wenig überladen erscheinen. Auch der Versuch, so viele - fast gegensätzliche - Genres unter einen Hut zu bekommen, strengt an.
Was an Amélie und ihrer Welt so bezaubernd und inspirierend war - nämlich Paris, der schrullige Nachbar, die Postkarten an den reisefaulen Vater, die Fantasie in jeder Lebenslage - ist hier nur mehr durch Audrey Tautou vertreten. Die Liebenswürdigkeit ist nicht mehr die selbe, die Figur der aktiven Lebensverbesserin hat sich in eine verbissene, von Kinderlähmung gezeichnete Detektivin verwandelt. Die beiden Liebenden und ihre gemeinsame Vergangenheit werden nur wenig gezeigt; So romantisch die Suche nach ihm ist, so vergleichsweise unromantisch scheint die Zeit davor. Somit wirkt die Liebe zwischen Manech und Mathilde fast aufgesetzt und berührt wenig – da kann auch ein von Mathilde empfundenes unsichtbares Band zwischen den beiden oder ein unter der Hand schlagendes Herz nicht mehr viel retten.
Und doch. Dieser Film, mit 47 Millionen Euro Budget einer der teuersten europäischen Produktionen, bewegt. Nicht durch die Handlung und leider auch nicht durch die Tatsache, dass er im Stil des erfolgreichen Vorgängers gedreht wurde, sondern, weil diese Atem raubende und mit größtem Aufwand inszenierte Geschichte ein Bombardement an malerischen wie schrecklichen Bildern ist. Die Kriegsszenen in den Schützengräben sind glaubwürdig und gut inszeniert, die Zeit der zwanziger Jahre ist realitätsgetreu nachgestellt worden und, ja, Audrey Tautou ist nett anzusehen, wenngleich sie als Amélie mehr zu verzaubern wusste. Ein Film also, der nicht nur eingefleischten Freunden des französischen Kinos ans Herz gelegt werden darf.