
Die Erfolge von
Crouching Tiger, Hidden Dragon oder
Hero haben gezeigt, dass es einen westlichen Markt für fernöstliche Filme gibt; So war
Hero der Überraschungserfolg des letzten Jahres in den USA.
Das Publikum schätzt die visuell eindrucksvollen, durchchoreografierten Produktionen, vielleicht, weil die Darstellung, die Schauspieler und die Orte von gewohnten Sehkonventionen abweichen. Diese Exotik ist auch in
House of Flying Daggers bemerkbar. Gleich zu Anfang beeindruckt eine opulente Tanzszene, ein ritualisierter Kampf zwischen Kämpfer und blinder Tänzerin. Und auf der Flucht von Mei und Leo, die zur Gänze durch pitoreske Schauplätze führt, werden Landschaften und Kämpfe so eindrucksvoll inszeniert, dass diese zum eigentlichen Inhalt des Filmes werden.
SchauwerteZuletzt werden die Liebenden doch von Kämpfern in einem Bambuswald gestellt. In einem viertelstündigen Dauerregen zugespitzter Bambuspflöcke tanzt sich das Liebespaar in die Enge, um schließlich von den plötzlich auftauchenden Kämpfern der „Daggers“ gerettet zu werden. Hier überschreitet die Inszenierung die Grenzen, denn bereits bei der Kampfszene wird das Visuelle und die Action unglaubwürdig und bis zur Lächerlichkeit überzogen.
Visueller Surrealismus, opulentes Märchen oder überstilisierte Action - man kann es nennen, wie man will: Schauwert wird zum Selbstzweck und bringt den Film in eine Zwangslage, wo jede handwerkliche Ungeschicklichkeit, jedes Verletzen des guten Maßes zum Zusammenbruch der Illusion führt - Selbsttötung durch optischen Zucker.
Erstaunlicherweise lässt sich hier auch ein seltsamer Bruch in der Handlung feststellen. Die Geschichte vom Kampf der Rebellen gegen die Regierung tritt in den Hintergrund, den endgültigen Ausgang dieser Geschichte erfährt der Zuseher erst gar nicht mehr.
###### SPOILER - ACHTUNG! HIER WIRD DAS ENDE VERRATEN. ######
In den Vordergrund tritt die Beziehungsgeschichte zwischen Leo und Mei, die einem Drittem versprochen ist. Die beiden Freunde werden mit einem Male zu Rivalen. Die schwankende Mei entscheidet sich für die Liebe und somit für den eigenen Tod. Leider mutet uns der Film ein außergewöhnlich langes Sterben zu. Es dauert von Herbst bis Winter, inklusive zweimaliges Wiederaufwachen. Obwohl die filmische Zeit natürlich gerafft wird, nimmt das schätzungweise 20 Minuten in Anspruch. Was Schwülstigkeit und Langeweile angeht, übertrifft es somit das bisher ungeschlagene Sterben von Trinity in
Matrix 3. Die Zuseherreaktionen sind diesselben: „Stirb-Endlich!“-Rufe zum Gaudium der Allgemeinheit.
###### ENDE DES SPOILERS ######
Als Gesamteindruck bleibt somit ein optisch überladenes Stück Genrekino über, das neben seinen Schauwerten über keine nennenswerten Qualitäten verfügt und deshalb vor allem langweilt.