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Greendale
Neil Young verfilmt seine letzte Platte „Greendale“ und entwirft damit die Geschichte einer fiktiven Ortschaft im Norden Amerikas, die an eine Wiedergeburt der heilen Welt aus dem Geiste der Altersweisheit glaubt. Ein nicht uninteressantes Projekt, unterminiert durch einen allzu simplen Ansatz.


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Kritik
Bernard Shakey nennt sich der Mann, dessen Werk hier gezeigt wird. Dass der ältere Herr in Wirklichkeit Neil Young heißt, das wissen wohl die Meisten. Nämlicher ist so etwas wie eine lebende Legende, und kaum eine Plattensammlung kann auch nur als annährend vollständig betrachtet werden, wenn sich darin nicht mindestens ein gutes Dutzend Young-Platten finden lässt. Die Hälfte auf Vinyl, Minimum!

Diese Platten heißen dann etwa „After the Goldrush „(großartig), „Harvest“ (geht so), „Sleeps with Angels“ oder „Freedom“ (beide ganz nett). Die Liste ließe sich noch lange fortsetzen, verrät aber jetzt schon einiges über das Weltbild des gebürtigen Kanadiers, der sich mit seiner Band „The Crazy Horse“ über Jahrzehnte hinweg einen Platz im Pophimmel (Abteilung Handgespieltes) gesichert hat.

„Greendale“ hieß das bislang letzte Album des Musikers, und „Greendale“ heißt nun auch der dazu gehörige Film. Eben diesen hat Herr Young selbst überlegt, geschrieben und mittels einer 8mm Kamera realisiert: In einer fiktiven Ortschaft – erraten, in Greendale – leben ganz normale nordamerikanische Kleinbürger, die Flanellhemden tragen, Pickups fahren und deren Häuser von US-Flaggen geziert werden. Rein äußerlich würden sie allesamt als gestandene Rednecks durchgehen, doch bei Mr. Young ist gründliche Heimatliebe und ein Bekenntnis zu Freiheit und Frieden nicht zwangsläufig so widersprüchlich, wie es in der Realität dann oft der Fall ist.

Aber zur Geschichte: Fast die ganze Greendale-Story dreht sich um eine exemplarische Country-Familie, bestehend aus Grandpa, Grandma und einer rebellierenden Enkelin mit langen Zöpfen. So kommt es dann auch, dass Grandpa auf der Veranda sitzt und von einer besseren Welt spricht, was meint, dass von einer besseren Welt gesungen wird; Denn Greendale kommt ganz ohne gesprochenen Text aus, wird lediglich von den Songs getragen. Da die Lyrics fast durchwegs durch die Bilder gedoppelt werden, erscheint kaum etwas auf der Leinwand, was nicht auch im Text beschrieben wird. Das ist schon grundsätzlich nicht sonderlich einfallsreich, wird aber vor allem dann zum Problem, wenn es da Textstellen gibt wie „Grandpa, here’s your coffee, said Edith, as she filled his cup.“ Die Waltons lassen grüßen.

Generell zeichnet „Greendale“ das leicht konservativ anmutende Bild einer Welt, die früher so viel besser war und einzig noch dadurch gerettet werden kann, dass die Alten (deshalb auch die vielen Grandpas, Grandmas, bärtigen Kapitäne und sonstige in grobes Flanell gehüllten altersweisen Prototypen) ihr Wissen an die Kinder weiter geben. Wenn der romantische Ansatz, Alltagsweisheiten könnten die Welt retten, im Normalfall schon etwas naiv scheint, dann wirkt er hier vor allem plump. Denn wenn die Enkeltochter in ihrem Zimmer hockt, im Fernsehen all die Katastrophen der Welt präsentiert bekommt, und in der nächsten Einstellung Heu von einem Lastwagen lädt, dann ist das schon fast zum Kotzen. Vor allem, wenn der gute Neil auf der Tonspur Dinge singt wie „Living in the sommer of love...“.

Doch dabei ist das alles reichlich gut gemeint, denn der in die Jahre gekommene Hippie Young liefert, wie gewohnt, auch hier Kritik, die man durchaus ernst nehmen könnte. So gibt es etwa Seitenhiebe auf den Überwachungsstaat, und auch Mr. Bush bekommt seine Watschen. Allein, das nützt leider alles nichts, wenn jeder diesbezügliche Ansatz von einer derart lachhaften Oberfläche erdrückt wird. Also sitzt Grandpa weiter in seinem Schaukelstuhl, trinkt seinen Kaffee, und die Dinge nehmen ihren Lauf. Irgendwann stehen sie dann alle auf einer Bühne und singen „Safe the planet for another day“. Und da rückt sich dann für einen Moment auch ein älterer Herr mit langem Haar, Cowboyhut und rotem Lumberjack-Hemd in die Reihen, schunkelt ein wenig mit, und darf von den wissenden Zusehern als Neil Young himself erkannt werden. „Be the rain, be the rain“, singt man gemeinsam, quasi als Handlungsanweisung zur Herstellung des Weltfriedens. Und vielleicht mag das ja sogar funktionieren. Aber wohl leider nur an einem fiktiven Ort wie Greendale.

Trivia - Geschichten und Gschichterln

Der Andrang ist für ein gut gebuchtes Festival wie die Viennale eher mäßig, die Auswahl der Anwesenden leicht kurios. Durchwegs junges Publikum, durchmischt  von älteren Damen und Herren, denen man ihren ehemaligen Hang zur Blumenliebe mitunter noch recht deutlich ansieht. Dafür kaum Vertreter des üblichen Festivalpublikums. Die dicke schwarze Brille sichtet man nur selten, und auch die olivefarbene Plastiktasche begegnet einem hier nicht ganz so häufig. Dafür ist da plötzlich der Verkäufer des Underground-Plattenladens, bei dem man sich Zeit seiner Jugend mit Musik und Kleidung eingedeckt hatte. Natürlich nur, bis das Geschäft Mitte der 90er schließen musste. Und fast so, als wäre die Zeit in diesen Tagen stehen geblieben, so wirkt dann auch dieser kuriose Kinobesuch.