Neue Variationen über die Biegsamkeit von Menschen in Agnès Jaouis zweitem Film.
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Kritik
Die selbe Aufgabe wie schon für ihren Erstling Le gout des autres setzte sich Agnès Jaoui auch für Comme une image: Menschen zu zeigen, die sich in einem veränderten gesellschaftlichen Umfeld bewegen und in Folge anpassen, Prinzipien über Bord werfen oder im Gegenteil ihnen letztendlich treu bleiben. Im Zentrum des Films steht Lolita (Marilou Berry), eine angehende Sängerin, die nicht nur mit sich selbst unzufrieden ist: Viele Menschen, unter ihnen der Junge, in den sie verliebt ist, pflegen den Kontakt mit ihr nur, um an ihren Vater (Jean-Pierre Bacri) heran zu kommen. Dieser, ein Egozentriker, hat sich mit einem Kreis umgeben, der seine Charakterschwächen aus verschiedenen Gründen übersieht oder sogar unterstützt.
Durch seine Frau Sylvia (Agnès Jaoui), Lolitas Gesangslehrerin, findet nun auch ein jüngerer Schriftsteller Aufnahme in dieses Umfeld. Während ihr Mann die dortigen Gepflogenheiten akzeptiert, erkennt Sylvia bald die zerstörerische Kraft an diesem Kreis - obwohl gerade sie zuerst Lolita benutzte, um ihr Autoren-Idol kennen zu lernen.
Noch mehr als bei der vorherigen Arbeit hängt Jaouis Ensemblestück vom eingewobenen Humor ab, der die Spitzen des in die menschliche Tragödie driftenden Films mitunter mildert. Im Gegensatz zu zB Rivettes Va savoir, in dem die Bühne als Ausdrucksmittel dient, ist die Leinwand hier aber nur eine erweiterte Bühne: Comme une image ist nichts anderes als ein Theaterstück an natürlichen Schauplätzen, das mit seinen ersten Worten „Können wir anfangen?“ danach schrie, Eröffnungsfilm der Viennale 2004 zu werden.