Zwei italienische Nationalheiligtümer in einem Film: Oscarpreisträger
Roberto Benigni (
Das Leben ist schön) und Carlo Collodis Pinocchio, die lebendige Holzpuppe - klar, dass dieser Film in Italien zum Kassenschlager avanciert. Nur merkwürdig, dass
Pinocchio außerhalb Italiens kaum eine halbwegs positive Kritik bekommen hat. Benigni, nicht nur Regisseur sondern auch Protagonist, ein Endvierziger mit sich lichtendem Haarschopf, als kleiner Bub Pinocchio - das stößt nicht nur Kindern (denn um einen Kinderfilm soll es sich handeln) übel auf ( "Papa, was macht der komische Mann da? "). Signore Benigni im körpernahen Clownskostüm, mit weit aufgerissenen Augen und hysterisch herumhüpfend - das kann kaum gut geh’n. Alle Figuren, etwa die "Ehrenmänner " Kater und Fuchs, werden von erwachsenen Schauspielern gespielt, was immer wieder verwirrt; in einer einfallslosen und retro-kitschigen Dekoration. Schade, denn hier ist viel Geld aufgewendet worden. Pinocchio ist ein Märchen: Ein übermütiger Pinienklotz langt beim Holzschnitzer Gepetto ein, der eine Puppe daraus macht. Diese Holzpuppe, Pinocchio, wird lebendig, ist alles andere als brav und bringt sich und seinen "Papa " in ärgste Schwierigkeiten. - Botschaft: Wenn du brav bist, lieben dich alle und es geht dir gut. Bist du aber schlimm, müssen deine Nächsten wegen dir leiden. Bei Benigni kommt diese erzreaktionäre Message völlig ungefiltert, ohne jede ironische Brechung auf die Leinwand. Wieviele Jahrzehnte Pädagogik gehen hier den Bach runter?
Roberto Benigni, kein Freund des Berlusconi-Regimes, hat Pech gehabt. Die Verleihfirma ging Pleite, den Vertrieb von Pinocchio hat Berlusconis Firma Medusa übernommen. Merchandising inbegriffen: Wie weiland Harry Potter grinst nun Roberto "Pinocchio " Benigni von Schultaschen und Schreibgerät. Auch das tut weh. Fazit: Das Leben ist schön. Roberto Benignis Pinoccio ist es nicht.