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Satellitenstaat
Wer schielt denn da nach dem Oscar? – Die konstruierte Ausflugstour durch das Leben von Ray Charles!


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Betrachtet von Thomas Taborsky

Ray Charles Robinson (1930-2004), besser bekannt unter dem Namen Ray Charles, wuchs in armen Verhältnissen in Florida auf. Der Film folgt seinem Lebensweg von der schicksalgebeutelten Kindheit - er verlor mit 7 sein Augenlicht; sein Bruder ertrank in einem Waschzuber und die Mutter starb, als er 15 war - über die Anfänge seiner Karriere in Seattle bis zu den großen Erfolgen, die Mitte der 1960er allmählich von der damaligen Drogensucht des Musikers überschattet wurden.

Kritik
Ist es Ray Charles oder ist es doch Jamie Foxx?Dieser ganz besondere Schlag von Filmen hat es immer leicht, in Griffweite zu den Oscars zu kommen: große Geschichten, in denen Menschen sich jeden Tag überwinden müssen, um nicht aufzugeben. Natürlich wissen das die Studios, die auf die Preise aus sind, und deshalb dringen pünktlich zur Jahreswende genau jene Werke in die Kinos durch, die den diversen Auszeichnungszirkeln in Erinnerung bleiben sollen und gleichzeitig viel zu sperrig wären, um ein Sommerwochenende zu überstehen. Es sind Filme, die sich ihre eigene Schublade gebaut haben, und Ray ist einer davon.

Ray führt wie ein Ausflugsbus durch die erste Lebenshälfte von Ray Charles; Die Sehenswürdigkeiten hebt Reiseleiter/Regisseur Taylor Hackford unmissverständlich hervor. Flashbacks zum Kindheitstrauma, eingeleitet durch Rotblenden – rot wie die Lehmerde der Kindheit – und das ambivalente Leitmotiv – „Lass niemanden Dich zum Krüppel machen“ – das die Mutter mit gibt und das refrainartig wiederkehrt, lassen das Dasein eines der größten Musiker der jüngeren Zeit wie eine Baukasten-Sinfonie wirken. Zwischen den launigen Anekdoten über die Entstehungsgeschichte seiner Hits oder die Sicherheitstaktik, sich anfangs nur in 1-Dollar-Noten bezahlen zu lassen, hält die Kamera so gut es geht auf Jamie Foxx, der den Film im Alleingang am Laufen halten muss. Unterstützung gibt es nicht einmal im Ansatz; Harry Lennix ist ein gutes Beispiel dafür: Er spielt eine der zahlreichen Satellitenfiguren, die nur so flüchtig gezeichnet sind, dass sie sofort wieder verschwinden, wenn sie der Handlung nicht mehr dienlich sind. Für Lennix selbst ist die Rolle des Bühnenmanagers/Beraters Joe Adams ein weiteres Typecasting auf einen düsteren Charakter, der durch seine Handlungen möglicherweise dem Helden im Wege steht – ähnlich wie in den Matrix-Sequels.

Der Film endet mit der theatralischen Beilegung des inneren Konflikts, der Charles zu einer extremen Persönlichkeit machte. Jamie Foxxens Verdienst daran, dass zwischen der Kunst des Ray Charles und der Künstlichkeit dieser Verfilmung nicht das gesamte Vorhaben zerbröckelt, ist, dass er seiner Figur einen Rest an Menschlichkeit bewahren kann; Bei einem pompösen Konstrukt wie diesem, das mehr für die Preise denn als Würdigung für einen begnadeten Musiker gemacht scheint, wirkt dieser schon fast hinein geschmuggelt.

Trivia - Geschichten und Gschichterln
Hauptdarsteller Jamie Foxx studierte vor seiner Karriere als Comedien und Schauspieler an der Universität Juillard klassisches Klavier. Den Segen zu seiner Besetzung erhielt er von Ray Charles persönlich - nach einer zweistündigen Session am Piano.

Zitat
"From now on you 're gonna be called The Raelettes" - "Does that mean that we have to let Ray?"