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Bescherung auf Britisch
Weihnachten mit Hugh Grant & Co.: Bittersüßer englischer Komödienpudding vom Notting Hill-Autor.


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In Geschenkpapier eingewickelt von Reinhard Bradatsch

Kritik
Da wird großspurig ein Film für die ganze Familie angekündigt. Und dann rotzt der zu seinem letzten Comeback angetretene Ex-Rockstar Billy Mack, fein ausstaffiert mit Iggy Pop-Gesichtskratern und Keith Richards - Mundwinkelzigarette, in die Kameras: „Kids, this is a message from your Uncle Billy. Don 't buy drugs. Wait until you 're a rock star, and they give them to you for free!”

So viel Ironie muss sein; selbst bei Neo-Regisseur Richard Curtis, der mit „Tatsächlich Liebe“ zwar zu allererst das Rennen um den schnellsten Start(termin) bei der Weihnachtskomödie 2003 hingelegt hat, mit TV-Star Bill Nighy aber auch gleichzeitig einen Anwärter auf den zugedröhntesten Darsteller dieses Kinojahres präsentieren darf. Curtis lässt Nighy „Love is all around“ – jene Schmuseballade, die Wet wet wet anno 1994 nochmals kräftig durch den Weichspülgang haben laufen lassen, um dann zu Hugh Grant und Andie MacDowells Gestöhne als Kopulationsdauerberieselung zu funktionieren – herrlich falsch in der X-Mas-Version intonieren. Der verwünscht diese von der Plattenfirma aufoktroyierte Weihnachtsaufnahme und kann sich doch nicht gegen Platz 1 der Charts wehren. Ein Höhepunkt in einer ansonst abgeklärt wirkenden Britkomödie: Es dominiert Romantik mit einem Schuss Melancholie, fein garniert mit dezentem englischem Humor. Ingredienzen, die der arrivierte Autor schon in Romantikkomödien von „Vier Hochzeiten und ein Todesfall“ bis zu „Bridget Jones“ seinen Stars, allen voran Englands Schwiegersohn Nr. 1 Hugh Grant, erfolgreich ins Skript geschrieben hat – hier fein verrührt in 8 romantischen Episoden zum festlichen Weihnachtsmenü.

Dabei mundet naturgemäß nicht jeder Gang gleich gut. Colin Firths Schriftstellerfigur Jamie – im französischen Domizil spielt er mit der portugiesischen Haushälterin das „Liebe überwindet auch die dümmsten Untertitel“-Spiel – scheint eher einem Rosamunde Pilcher-Rührstück als dem Drehbuch entsprungen zu sein. Daneben nimmt sich Liam „Trauerweide“ Neesons Sorge um den Liebeskummer seines 11-jährigen Sprösslings geradezu rührend an, während Emma Thompson der Mann davonläuft; Keira Knightley kämpft mit dem gegenteiligen Problem (sie hat schon einen). Die restliche Mannschaft, vornehmlich britische Schauspieler A-Garde, tut gerade mal so viel, als dass ihre Rollen nicht zu einem hoch bezahlten Kameo verkommen. Hugh Grant darf – in gewohnt schusseliger Manier – als Premierminister auch Frauen mit großem Hintern mögen und dem US-Präsidenten (formidabel: Billy Bob Thornton als sexistisches Ekelpaket) einmal so richtig die Meinung über dessen Größenwahn geigen und dabei englische Minderwertigkeitsgefühle unter den roten Teppich kehren. Und zwei Pornodarsteller vereinbaren während des pikanten Drehs ein Date.

Dass die Zutaten etwas abgestanden schmecken und mit Curtis’ holprigem Erzählrhythmus nicht immer harmonieren, wird festlich gestimmte Kinozuschauer nicht stören: Tatsächlich ... Liebe eignet sich vorzüglich als Beschäftigungstherapie für die Kleinen zu Heilig Abend oder als Abwechslung vor langen Menschenschlangen in der Shopping Mall. Hinterher, wenn Curtis Zweisamkeit in Bilderreihen anonymer Liebespärchen zelebriert, wissen wir, dass Kino auch heute noch als Zufluchtsort vor der Wirklichkeit funktionieren kann.

http://www.loveactually.com/
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