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Im Osten nichts Neues
Ränkespiele, eine schöne Frau und ein allzu langes Sterben: Kann das neueste Werk von Zhang Yimou (Hero) verzaubern?


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House of Flying Daggers (übersetzt: Das Haus der fliegenden Dolche) spielt auf zwei Ebenen: einer quasi-historischen und einer sehr persönlichen. Zum einen ist da der Kampf zwischen einer ungerechten Regierung im alten China und einer geheimnisvollen Widerstandsorganisation, den „Flying Daggers“ eben. Zum anderen eine äußerst private Dreiecksgeschichte: Mei, gespielt von der bereits aus Crouching Tiger, Hidden Dragon bekannten Zhang Ziyi, eine blinde Kurtisane, wird bald von den beiden regierungstreuen Kämpfern Leo (Andy Lau) und Jin (Takeshi Kaneshiro) als Widerständlerin und Tochter des ermordeten Anführers der Daggers verhaftet. Da diese jedoch von ihrem Generalissimo mit der Enttarnung des jetzigen Anführers der „Flying Daggers“ beautragt sind, verhilft Leo zur inszenierten Flucht, in der Hoffnung, zum Stützpunkt der Rebellen geführt zu werden. Als der Plan scheinbar gelingt, bricht der Konflikt zwischen den Personen auf.

Kritik
Die Ausstattungsorgie endet nicht bei den Kostümen (im Bild: Takeshi Kaneshiro)Die Erfolge von Crouching Tiger, Hidden Dragon oder Hero haben gezeigt, dass es einen westlichen Markt für fernöstliche Filme gibt; So war Hero der Überraschungserfolg des letzten Jahres in den USA.
Das Publikum schätzt die visuell eindrucksvollen, durchchoreografierten Produktionen, vielleicht, weil die Darstellung, die Schauspieler und die Orte von gewohnten Sehkonventionen abweichen. Diese Exotik ist auch in House of Flying Daggers bemerkbar. Gleich zu Anfang beeindruckt eine opulente Tanzszene, ein ritualisierter Kampf zwischen Kämpfer und blinder Tänzerin. Und auf der Flucht von Mei und Leo, die zur Gänze durch pitoreske Schauplätze führt, werden Landschaften und Kämpfe so eindrucksvoll inszeniert, dass diese zum eigentlichen Inhalt des Filmes werden.

Schauwerte
Zuletzt werden die Liebenden doch von Kämpfern in einem Bambuswald gestellt. In einem viertelstündigen Dauerregen zugespitzter Bambuspflöcke tanzt sich das Liebespaar in die Enge, um schließlich von den plötzlich auftauchenden Kämpfern der „Daggers“ gerettet zu werden. Hier überschreitet die Inszenierung die Grenzen, denn bereits bei der Kampfszene wird das Visuelle und die Action unglaubwürdig und bis zur Lächerlichkeit überzogen.
Visueller Surrealismus, opulentes Märchen oder überstilisierte Action - man kann es nennen, wie man will: Schauwert wird zum Selbstzweck und bringt den Film in eine Zwangslage, wo jede handwerkliche Ungeschicklichkeit, jedes Verletzen des guten Maßes zum Zusammenbruch der Illusion führt - Selbsttötung durch optischen Zucker.
Erstaunlicherweise lässt sich hier auch ein seltsamer Bruch in der Handlung feststellen. Die Geschichte vom Kampf der Rebellen gegen die Regierung tritt in den Hintergrund, den endgültigen Ausgang dieser Geschichte erfährt der Zuseher erst gar nicht mehr.

###### SPOILER - ACHTUNG! HIER WIRD DAS ENDE VERRATEN. ######

In den Vordergrund tritt die Beziehungsgeschichte zwischen Leo und Mei, die einem Drittem versprochen ist. Die beiden Freunde werden mit einem Male zu Rivalen. Die schwankende Mei entscheidet sich für die Liebe und somit für den eigenen Tod. Leider mutet uns der Film ein außergewöhnlich langes Sterben zu. Es dauert von Herbst bis Winter, inklusive zweimaliges Wiederaufwachen. Obwohl die filmische Zeit natürlich gerafft wird, nimmt das schätzungweise 20 Minuten in Anspruch. Was Schwülstigkeit und Langeweile angeht, übertrifft es somit das bisher ungeschlagene Sterben von Trinity in Matrix 3. Die Zuseherreaktionen sind diesselben: „Stirb-Endlich!“-Rufe zum Gaudium der Allgemeinheit.

###### ENDE DES SPOILERS ######

Als Gesamteindruck bleibt somit ein optisch überladenes Stück Genrekino über, das neben seinen Schauwerten über keine nennenswerten Qualitäten verfügt und deshalb vor allem langweilt.