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Der Puntigamer Kopfwehpatient
Brenner ermittelt wieder: Salzburgs Klerus, die High Festspiel Society und einige Leichen.


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Jeder hat sein Kreuz zu tragenJetzt ist schon wieder… nein. Diesmal nicht im Haas-Jargon.

Also: Ein Mann hat sich den Mönchsberg in Salzburg hinuntergestürzt. Das ist tragisch, aber so was passiert. Immerhin ein beliebter und recht romantischer Selbstmörderabsprungplatz. Nur, komisch: Der Mann ist Schwiegersohn des Festivalpräsidenten, und hat sich außerdem vor kurzem an angeblichen Missbrauch während seiner Schulzeit im Knabenkonvikt erinnert. Da trifft es sich natürlich gut, dass die Anschuldigungen jetzt den Mönchsberg mit runtergesprungen sind.

Der Brenner (Josef Hader) ist zufällig auch in Salzburg. Als Kaufhausdetektiv, so tief ist er gesunken. Das bleibt er aber nicht lang, da er einfach zu gewissenhaft ist, sogar den feinen Damen der Salzburger Gesellschaft gegenüber. Eben eine dieser feinen Damen (Maria Köstlinger), Witwe des Festspielschwiegersohns, engagiert Brenner: Er soll herausfinden, wie freiwillig der Sprung in die Tiefe war. Dass sich der nunmehrige Ex-Kaufhausdetektiv bitten kürzester Zeit in einem Sumpf aus Festspielmauschelei, Prostitution, Hochkulturguerilla, katholischer Geistlichkeit, Mädchenhandel und Kindesmissbrauch wieder findet, hätten wir uns eigentlich denken können. Die Kombination Brenner (Puntigamer Kopfwehpatient) und Salzburg (verlogene Lodenkulturstadt) kann ja nur zu Problemen führen.


Kritik
Wo Komm, süßer Tod noch eine "Kriminalgroteske", ist Silentium ein lakonisch-schmerzhafter Kriminal-Heimatfilm. Es wird weniger überdreht geblödelt, dafür muss Brenner ganz schön in den sauren Apfel/die bittere Mozartkugel beißen: Von den Salzburger Sandlern ist er nur mehr durch sein Gespür für Unstimmigkeiten zu unterscheiden.

Nebenfiguren begeistern – so etwa Brenners tätowierter Mitbewohner ("I bin jetzt links, Herr Inspektor") oder die aus Anatomie 2 bekannte Rosie Alvarez als couragiertes Schlepper-Opfer, eine harsch-bezaubernde Apothekerin (Anne Bennent) und ein gruseliger Opernsänger (Jürgen Tarrach). Nicht ganz klar ist, warum der Berti (Simon Schwarz) – entgegen der Romanvorlage – wieder vorkommt. Und was die schauderhafte Rotzbremse in seinem Gesicht soll. Joachim Król gibt einen schmierig-glatten Kirchenmann, die österreichische Prominenz ist wieder stark vertreten – zahlreiche Cameo-Auftritte machen das Gesichterraten zu einem spannenden Sport im Kino. Das nur nebenbei.

Nicht nur für Salzburg-Kritiker: Sehr sehenswert.

Homepage des Films
http://www.silentium.at