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Wenn das Wörtchen wenn nicht wäre...
Der Flügelschlag eines Schmetterlings kann einen Orkan entfachen. Was kann da erst ein Mensch anstellen?


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Unter Tränen geschrieben von Markus Steiger

Evan Treborn (Ashton Kutcher) hat in seiner Kindheit ein Problem mit Blackouts, die scheinbar immer in wichtigen Situationen seines Lebens passieren. Als er eines Tages eine Passage aus den Tagebüchern seiner Jugend liest, findet er heraus, dass er sich dadurch in die Vergangenheit zurück versetzen kann, um Dinge zu ändern. Als seine Jugendfreundin Kayley (Amy Smart) Selbstmord begeht, sieht er seine Chance, das schreckliche Ereignis rückgängig zu machen. Dabei kann er noch nicht wissen, dass er damit eine Kettenreaktion auslöst, welche die Gegenwart wie er sie kennt, völlig verändert.

Kritik
Es gibt Filme, bei denen man ungefähr zur Mitte das Gefühl bekommt, sie könnten jetzt eigentlich vorbei sein. Doch dann denkt sich ein findiger Drehbuchautor einen (für ihn sicherlich genialen) Kniff aus, und man muss noch 1 Stunde im Kino sitzen. Die Regisseure Eric Bress und J. Mackye Gruber, die auch für das Drehbuch verantwortlich sind, haben von dieser Art Kniff nicht nur einen parat. The Butterfly Effect krankt an vielen Stellen, wobei die Fehlbesetzung von Ashton Kutcher das kleinste Problem darstellt (und das will was heißen).

The Butterfly Effect startet wie alle modernen übersinnlichen Thriller der letzten Jahre. Wieder einmal dient ein Kind in seiner vollen Unschuld als Opfer (oder Täter) von übersinnlichen Ereignissen. Wieder einmal kommt es aus zerrütteten Verhältnissen. So erinnert die Szene, in der Evan plötzlich mit einem Messer in der Küche steht, extrem an The Sixth Sense, wo es die Schubladen und Schranktüren waren, die in kürzester Zeit offen standen. Das ist aber nicht der einzige Film, an dem man sich voller Herzenslust bedient. Themen wie Kinderfreundschaft, Kindesmissbrauch oder Zeitreise waren schon in der Verganghenheit Zutaten des einen oder anderen Films dieses Genres.

Dieser hier funktioniert dann auch eine gewisse Zeit lang ganz gut. Evan hat seine Blackouts, die er mit Hilfe eines Tagebuchs in den Griff zu bekommen versucht, und die Rollenverteilung in der Kindergruppe ist auch ganz nett gezeichnet. Nur die Wutausbrüche des kleinen Tommy mitsamt Vermöbelung Größerer kommen extrem aufgesetzt (und etwas peinlich) daher. Problematisch wird es dann ab der Mitte, wo Evan das erste Mal versucht, die Vergangenheit zu ändern. Das funktioniert zwar ganz gut (das Leben ist super), jedoch muss ja jetzt ein Problem gefunden werden, damit es noch weiter gehen kann.

Spoileralarm

Tommy ist nämlich immer noch böse, da der Vater seine Wut wegen Evans Eingriff nun voll an ihm auslässt - Da fällt mir ein: Welcher Pädophile lebt seine Krankheit nicht aus, nur weil ein kleiner Junge mal kurz eine Moralpredigt hält? Drehbuchkniff. Also: Evan killt Tommy, was im Film sehr übertrieben wirkt. Drehbuchkniff. Danach muss Evan nach einer eher peinlichen Knastviertelstunde (ich sage nur Stigmata) die Vergangenheit ändern. Jetzt killt aber Lenny Tommy (der erste unfreiwillige Lacher; es werden noch einige folgen), und das in einer - jawohl - übertriebenen Szene. Drehbuchkniff. So muss Evan immer wieder zurück, um die letzte Scharte wieder auszuwetzen, nur um eine neue zu erzeugen. Ab hier kommt eigentlich nur noch Wunschprogramm: Was wäre wenn. Wenn Evan sich mit 10 einer Geschlechtsumwandlung unterzogen hätte, wäre er jetzt glücklich mit Lenny verheiratet. Wenn Lenny Tommy mit 13 in die Eier getreten hätte, wäre dieser nicht fortpflanzungsfähig, und die Menschheit würde im Jahr 4009 aussterben.

Der Höhepunkt wird erreicht, als Evan bei einer extrem dämlichen Aktion beide Arme verliert und querschnittsgelähmt wird. Da arbeiten Kutcher und Drehbuch fest zusammen, damit noch ein paar Lacher herausschauen. Absolute Lachgranate: Kutcher fährt mit dem Rollstuhl zur Mami ins Spital, die aus Sorge Kettenraucherin geworden ist und deshalb ein Lungenkarzinom hat (noch nie war Krebs so lustig). Er will ihr verdeutlichen, dass er die Vergangenheit ändern wird und rollt dafür näher zur Mutter. Dabei gibt es eine Close-Up-Aufnahme auf seine Protese, wie er den Joystick ungeschickt bedient - Ja wenn die Originale schon die Persiflage enthalten, wie soll dann eine Scary Movie-Reihe weitergehen? Das ist nicht wirtschaftlich gedacht!...

Spoilerende

Und so geht es weiter bis zum Happy End, das uns dann auch noch klar machen will, dass unser Schicksal eigentlich doch irgendwie vorbestimmt ist, egal wie man lebt. Ja ist das nicht eine schöne Message zum Ende des Abends? Das schon, aber nur für die, deren Schicksal es nicht ist, in solchen Filmen mitspielen zu müssen.

Fazit: Die beste Komödie des Jahres