Suche: Suche abschicken


Ein Norwegischer Filmexport
Fehlgeschlagene wissenschaftliche Feldforschungen und das Verhalten von Norwegens Junggesellen in der Küche: Eine Freundschaft zwischen zwei älteren Männern wird im Film von Bent Hamer visuell eindrucksvoll in Szene gesetzt.


Werbung

Eine Kritik von Marianne Schreck

Kritik
Bent Hamer ist vor 25 Jahren auf Bücher gestoßen, die unter dem Titel „Wie sie ihr Leben leben sollten“ Ratschläge für die Effizienz von Tätigkeiten in der Küche beinhalteten. In den 50ern hatte es sich das schwedische Forschungsinstitut für Heim und Haushalt zum Ziel gesetzt, dass Schwedens Hausfrauen innerhalb eines Jahres in der Küche nicht mehr - wie bisher üblich - die Strecke von Schweden bis zum Kongo, sondern nur mehr bis nach Norditalien zurücklegen sollte.

Die beiden Männer in ihrer Küche
Das Forschungsobjekt in Kitchen Stories ist nun nicht die Hausfrau, sondern der allein stehende Mann in dem kleinen norwegischen Dorf Landstad. Freiwillige haben sich dazu bereit erklärt, den Feldforschern Zutritt zu ihrem Haus zu gewähren, damit jene auf speziellen Hochstühlen die Tätigkeiten in der Küche dokumentieren können. Dabei ist jeglicher Kontakt zum Untersuchenden verboten.

Folke (Thomas Norström) soll Isaak (Joachim Calmeyer) beobachten. Isaak weigert sich jedoch anfangs, Folke Eintritt zu gewähren, da er anscheinend seine Meinung geändert hat. Folke gibt nicht auf und wartet in seinem speziell für dieses Forschungsprojekt konzipierten Wohnwagen vor dem Haus. Nachdem Isaak Folke doch ins Haus lässt, er es jedoch vorzieht, anstatt in der Küche im Schlafzimmer zu kochen, beginnt eine sehr schräge Beziehung zwischen den beiden, die durch die befremdliche Situation des Beobachters auf dem Hochstuhl für den Liebhaber skandinavischen Humors zur wahren Freude wird.

Die unerträgliche Situation des Nicht-Sprechens kann natürlich auf Dauer nicht weitergeführt werden, wodurch für Folke der Verlust der Arbeit auf dem Spiel steht. Das Schenken von Pfeifentabak, Würsten und Heringen lassen das Eis zwischen ihnen schmelzen und es beginnt eine recht rührende Art der Männerfreundschaft, die von Isaaks Freund Grant (Bjørn Floberg) nach und nach eifersüchtig beargwöhnt wird. Nachdem Folke seinen Job verliert, müsste er den Campingwagen wieder zurück nach Schweden bringen. Sein Akt der Freiheit besteht darin, dass er seinem Chef den Wohnwagen an der Grenze überlässt und zu Isaak zurückkehrt, um Weihnachten mit ihm zu feiern. Isaak ist jedoch während seiner Abwesenheit gestorben. Folke zieht in sein Haus ein, um dort sein Junggesellenleben weiterzuführen. Für die Wissenschafter ist der Fall Isaak deshalb interessant, weil er zu Beginn der Studie ein Loch in den Boden seines Schlafzimmers bohrt, um Folke beobachten zu können.

Kitchen Stories ist ein netter Film, der es schafft, ohne Worte bestimmte Stimmungen zwischen den beiden Männern zu visualisieren. Durch den Einsatz von betont trauriger Musik in traurigen Situationen neigt er jedoch teilweise zum Kitsch, wodurch die stark idealisierte Freundschaft der beiden Männer teilweise sehr unrealistisch wirkt. Viel Schnee und das vorwiegend bläuliche Licht im Film machen Kitchen Stories zum wahren Norwegen-Export – er wurde auch als Beitrag zum Oscar 2004 ins Rennen geschickt.
Die offizielle Seite zum Film:
http://www.kitchenstories.de/