Fatih Akin hat in seiner kurzen Karriere Filme gedreht, die alle in irgendeiner Weise mit den in Deutschland lebenden Ausländern und ihren Problemen zu tun haben. So handelt z.B.
Kurz und schmerzlos (sein bisher bester Film) von einer Männerfeundschaft, die im Vordergrund zwar die verschiedenen Nationalitäten der Akteure zum Inhalt hat, im Grunde aber eine reine Freundschaftsstory war, die auch mit anderen Nationalitäten funktioniert hätte. Mit
Im Juli und
Solino verlor der Regisseur, der die Mischung aus harter Realität und Romantisierung des Lebens sehr gut beherrscht, seine Linie aus früheren Tagen etwas. Mit
Gegen die Wand, der bis jetzt unzählige Preise eingeheimst hat, findet er nicht nur zu alter Form, sondern macht seinen bis dato besten Film, wenn nicht einen der besten deutschen Filme der letzten 10 Jahre.
Die Liebesgeschichte der jungen Sibel und des lebensmüden Cahit ist so intensiv gezeichnet, dass man sich als Zuseher nur schwer erinnert, Ähnliches in letzter Zeit gesehen zu haben. Akin vermischt wieder einmal ein Sozialdrama mit einer Liebesgeschichte und trifft dabei den Nagel auf den Kopf. So sieht es heute in den meisten westlichen Ländern aus, in denen die Nachfolgegenerationen der Einwanderer nichts mehr mit den Bräuchen der Eltern anfangen können. Und die, die noch immer an den Traditionen festhalten, wie z.B. der Bruder Sibels, missinterpretieren diese, was hier zu einer der intensivsten Szenen des Filmes führt. Cahit fragt den jungen Türken, der mit seinen Puffbesuchen prahlt „Warum fickt ihr nicht eure eigenen Frauen?“ und erntet damit einen heuchlerischen Wutausbruch des beleidigten Bruders. Cahit hat seine Herkunft nämlich schon lange vergessen. Er steht zwischen den Gesellschaften und geht seinen eigenen selbstzerstörerischen Weg. Erst die Liebe zu Sibel lässt ihn wieder Lebensmut fassen. Dies ist wirklich der klassische Plot für einen Liebesfilm, da er dazu führt, dass durch Missverständnisse und Unglücke die Liebenden erst am Schluss zusammenkommen.
Das einzige, was man dem Film vorwerfen kann ist, dass er im letzten Drittel einen etwas extremen und konstruierten Plot beschreitet. Da passiert einfach zuviel, was die Story betrifft. Trotzdem kann Akin den Vibe von Gegen die Wand bis zum Ende aufrecht erhalten, was nicht zuletzt auch an den hervorragenden Hauptdarstellern liegt. Birol Ünel und Sibel Kekilli spielen hier die Rollen ihres Lebens und das auf traumwandlerisch hohem Niveau. Aber so ist es halt im Leben: Wenn alles passt, dann passt eben alles.
Einer der schönsten Filme der letzten Jahre.