Shrek, Fiona, Donkey und viele gute Gründe, warum man sein Englisch pflegen sollte.
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Kaum von der Hochzeitsreise in den Sumpf zurück gekehrt, werden Shrek (Mike Myers) und seine Prinzessin Fiona (Cameron Diaz) nach Far, Far Away eingeladen: Fionas königliche Eltern möchten ihnen zu Ehren einen Ball geben. Ob die frisch Getrauten wollen oder nicht: Donkey (Eddie Murphy) begleitet die beiden natürlich.
Doch wie Shrek es ahnte: Der Jubel für das Brautpaar ist gleich wieder vorbei, als er und Fiona aus der Kutsche steigen. Besonders der König (John Cleese) ist gar nicht glücklich, dass seine Tochter komplett zum Oger geworden ist. Aber nicht nur seine Pläne sind durchkreuzt: Die Gute Fee (Jennifer Saunders) ist erbost, dass Shrek ihrem Sohn, Prinz Charming (Rupert Everett), die Braut weg geschnappt hat. Deshalb zwingt sie den König auch, etwas zu unternehmen. Das tut der auch: Er heuert einen Killer an, der Shrek umbringen soll: den Gestiefelten Kater (Antonio Banderas)!
Kritik
Wer ist Bob Barker, und was ist The Bob Barker Treatment? Antwort eins: Er ist seit Jahrzehnten der amerikanische Moderator von Der Preis ist heiß, und der Mann, der bei Happy Gilmore Adam Sandler windelweich prügeln durfte. Antwort zwei: Bob Barker ruft am Ende jeder seiner Sendungen dazu auf, Katzen zu kastrieren bzw zu sterilisieren. Wenn also Donkey vorschlägt, den Gestiefelten Kater auf der Stelle dem Bob Barker Treatment zu unterziehen, ist das ein Brüller für jeden US-couch-potatoe – Das ist hierzulande aber niemand. Und Harry Wijnvoord – sollte sich noch jemand ans deutsche Der Preis ist heiß erinnern – rief nie zu Schnippelorgien an Katzen auf. Wie das also unterhaltsam übersetzen?
In Shrek 2 regiert der Wortwitz, und der geht in der Synchronisation meist verloren. Die Doppeldeutigkeit von to pop in for a spell lässt sich nicht ins Deutsche retten, egal wie lange der Dialogregisseur die Stirn darüber runzelt. Manche Pointe funktioniert natürlich ohne Worte, zum Beispiel wenn eine Taube gegen die Schlossmauer knallt, weil sie sehen wollte, warum da hinten plötzlich alles still ist. Wenn aber der Employee of the Month in der Zaubertrankfabrik gefeiert wird, muss man schon wissen, was das wieder bedeutet, um los lachen zu können.
Es hilft also nichts: So einen Film muss man im englischen Original genießen, zumal auch viel vom Image der Schauspieler, die ihre Stimmen Shrek & Co. liehen, in die Figuren ein floss: John Cleese als König ist konfus wie immer, Jennifer Saunders als Fairy Godmother ist für die Außenwelt absolutely fabulous in Stimmung; Antonio Banderas – ein absoluter Glücksgriff für die Rolle von Puss in Boots - greift zur Ritterlichkeit von Zorro und zum gar nicht unterschwelligen Charme eines Latin Lovers, während Eddie Murpy immer Eddie Murphy bleibt – auch als Donkey.
Untermalt wird all das von einem Soundtrack, der auf Mittzwanziger zugeschneidert ist: Die können sich noch erinnern, wann Counting Crows ihre Blütezeit hatten und sind auch in den 80ern dem Bonnie-Tyler-Original von I Need A Hero sicher nicht entkommen. Hier macht sich eine besondere Stärke des Films bemerkbar: jeder Song zur richtigen Zeit, und perfekt mit dem Bild choreographiert. Die Geschichte wirkt umso dynamischer, weil die Blickwinkel immer einfallsreich und die Kamerafahrten butterweich sind – sicher ein Vorteil der Computeranimation. Zugleich werden ständig Märchen, Filme und Trademarks zitiert: Der Gingerbread Man zB stürzt sich in bester Cliffhanger-Manier in Richtung des Lebkuchen-Riesen Mongo, woraufhin der E.T. zitiert. Die Fabelhaften Baker Boys, Mission: Impossible und unzählige andere Werke kommen daneben vor. Zwischendurch darf die eigene Botschaft verlautbart werden: Es ist nicht der schöne Schein, der zählt, sondern das, was in Dir drin ist – Hach!
Shrek 2 ist also ein Film für das Kind in uns, aber sicher kein Kinderfilm: Eine 6-jährige hat kein Interesse am lückenlosen Filialnetz von Starbucks, bei dem man über die Straße in den nächsten rennen kann, wenn die eine von einem Lebkuchen-Monster angegriffen wird. Sie hat keine Ahnung von den Titeln der Beatles-Alben, versteht den Seitenhieb auf Spider-Man und Herr der Ringe nicht, und – sollte man auch nicht vergessen – kann nicht gut genug lesen, um all die kleinen Scherze auf den Täfelchen überhaupt erst mit zu bekommen. Vielleicht wird sie sogar verschreckt sein von der Art, wie die Figuren miteinander umgehen: nicht gerade zimperlich nämlich: Wer schmeißt schon eine Meerjungfrau den Haien zum Fraß vor oder will das liebe Plappermaul Donkey los werden? In 15 Jahren, wenn das Mädchen 21 ist, wird es das alles verstehen – zumindest das, was bis dahin nicht in Vergessenheit geraten ist – Der Preis ist heiß, zum Beispiel. Es wird auch die sexuellen Anspielungen durchschauen, die kleine Dialog-Juwelen sind: Ein gutes Buch oder ein guter Film, die man sich nach Jahren wieder vor nimmt und völlig neu entdeckt - mitunter eine der schönsten Erfahrungen, die es zu machen gibt.
Die Frage bleibt: Kann ein Film wie Shrek 2, der heute auf der Höhe der Technik ist und mit seinen kulturellen Bezugspunkten am Anfang des 21. Jahrhunderts tiefe Wurzeln schlägt, selbst zeitlos wie ein Märchen sein? – Stark zu bezweifeln, aber für den Augenblick ist er umso näher am Geniestreich.
Zitat
Chefkoch: Bon apetit! Donkey: Oh, Mexican food, my favourite!
Zitat
Fairy Godmother: He endures blistering winds and scorching desert! He climbs to the highest bloody room of the tallest bloody tower, and what does he find: some gender-confused wolf telling him that his princess is already married!
Zitat
Maid #1: Pick me, I 'll be your true love! Maid #2: I 'll be your true love! Maid #3: I 'll be true…enough.
Zitat
Shrek: Thank you, Gentlemen! Someday I 'll repay you – unless, of course, I can 't find you or if I forget.
Zitat
Donkey: Princess! Fiona: Donkey? Donkey: Whoa, that potion worked on you, too, huh? Fiona: What potion? Donkey: It 's kind of a long story, but see: Shrek and I took some magic potion and well, now – we’re SEXY! (Schnurren im Hintergrund) Fiona: Shrek? Puss in Boots: For you, baby, I could be.
Zitat
Schlosswache: More heat, less foam!