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Matrix - Reloaded
Blut, Schweiß und CGI: Der Mittelteil der Matrix-Trilogie hat es schwer, in die Fußstapfen des Kult-Vorgängers zu treten.


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Kritik
Um den überwältigenden Einfluss von Matrix bestätigt zu bekommen, nur eine kleine Geschichte: Auch videofreak, das Vorprojekt zu allesfilm, leitete sein Enblem von der Matrix ab: Neben dem Schriftzug videofreak befand sich eine ominöse Hand, die drei Kugeln präsentierte. Natürlich lockten sie nicht wie Morpheus in die tiefsten Tiefen des Kaninchenbaus, sondern luden ein, von der Farbwelt der Filme zu kosten - deshalb auch RGB: rot, grün und blau

Es war im Frühjahr 2000, als dieses Logo, inspiriert vom Kultfilm, entstand. Vier Jahre und Tausende Denkmäler für ihr Werk später erzählen die Wachowskis ihre Geschichte selbst weiter - und müssen gegen ihren eigenen Kult antreten. Denn deckt sich das, was die Massen von der Welt der Matrix erwarten, überhaupt mit dem, was die beiden mit ihrer Trilogie von je her anstellen wollten? Die Tiefen des Kaninchenbaus, in die Matrix Reloaded führt, können denen kaum schmecken, die sich beim Vorgänger am optischen Overkill festgehakt haben: Nach einem furiosen Start, bei dem wieder alle Kiefer auseinander gehen - 40 Minuten nichts. Das ruppige Menschenversteck Zion wird vorgestellt, der neue Operator Link und seine Familie ebenso eingeführt wie der altersschlaue Senator. Und dann schaffen es Neo und Trinity endlich, wie die Karnickel übereinander her zu fallen - im Gleichschritt mit dem kollektiven Exzess der Tribal-Techno-Messe, bei der Zions Bevölkerung sich einem erdigen Schweißtreiben hingibt: Wer damit den Unterschied zwischen Mensch und Maschine verdeutlichen wollte, hätte es für die von den ersten Szenen gierig gemachte Klientel nicht unerträglicher inszenieren können.

Obwohl: So unerträglich ist es gar nicht. Man muss dafür aber die neun Kurzfilme der Animatrix gesehen und das PC-Spiel Enter The Matrix gespielt haben. So ist der Junge, der Neo nach läuft, plötzlich gar nicht mehr nervig, sondern macht Sinn. Das ist auch das Hauptproblem des gesamten Films: Erst im Verbund mit allen anderen Produkten versteht man, was die Wachowskis wollten - nur für den Preis einer Kinokarte kann man ihre ausgetüftelte Welt aber nicht bekommen.

Was bleibt, sind Grundfragen, die angerissen werden: Entscheidung oder Kausalität? Mit dem Merowinger gelingt es den Matrix-Machern, einen schön verdorbenen Charakter zu schaffen, der auch für einige Bonmots gut ist. Der Hauptanteil am Wachowski-Humor fließt aber in den herrenlosen Agenten Smith, der sich mit Teil 2 zu Neos Gegenspieler aufbaut. Hugo Weaving ist auch der einzige, der es schafft, seine schauspielerische Ausstrahlung spielen zu lassen - ohne überhaupt seine Kopien mitzurechnen. Mit seinem Auftreten kommt auch wieder Schwung in den Film: Die Realität wird zum Beinah-Zeichentrick, in dem Zeit ein beliebig manipulierbarer Begriff ist; genauso später bei der zentralen Verfolgungsjagd, die gleich mehrere Dinge aufzeigt; Zu aller erst: Möglichst viel soll möglichst wild wirbelnd kaputt gehen. Dann: Es gibt Momente wie die Lastwagenkollision, die rechtfertigen, warum so viel Geld in die Produktion geflossen ist. Und: Die Filmmusik (hier der Treibjagd-Zehnminüter Mona Lisa) ist die verlässlichste Stütze der Matrix-Filme. Die meisten der Katalogsongs von P.O.D., Marilyn Manson, Linkin Park, und wie sie noch heißen mögen, wurden ohnehin nur eingekauft, um etwas über dem unfassbar langen Abspann spielen zu können.

An dieser Stelle sei übrigens gesagt: Harrt aus. Bleibt sitzen und wartet, bis diese gewaltige Namensflut zu Ende ist, denn danach kommt der Teaser für Matrix Revolutions. Und überhaupt: Ihr zahlt für den Abspann, also konsumiert ihn auch!

Dass die Wachowskis gerne mit Versatzstücken aus der Realität arbeiten, soll sich im Verlauf von Matrix Reloaded nicht nur am Superman-Nachmacher zeigen; Der Freud-Doppelgänger gehört genauso dazu. Und wieder finden wir uns in einer Unterredung, wie sie sonst nur bei Star Trek abläuft: Mit Fakten wird nur so um sich geknallt, bis man aufgibt, das Gehirn abschaltet und inständig darauf hofft, dass Neo endlich mit dem Silberbart kurzen Prozess macht. Es ist genau diese Weise, die es unmöglich macht, all die neuen Infos über die Matrix aufzusaugen: Entweder gibt es Haudrauf oder langen Dialog, kein Dazwischen aber wie noch beim ersten Teil, wo beides ineinander floss. Obwohl sich das Gesamtwerk ab der Mitte fängt und mit einem zünftigen Cliffhanger abschließt, der einige Spekulationen ermöglicht, ist zu hoffen, dass "The Matrix Revolutions" eine Wahl trifft: entweder das opulenteste Actionmahl aller Zeiten in einem megalomanischen Showdown ohne Rücksicht auf weitere Matrix-Details abzuliefern, oder noch tiefer in den Kaninchenbau zu gehen und die Geschichte nach einem Dutzend Handlungswirrungen verblüffend einfach enden zu lassen - so verblüffend einfach und einleuchtend, dass wir alle nach dem Datenport in unserem Nacken tasten...

Trinity (Carrie-Anne Moss) kämpft, Trinity fällt, Trinity wird erschossen. Noch ist dieses Bild nur in Neos (Keanu Reeves) Träumen, doch er weiß, dass es passieren wird. Viel Zeit zum darüber Nachdenken hat der Auserwählte jedoch nicht, denn die Maschinenwesen haben zu graben begonnen: In 72 Stunden werden sie Zion, die letzte freie Stadt der Menschheit, erreicht haben. Alle Kapitäne erhalten Befehl, sich mit ihren Schiffen in Zion zu sammeln, um einen Widerstand zu organisieren. Morpheus (Laurence Fishbourne) bleibt nichts anderes übrig, als Folge zu leisten und in die Bastion zurück zu kehren, weil er sein Schiff, die Nebukadnezar, aufladen muss. Gegen die Order bringt er jedoch ein anderes Schiff dazu, zurück zu bleiben und den Kontakt zur Matrix aufrecht zu halten, für den Fall, dass es Nachricht vom Orakel gibt.
Kurz darauf ruft es auch. Auf dessen Parkbank erfährt Neo nicht nur einiges mehr über die Wesen der Matrix und die Wahl, die er längst getroffen hat, sondern auch eine weitere schlimme Neuigkeit ereilt ihn: Agent Smith (Hugo Weaving) ist noch immer da - weder aber als Teil des Systems noch alleine...
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