Lee Holloway (Maggie Gyllenhaal) liebt die Selbstverletzung - dass der eine Schnitt zu tief geriet und sie unter Suizidverdacht in die Klinik eingeliefert wurde, ist in ihren Augen ein dummer Ausrutscher. Nun wieder daheim, ist alles so gewohnt gestört wie immer in der spießigen Vorort-Idylle. Lee beschließt, die neu erworbenen Fähigkeiten an der Schreibmaschine einzusetzen und sich einen Job zu suchen. Sie bekommt eine Stelle als Sekretärin beim exzentrischen Rechtsanwalt E. Edward Grey (James Spader). Was zunächst als - recht bizarre - Arbeitsbeziehung beginnt, entwickelt sich mehr und mehr zu einer lustvollen und intensiven SM-Affäre zwischen Chef und Sekretärin. Lee entdeckt eine neue Welt und Edward Grey die Angst vor der eigenen Courage. Er kündigt ihr den Job und setzt sie an die Luft. Doch er hat nicht mit Lees Hartnäckigkeit gerechnet.
Ein Film wie eine Frage für die Psychologiediplomprüfung: Was machen ein pedantisch, dominanter Jurist und seine masochistisch, sich selbst verstümmelnde Sekretärin zusammen im Büro? Richtig. Ein bisschen Hanky - Panky, ein bisschen "Herr - und - Sklave" spielen und viel sexuelle Spannung aufbauen. Man erwartet zumindest einige prekäre Sexszenen, eventuell im Latexoutfit, mit Lederpeitsche oder ähnlichen Accessoires. Auch die Vorschau verspricht ein Softpornoähnliches Gelage. Doch weit gefehlt: dieser Film beweist dass die Thematik auch ohne viel Nacktheit und mit viel Gefühl behandelt werden kann.
Maggie Gyllenhaal ist als verschrecktes und psychisch geschlauchtes Mauerblümchen ein wahrer Augenschmaus. Von der übervorsichtigen Mutter mit Zuneigung erdrückt, vom Vater und seiner Alkoholsucht angewidert und von der Welt nicht verstanden, trifft sie nun auf einen herrlich überkorrekten, völlig weltfremden James Sader. Für alle, die bis zu diesem Zeitpunkt gedacht haben, ein solches Spiel von herrschen und beherrscht werden sei krank und jenseits davon erotisch zu sein, wird staunen. Nicht umsonst heißt es im Volksmund: "was sich liebt, das neckt sich".
Mit einer bewundernswerten Ruhe, die leider streckenweise auch schon langweilt, wird die Spannung zwischen den beiden Charakteren aufgebaut. Jede kleine Geste wird zerpflückt um die Gedankengänge und die lustvolle Selbstgeißelung zu verstehen. Regisseur Steven Shainberg ist der gewagte Versuch gelungen aus dem Ganzen eine nicht alltägliche und trotzdem berührende Romanze zu machen. Die Anfängliche Verwunderung über die Psychosen der Hauptdarsteller verwandelt sich allmählich in eine ganz banale und höchst befriedigende Situation - nämlich eine Anziehungskraft zwischen zwei Menschen, die sich mit ihren Neigungen herrlich ergänzen. Wie normal oder nicht dieses Spiel ist, kann der Zuseher selbst entscheiden. Doch manch einer wird überrascht sein, wie nachvollziehbar und witzig die neckischen Hänseleien sein können.
Einzig der Schluss beeindruckt nicht und hinterlässt ein etwas eigenartiges Gefühl von einem hineingebastelten Hollywood - Ende. Alles in Allem jedoch einfach mal erfrischend anders.