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Höllenbube voll in Fahrt
Hellboy ist groß, rot und Ihnen schlecht gesinnt. Aber nur, wenn Sie ein böses Monster sind.


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Ein wenig enttäuscht geschrieben von Markus Steiger

Kurz vor dem Ende des zweiten Weltkrieges versucht Hitler verzweifelt das Ruder herumzureißen. Seine eigens eingerichtete Abteilung für Okkultes unter der Führung des Killers Kroenen ist in Schottland drauf und dran, den Umschwung zu schaffen. Grigori Rasputin (Karel Roden), ein russischer Magier, öffnet das Tor in eine andere Dimension und holt Hellboy, einen kleinen roten Teufel, auf die Erde. Dieser wird jedoch nicht zur Hauptwaffe der Nazis, sondern von den Amerikanern gefangen. 50 Jahre später ist gerade dieser Hellboy Mitglied einer Spezialeinheit, die hauptsächlich Monstern in den Hintern treten soll.

Kritik
Einen hab' ich noch, einen hab' ich noch erklärte Otto Waalkes bei einem seiner frühen Programme. Und genau diesen Satz könnte Hollywood im Bezug auf Comicadaptierungen benutzen. Schlag auf Schlag kommen mehr oder weniger bekannte Superhelden auf die Leinwand, um uns das Lesen in einem Heftchen, das fast nur aus Bildern besteht, zu ersparen. Ist das nicht witzig. Früher haben die Eltern gegen Comics gewettert, da die Sprösslinge kein Buch mehr in die Hand nahmen. Heute werden uns sogar schon diese Comics filmisch aufbereitet. Wie weit soll das noch gehen? Aber nun Schluss mit diesem sozialen Kram.

Hellboy gehört in der Gruppe der Heros sicher zu den Interessanteren, obwohl die Anleihen bei anderen Comics unübersehbar sind. Guillermo Del Toro, ein mäßig begabter mexikanischer Regisseur, hat sich des Stoffes angenommen und schafft es, die erste Hälfte des Films durchaus interessant und witzig zu präsentieren. Die Einführungen der Charaktere, die tolle Optik, und besonders das Feeling stimmen. Hellboy wird als sich selbst überschätzender Twen (er altert langsamer als Menschen) dargestellt, der nur bei seiner Liebe Liz (Selma Blair)in die Knie geht. Der Agent John Myers (Rupert Evans) stellt den menschlichen Mitstreiter in Sachen Monster und Gegner in Sachen Liebe dar. Und besonders diese Dreiecksbeziehung ist wieder einmal Beweis für den Trend, Superhelden als menschliche Wesen mit all ihren Problemen darzustellen. Praktisch toll im Monsterhintern verdreschen, aber unfähig Gefühle zu äußern. Das ist zwar ganz nett, nimmt aber in diesem Fall dem Film den nötigen Drive.

Auch schade ist, dass die Figur Abe Sapien ab der Hälfte des Films absolut keine Rolle mehr spielt. Del Toro entgleiten sowohl Drehbuch als auch Inszenierung. Es kommt einem fast so vor, als hätte er beim Schneiden bemerkt, dass der Film zu lang wird, was den heftigen Einsatz der Schere erklären würde. Wo vorher gut und zügig erklärt wurde, macht die Handlung nun große Sprünge und man kommt sich vor, als würde der Regisseur nur noch schnell bis zum (enttäuschenden) Finale hetzen. Das zeigt sich besonders in der Szene, in der man von einer Sekunde zur anderen in Russland landet und später noch deutlicher, als nach einem von Liz verursachten Feuersturm die ganze Gruppe gefangen genommen wird. Keine Erklärung, warum und wie das geschah.

Wo man sich anfangs also noch über ein gewisses Indiana Jones-Feeling freut, sitzt man später nur noch bis zum Ende durch. Und trotzdem gibt es einen Grund, diesen Film zu sehen. Ron Perlman ist nicht nur optisch ein perfekter Hellboy, er präsentiert dessen Figur auch so, dass man sich keinen anderen dafür vorstellen kann. Perlman, der in seinen Fünfzigern ist, bringt die Figur des rebellierenden Twens wirklich glaubwürdig herüber und kann als einziger wirklich überzeugen. Der restliche Cast ist gut, geht jedoch neben der Physis des Hauptdarsteller unter.

Ansonsten gibt's an Hellboy nicht wirklich was auszusetzen. Die Action ist in Ordnung, wird aber am Ende zu inflationär eingesetzt, was noch keinem Film gut getan hat. Außerdem ist die Gegenwehr der Bösewichte nicht wirklich vorhanden. Kroenen überlebt Jahrzehnte und kratzt dann locker ab. Rasputin ist am Schluss sogar vom Goodwill Hellboys abhängig und kann ihn nicht einmal zur Kooperation zwingen. Schwach.

Hellboy ist eine Comicadaption, die durch ihre nette Optik (dunkel) und den fantastischen Hauptdarsteller punktet. Der Rest ist Massenware. Leider.

P.S.: Der zweite Teil ist übrigens schon in Planung.