Ein neues Jahr, ein neues Tagebuch: Bridget Jones (Renee Zellweger) kann dem Curry ihrer Eltern gemeinsam mit ihrem nunmehrigen Freund Mark Darcy (Colin Firth) entgegentreten. Für ihr Glück mit ihm lauern aber an jeder Ecke Bedrohungen: Da ist zum Beispiel die allgegenwärtige Rebecca (Jacinda Barrett), die nicht nur in Marks Job, sondern auch beim Skiurlaub mit von der Partie ist. Auch Daniel Cleaver (Hugh Grant), seit neuestem bei Bridgets Sender tätig, hat noch nicht genug von Bridgets Schlüpfern gesehen. Am meisten Angst macht ihr aber Mark selbst: Wird er die Frage aller Fragen stellen, oder ist er gar nicht mehr an ihr interessiert?
Es hat etwas unheimlich Beruhigendes, dass Filme meist Situationen präsentieren, die uns nie passieren werden. Von Bridget Jones steckt allerdings ein bisschen in jedem von uns – das macht Helen Fieldings Bücher so populär. Hier steckt ein Zwiespalt, in den eine Verfilmung dieses Stoffes gerissen werden muss: Soll eine solche Meta-Figur mit ihren Umkleide-Leiden, Verkorkstheiten und Beziehungsängsten so weit von uns entrückt werden, dass wir ihre – unsere – Fehler nicht mehr als eigene wahrnehmen?
Bei Bridget Jones – Am Rande des Wahnsinns wählte man genau diesen Weg: Renee Zellweger, rotwangig wie immer, jettet um die Welt, um auch ja in jedes Fettnäpfchen zu hopsen und nebenbei wegen einer Illusion ihr reales Glück zu zerstören. Punktlandungen im Schweinekoben, unfreiwillige Teilnahmen an Parallelslaloms und Pyjamaparties im thailändischen Frauengefängnis: In dieser Slapstickansammlung liegt keine Lebenserfahrung. Wie unwichtig dem Film die Realität war, lässt sich am ruhigsten Flug aller Zeiten bemerken, oder der Banalität, dass ein Menschenrechtsanwalt unkommentiert mit einem südamerikanischen Handelsminister konferiert.
Auch die herum wuselnde Gedankenwelt des Buchs ist im Film einer anhaltenden Panik gewichen. Angesiedelt ist sie bereits im psychiatrischen Bereich, wo sie sich von omnipräsenten, niedlichen Sekretärinnen (als Winona-Ryder-Abklatsch zu sehen: Jacinda Barrett) oder dem „Beziehungs-Oberkommando“, bestehend aus einer Emanze, einer öko-angehauchten Blondine und der filmisch-überzeichneten Schwuchtel, nährt.
Regionaler Spaß wird, wie in jeder anständigen Großproduktion, unterdrückt; Es bleiben Stummel wie der Name Charlie Parker-Knowles, der einer nebensächlichen Figur anhaftet, und dessen Witzpotenzial einfach ignoriert wird. Unübersehbar ist hingegen der Einkaufskorb voll mit Schmachtfetzen: Barry White, Marvin Gaye, "Everlasting Love" und die aus der Hitparade geklaubten Tracks von Beyonce Knowles und The Darkness, die allesamt vermuten lassen, dass hier ein Rekordbetrag für die Musikrechte bezahlt wurde.
Die Kardinalssünde dieses Films ist aber, dass er uns doch tatsächlich weis machen will, wir könnten uns jeden Fehler erlauben, wenn doch am Ende die Liebe über all das hinweg schaut – mitnichten: Die Mark Darcys auf diesem Planeten sind ziemlich unauffindbar.